Sonntag, 22. September 2019

Digitalisierung auf dem Vormarsch Wie lange gibt es noch Immobilienmakler?

Zu verkaufen: Die Digitalisierung ist auch in der Immobilienbranche bereits vorangeschritten - wie weit wird sie noch gehen?

Das dürfte für viele eine abenteuerliche Vorstellung sein: Jemand kauft sich eine Immobilie, um sich darin heimisch und wohl zu fühlen - und er schaut sie sich vorher nicht ein einziges Mal persönlich an. Unvorstellbar? Nicht für Hanno Heintzenberg, den Gründer und Geschäftsführer des jungen, bundesweit agierenden Großmaklerunternehmens McMakler.

Schon bei der Gründung im Jahr 2015 war McMakler unter anderem mit dem Ziel angetreten, den Immobilienmakler aus Fleisch und Blut obsolet zu machen. An dessen Stelle sollte die Technik treten: Kundenkontakt, Objektpräsentation, Terminmanagement, Dokumenteneinsicht - möglichst den gesamten Prozess der Immobilienvermittlung wollte das Start-up aus Berlin über kurz oder lang mit Software-Lösungen und Algorithmen bewältigen.

Von diesem Ziel mussten sich Heintzenberg und Co zwar inzwischen verabschieden. Im laufenden Jahr strebt McMakler dem Chef zufolge ein Immobilien-Verkaufsvolumen von einer Milliarde Euro an, und zwar mit inzwischen bundesweit etwa 600 Mitarbeitern, sehr menschlich, aus Fleisch und Blut.

Wer dem Jungunternehmer bei einer Gesprächsrunde am Dienstag in den Räumen des Hamburger Nobelmaklers Dahler & Company zuhörte, konnte jedoch zu dem Schluss gelangen: Heintzenberg hat sich nur vorläufig von seiner Idealvorstellung verabschiedet - das Fernziel "Abschied vom Makler" bleibt.

Fernziel: Abschied vom Makler

Und die Argumente des McMakler-Chefs klingen durchaus einleuchtend: Die Technik schreitet unaufhaltsam voran. Schon heute lassen sich mit digitaler Hilfe Abläufe verbessern und Arbeiten erledigen, die Immobilienmakler vor allem Zeit und Nerven kosten, etwa bei der Objektbewertung oder beim Exposé-Versand. Nicht mehr lange, und Computer ermöglichen vielleicht Immobilien-Präsentationen, die einer realen Besichtigung sehr nahe kommen. Stichwort: Virtual Reality.

Hinzu kommt, so Heintzenberg, der Kostendruck. Bundesjustizministerin Katarina Barley (SPD) verfolgt gegenwärtig das Ziel, das sogenannte Bestellerprinzip, das bereits seit 2015 für den Vermietungsmarkt gilt, auch für den Verkauf von Immobilien einzuführen. Das heißt: Nach dem Willen der Ministerin soll in Zukunft nicht mehr wie bisher üblich der Käufer, sondern der Verkäufer den Immobilienmakler bezahlen.

Dafür gibt es zwar bislang nicht viele Befürworter beim Koalitionspartner CDU/CSU. Sollte das Bestellerprinzip jedoch tatsächlich, wie von McMakler-Chef Heintzenberg erwartet, auch beim Immobilienkauf eingeführt werden, so hätte dies womöglich signifikante Folgen für die Branche. Nicht wenige Experten erwarten in dem Fall Umsatzrückgänge bei Maklerunternehmen.

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