Steuern & Co Womit Deutschland internationale Immobilieninvestoren vergrätzt

Immobilieninvestoren achten auf Transparenz - denn was nützen die schönsten Immobilien, wenn deren Eintragung ins Register nicht klappt? Ein aktuelles Ranking zeigt, welche Staaten daran scheitern. Und dass auch Deutschland kein strahlendes Vorbild ist.
Von Arne Gottschalck

Hamburg - Für Investoren zählt vieles - zum Beispiel die Lage einer Immobilie oder deren Ausstattung. Es kommt aber auch darauf an, die Immobilie problemlos erwerben zu können. Und nicht von unwilligen Katasterämtern oder anderen Fährnissen ausgebremst zu werden. Das gleiche gilt für Immobilienaktien, für jedes entsprechende Investment.

Der Immobiliendienstleister Jones Lang LaSalle (JLL) hat sich zum achten Mal in Folge die Welt angesehen und eine Rangliste aufgestellt. Kernfrage: Wie einfach lassen sich Immobiliendeals abwickeln? Je höher die Transparenz, umso einfacher ist es.

Und da gibt es aus deutscher Sicht eine Überraschung. Denn anders also oft gemutmaßt, steht Deutschland im weltweiten Transparenzindex nur auf einem hinteren Rang (Rang 12). Hinter der Schweiz (Rang 10) und hinter Schweden (Rang 11).

"Die Bewertung der Transparenzkriterien in Deutschland ist im Vergleich zur letzten Untersuchung 2012 weitestgehend unverändert geblieben", ordnet Helge Scheunemann das Ergebnis ein. Er ist Head of Research Germany bei JLL. "Auch Deutschlands Platzierung hat sich insofern nicht geändert".

Aufholjagd: Osteuropäische Länder um mehr Transparenz bemüht

Allerdings konnte der Rest der Welt aufholen, zum Beispiel osteuropäische Länder wie Rumänien. Sie arbeiten hart daran, für Investoren attraktiver zu werden. Deutschland dagegen agiert seit Jahren auf hohem Niveau - das zu verbessern ist schwierig. Die Studie zumindest birgt zumindest einige Vorschläge, wie Deutschland doch noch in die Top Ten vorstoßen könnte.

Beispiel Steuerkomplexität - die internationale Investorengemeinschaft bescheinigt Deutschland Nachholbedarf, ebenso bei der Verfügbarkeit von Informationen über Immobilienkredite.

Freilich mag es eine Rolle gespielt haben, dass viele Immobilieninvestoren aus angelsächsischen Ländern stammen und ihnen damit beispielsweise angelsächsische Steuersystemen bekannter erscheinen. Entsprechend gehören 6 von 9 jener Länder, die als "sehr transparent" gelten, dem angelsächsischen Kulturkreis an. Irland zum Beispiel schafft es auf Rang 8, Kanada auf Platz 6.

In anderen Ländern wiederum wäre es extrem überraschend, ein hohes Maß an Transparenz aufzufinden - im bürgerkriegszerrütteten Libyen zum Beispiel (Rang 102, der letzte Platz) oder im Irak (Rang 97). Und dass Griechenland in einer Transparenzstudie auf Rang 33 und damit dem "semitransparenten" Bereich landet, dürfte nach den Erfahrungen von EU und Weltbank mit dem griechischen Steuerbehörden auch nicht überraschen.

Lesen Sie hier, wer es in der Gunst der Investoren ganz nach oben geschafft hat.

Rang 5 - Frankreich

Quelle für das Ranking: Jones Lang Lasalle, 2014

Quelle für das Ranking: Jones Lang Lasalle, 2014

Foto: BENOIT TESSIER/ REUTERS

Frankreich: Gutes Essen, klar - und offenbar auch ein transparenter Immobilienmarkt laut Jones Lang Lasalle. Es reicht für Rang 5 im Ranking.

Rang 4 - Neuseeland

Quelle für das Ranking: JLL, 2014

Quelle für das Ranking: JLL, 2014

Foto: Marty Melville/ Getty Images

Neuseeland: Spätestens seit der Verfilmung der Tolkien-Bücher ist das Land ins Bewusstsein der Öffentlichkeit gerückt - und für Hobbit-Freunde wie Investoren gleichermaßen interessant.

Rang 3 - Australien

Quelle für das Ranking: JLL, 2014

Quelle für das Ranking: JLL, 2014

Foto: REUTERS

Sidney: Das Opernhaus ist nicht nur Kulturfreunden ein bekannter Anblick, sondern spätestens seit dem Film "Finding Nemo" auch der breiteren Öffentlichkeit. Für Immobilieninvestoren ist Australien einer der besten Märkte der Welt.

Rang 2 - die USA

Quelle für das Ranking: JLL, 2014

Quelle für das Ranking: JLL, 2014

Foto: © Reuters Photographer / Reuter

Yellow Cabs: Das Verkehrsmittel Nummer eins für Investoren. Und vermutlich ein Heimspiel - denn viele Immobilieninvestoren haben ihren Sitz in den USA. Sie empfinden das angelsächsische Steuer- und Bürokratiesystem als transparenter als in einigen europäischen Ländern wie Deutschland (Rang 12).

Rang 1 - Großbritannien

Quelle für das Ranking: JLL, 2014

Quelle für das Ranking: JLL, 2014

Foto: epa Geoff Caddick/ DPA

Das Kreuz des heiligen Georg: Von fußballerischen Glanztaten war zuletzt wenig zu vernehmen - doch für Immobilieninvestoren ist Großbritannien das, was für Fußballfans derzeit Brasilien ist - the place to be. Rang 1 im Ranking.

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