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Yelp-Hauptquartier in San Francisco: Lässigkeit, umgeben von Art Deco

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Yelp-Hauptquartier in San Francisco Art-Deco-Trutzburg mit Bierbar

Bonbons, so viel man will, Bier, kostenloser Edelkaffee und Billardtische: Das Headquarter des Bewertungsportals Yelp in San Francisco bedient die behaglichen Klischees des lässigen Arbeitens in der Internetbranche. Doch so viel Wohlfühl-Atmosphäre kann auch anstrengend sein.

Jahrelang stand das imposante neugotische Gebäude der Pacific Telephone & Telegraph Building an der Montgomery Street in San Francisco leer. Die Erdbebensicherung fehlte. Seit einigen Monaten aber hat das Gebäude neues Leben: Rund 800 Angestellte der Bewertungsplattform "Yelp" arbeiten seit Ende 2013 hier auf 12 Etagen und rund 14.000 Quadratmetern.

Die Renovierungsarbeiten an der Art-Deco-Trutzburg mit ihren vielen Backsteinmauern und der opulenten Dekoration wurden aber erst kürzlich abgeschlossen. Das knapp hundert Jahre alte Gebäude war vom Architekten Timothy Pfleuger entworfen worden und seinerzeit der höchste Bau der Stadt.

Von hier aus hatte Winston Churchill 1929 den ersten transatlantischen Telefonanruf getätigt. Heute sitzt Yelp auf den Stockwerken 4 bis 12. Das Art-Deco-Interieur aus der guten alten Zeit wurde kräftig aufgemotzt: Es gibt einen Barista-Stand mit kostenlosem Edelkaffee (monatlich wechselnde Sorten) für die Angestellten, Fahrradräume, Tischtennis- und Billardtische, eine Bierbar mit iPads zur Bewertung der Biersorten direkt an den Zapfhähnen und meterweise Gläser mit Süßigkeiten, aus denen sich die Angestellten bedienen dürfen. Die neue Innenausstattung stammt von Primo Orpilla (Studio O + A).

Der Chef verteilt Hundeleckerlis

Erfolgreiche Verkäufer werden nicht einfach mit ihrem normalen Bild als "Angestellte des Monats" geehrt, sondern bekommen ein fantasievolles Fotoshooting, bei dem sie sich etwa als Cowboy, Schönheitskönigin oder Soulstar inszenieren können. Ansonsten sind die Hierarchien flach - CEO Jeremy Stoppelman hat seinen Schreibtisch in der Ecke eines Großraumbüros, beladen mit Hundeleckerli-Tüten für seinen Hund Darwin.

Wer besonders nett zu seinen Kollegen war, bekommt den "Care Bear" auf den Schreibtisch, ein scheußliches Stofftier, das als wöchentlicher Wanderpokal unterwegs ist - ebenso wie das Plüscheinhorn, das dem beliebtesten Mitarbeiter zur Seite gestellt wird.

Ein Gong ertönt, wenn ein wichtiger Deal über die Bühne gegangen ist - und wer den eingefädelt hat, darf die Musik aussuchen, wie Stoppelman bei einer Videotour des Magazins "Techcrunch" erklärte.

Zu feiern gab es da schon einiges. Im zweiten Quartal dieses Jahres hatte Yelp das erste Mal in den zehn Jahren seines Bestehens einen Überschuss erwirtschaftet - 2,7 Millionen US-Dollar bei einem um mehr als 60 Prozent auf 88,8 Millionen gestiegenen Umsatz. 68 Millionen Besucher sind monatlich auf der Plattform aktiv, wo sie Restaurants, Geschäfte und andere Lokalitäten bewerten können. Yelp ist mittlerweile in 28 Ländern vertreten, jüngstes Feature ist die Möglichkeit, Restaurantkritiken mit Videos zu versehen.

Das schicke neue Hauptquartier selbst hat auf einer eigenen Plattform allerdings nur klägliche zweieinhalb Sterne - das mag aber daran liegen, dass der Großteil der rund 6000 Rezensionen diesen Platz nutzen, um sich mit dem Geschäftsgebaren der Firma auseinanderzusetzen. Viele Geschäftsinhaber klagen über Intransparenz bei den Kriterien, nach denen Bewertungen freigeschaltet werden.

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