Rekord bei Baugenehmigungen Deutschland baut - immer noch zu wenig

Deutschland baut so viel Wohnungen wie schon lange nicht mehr, doch werden nicht zuletzt durch Zuwanderung deutlich mehr Wohnungen benötigt. Wirtschaftsverbände fordern mehr öffentliches Geld für den sozialen Wohnungsbau und attraktivere Förderbedingungen.
Der Hauptverband der Deutschen Bauindustrie geht davon aus, dass in diesem Jahr etwa 270.000 Wohnungen in Deutschland neu fertiggestellt werden. Benötigt würden jedes Jahr aber 350.000 bis 400.000 neue Wohnungen, sagen Experten

Der Hauptverband der Deutschen Bauindustrie geht davon aus, dass in diesem Jahr etwa 270.000 Wohnungen in Deutschland neu fertiggestellt werden. Benötigt würden jedes Jahr aber 350.000 bis 400.000 neue Wohnungen, sagen Experten

Foto: Uwe Anspach/ picture alliance / dpa

Der Wohnungsbau in Deutschland legt weiter kräftig zu. Von Januar bis Juli wurde der Bau von gut einem Viertel (26,1 Prozent) mehr Wohnungen genehmigt als im Vorjahreszeitraum, teilte das Statistische Bundesamt am Montag mit. Demnach gab es 213.600 Baugenehmigungen.

Eine noch höhere Zahl in den ersten sieben Monaten eines Jahres hatten die Statistiker zuletzt im Jahr 2000 verzeichnet.

Einen besonders starken Zuwachs im Vergleich zu 2015 gab es der Behörde zufolge bei Neubauwohnungen in Mehrfamilienhäusern : Hier stieg die Zahl der Baugenehmigungen um 26,7 Prozent auf knapp 94.500. Bei Wohnungen in Zweifamilienhäusern stieg die Zahl der Genehmigungen um 15,1 Prozent, bei Einfamilienhäusern um 7,6 Prozent.

Den prozentual stärksten Zuwachs verzeichnete das Statistische Bundesamt bei Baugenehmigungen für Wohnungen in Wohnheimen - hier gab es ein Plus von 142 Prozent auf 13.800 Wohnungen. In die Kategorie der Wohnheime fallen etwa Flüchtlingsunterkünfte .

Begünstigt wird der Bauboom durch den steigenden Bedarf im Zuge von Zuwanderungen und niedrige Zinsen. Investoren stecken mangels attraktiver Anlagealternativen viel Geld in Wohnungen und Häuser. Bundesregierung und Immobilienwirtschaft schätzen den jährlichen Neubaubedarf auf 350.000 bis 400.000 Wohnungen. Gemessen daran wurde im vergangenen Jahr das Ziel mit 250.000 neuen Wohnungen verfehlt.

BDI: Schaffung von günstigem Wohnraum dauert viel zu lange

Mieterbund und der GdW-Bundesverband der Wohnungsunternehmen fordern deshalb mehr öffentliches Geld für den sozialen Wohnungsbau, attraktivere Förderbedingungen und die Überarbeitung gesetzlicher Vorgaben, die das Bauen einschränken.

BDI-Vizepräsident Thomas Bauer und seines Zeichens auch Tiefbauunternehmer schlug am Montag in die gleich Kerbe. Die Schaffung von billigem Wohnraum dauere viel zu lange, und in Deutschland seien viele Menschen auf preisgünstiges Wohnen angewiesen.

Dabei könne eine einfache Wohnung im sozialen Wohnungsbau schon für 1800 Euro pro Quadratmeter (ohne Grundstückkosten) errichtet werden. Auf dem Land könnten Wohnungen sogar inklusive Baugrund für diesen Preis errichtet werden. Dies sei aber nicht in Großstädten möglich.

2016 werden nach Angaben des Hauptverbandes der Deutschen Bauindustrie (HDB) voraussichtlich etwa 270.000 Wohnungen in der ganzen Bundesrepublik fertiggestellt. Darunter befinden sich 55.000 Mietwohnungen, von denen 15.000 bis 20.000 auf den sozialen Wohnungsbau entfielen.

Von den gestiegenen Immobilienpreisen können nach Aussage von Bauer nur die wenigsten Baufirmen profitieren. "Die Preise für Immobilien ziehen nicht an, weil die Baupreise steigen." Sie legten zu, weil Grundstücke fehlten und dadurch die Grundstückspreise stiegen. Auch die Regulierung wie etwa Umweltauflagen verteuerten das Bauen.

rei/afp/dpa
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