Donnerstag, 20. Juni 2019

Digitalisierung auf dem Vormarsch Wie lange gibt es noch Immobilienmakler?

Zu verkaufen: Die Digitalisierung ist auch in der Immobilienbranche bereits vorangeschritten - wie weit wird sie noch gehen?

2. Teil: Modernisierer vs. Makler mit Leib und Seele

McMakler-Chef Heintzenberg sieht seine Branche angesichts dessen unter Zugzwang: Per Digitalisierung muss seiner Ansicht nach die Effizienz gesteigert werden, auch um diese befürchteten Umsatzausfälle abfedern zu können. Viele Informationen, so sagt er, könnten künftig auch direkt vom Eigentümer an einen möglichen Käufer weitergegeben werden.

Aber eine Welt ganz ohne Immobilienmakler? Einer, der sich das ganz und gar nicht vorstellen kann, ist Björn Dahler, Gründer und Chef von Dahler & Company, Gastgeber der Talkrunde am Dienstagmittag - und Immobilienmakler mit Leib und Seele.

Auch Dahler lebt keineswegs in der Vergangenheit. Er weiß um die Notwendigkeit und die Vorteile der Digitalisierung, und er bewegt sein Unternehmen den eigenen Worten zufolge durchaus in diese Richtung. Alle Unternehmen in der Branche, die professionell geführt würden und im Wettbewerb bestehen wollten, täten das, so der Unternehmer.

Vor allem aber preist Dahler das persönliche Momentum in seinem Geschäft, den Kontakt zu Käufern und Verkäufern und die besonderen kommunikativen Fähigkeiten, die dieser Beruf erfordere. Eine Computer-Software, so die Botschaft, dürfte damit vorläufig überfordert sein.

Die Gesamtsituation beim Thema Digitalisierung der Maklerbranche bringt Luxusmakler Dahler treffend auf dem Punkt: Auf der einen Seite, so sagt er, stehen junge Tech-Firmen wie McMakler, die nach und nach erkennen, dass viele Arbeitsschritte und Abläufe derzeit noch von Menschen besser gemacht werden als von Maschinen. Ihnen stelle sich also die Frage: Was müssen wir menschlich machen, was können wir entgegen unserer ursprünglichen Vorstellung doch noch nicht digitalisieren?

Und auf der anderen Seite gebe es zahlreiche etablierte Maklerhäuser wie Dahler & Company, die mit der Zeit gehen müssten, um sich im Markt zu behaupten. Ihre Aufgabe lautet, so Dahler: Was können wir digitalisieren, um effizienter zu werden?

Zwei Fraktionen also, die sich offenbar aufeinander zubewegen. Doch werden sie sich auch irgendwann an einem Punkt treffen? Einiges spricht dafür, dass bestimmte Unterschiede auch auf Dauer nicht aus der Welt verschwinden werden.

Ein Beispiel: McMakler-Chef Hanno Heintzenberg schildert, dass sein Unternehmen bereits eine Software einsetze, die jedem Interessenten binnen weniger Minuten einen Besichtigungstermin in der jeweils gewünschten Immobilie verschaffe, voll automatisch, per Klick im Internet.

Björn Dahler hält dagegen: Diese Software sei ihm durchaus bekannt, sie werde auch von IT-Firmen angeboten, er könne sie jederzeit implementieren. Dahler habe sich bislang jedoch dagegen entschieden. Der Grund: Seine Kundschaft lehne diese unpersönliche, standardisierte Form der Terminvergabe eher ab.

Christoph Rottwilm auf Twitter

Die Botschaft dahinter ist klar: Es gibt noch eine weitere Grenzlinie in der Maklerbranche, und die verläuft nicht zwischen unterschiedlichen Digitalisierungswelten. Sie trennt vielmehr das kleinteilige Massengeschäft der McMaklers dieser Welt vom elitären Segment der Nobelmakler à la Dahler & Company. Auch dieser Aspekt spielt eine Rolle bei der Frage, wie lange es Makler in der Immobilienbranche noch geben wird.

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