Ungebremster Immobilienboom Münchener Neubaumieten reißen 20-Euro-Marke

München untermauert erneut seinen Ruf als teuerste Metropole der Republik. Für Neubauwohnungen müssen Mieter jetzt mehr als 20 Euro je Quadratmeter zahlen. Der Trend zum Homeoffice soll bald ein Ventil öffnen.
Boomtown: München im Winter

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Foto: Heinz Gebhardt / imago images/Heinz Gebhardt

Die Mieten in Deutschlands am dichtesten besiedelter Stadt sind trotz Corona weiter gestiegen: In München seien für eine gute Neubauwohnung jetzt durchschnittlich 20 Euro je Quadratmeter zu zahlen, sagte Professor Stephan Kippes, Leiter der Marktforschung beim Immobilienverband Deutschland - IVD Süd, am Donnerstag. Die Münchener müssten im Durchschnitt 30 Prozent ihres Haushaltseinkommens für Wohnkosten ausgeben. Bei den Baugenehmigungen und Fertigstellungen in der Landeshauptstadt gebe es seit Jahren "eine ganz schaurige rote Trendlinie nach unten".

Allerdings erwarten die Immobilienexperten demnächst "einen gewissen Dämpfer". Das liegt zum einen an der Rezession und steigender Arbeitslosigkeit, zum anderen am Trend zum Homeoffice. Das Homeoffice erlaube viel größere Entfernungen für Pendler: "Wenn ich nur einmal pro Woche nach München muss, hab ich zum Wohnen fast den Rest Bayerns zur Verfügung", erklärte Kippes. Das sei ein Hoffnungsschimmer für ländliche Regionen, die mit Abwanderung kämpften, während "München überkocht".

Im bayerischen Durchschnitt sind die Mieten für Wohnungen und Häuser seit dem Frühjahr um 3 Prozent gestiegen. Eine gute Bestandswohnung ist in München für 17,40 Euro pro Quadratmeter zu haben, in Augsburg, Nürnberg und Würzburg für gut 10 Euro, in Ingolstadt sowie in Fürth, Bayreuth, Bamberg und Schweinfurt meist schon darunter. Bundesweit sind in Großstädten im Schnitt 12,40 Euro fällig.

Audi killt den Luxusmarkt in Ingolstadt

In Ingolstadt seien die Mieten weiter auf Talfahrt. "Hauptgrund ist der Einstellungsstopp bei Audi", sagte IVD-Marktforscher Michael Specht. Privatvermieter verlangten zwar noch Preise, die inzwischen unrealistisch seien, suchten aber lange. Die Mieten "werden noch deutlich heruntergehen", sagte er. "Das Hochpreissegment ist komplett weggefallen."

Auch in Nürnberg hätten Mieter jetzt viel mehr Auswahl. "Die Zahl der Besichtigungen bis zum Abschluss steigt, die Vermarktungszeiten werden länger", sagte IVD-Experte Markus Kestler.

Stuttgart als weitere süddeutsche Metropole kommt laut IVD im Herbst auf Neubaumieten von 16,60 Euro pro Quadratmeter. Für andere deutsche Großstädte liegen dem IVD noch keine aktuellen Vergleichszahlen vor. Zuletzt wurde das Mietniveau vom Verband im Frühjahr erhoben. Damals stand München bei 19,50 Euro, hinter Stuttgart (16,50 Euro) folgten Hamburg (15,60 Euro), Köln und Düsseldorf (je 15 Euro). Am günstigsten unter den Halbmillionenstädten waren Leipzig (10,20 Euro) und Dresden (10,50 Euro) Der IVD geht jedoch davon aus, dass die Corona-Krise stärkeren Einfluss auf die Mieten als etwa auf Kaufpreise habe. Die Zahlen vom Frühjahr dürften also überholt sein.

Daten für Berlin, wo im Februar ein auf fünf Jahre befristeter Mietendeckel von höchstens 9,80 pro Quadratmeter in Kraft trat, veröffentlicht der IVD nicht. "Der Markt ist außer Kraft gesetzt, eine zuverlässige Marktberichterstattung ist deshalb nicht möglich", urteilt IVD-Präsident Jürgen Michael Schick. Ab 2014 entstandene Neubauten sind von dieser Obergrenze ausgenommen.

München ist seit Jahren die Stadt mit dem höchsten Mietniveau in Deutschland.

ak/dpa-afx
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