Die unbekannte Seite der Samwer-Brüder Wie die Samwers im Berliner Wohnungskampf mitmischen

Oliver und Marc Samwer (links und rechts neben Konstantin Sixt): Die Samwer-Brüder investieren nicht nur in Start-ups, sondern auch in Wohnimmobilien in Neukölln

Oliver und Marc Samwer (links und rechts neben Konstantin Sixt): Die Samwer-Brüder investieren nicht nur in Start-ups, sondern auch in Wohnimmobilien in Neukölln

Foto: Andreas Rentz/ Getty Images

Im Internet-Business läuft es gerade nicht wirklich gut für Oliver Samwer. Die Profitabilität lässt bei vielen Geschäften der Internetschmiede weiter auf sich warten. Die Aktie ist nach diversen Abstürzen nur noch etwa ein Drittel so viel wert wie zu ihren Höchstzeiten. Und auch das Verhältnis zu Großinvestor Kinnevik hat ziemlich gelitten.

Für sich selbst haben die Samwers dagegen längst ein Geschäftsmodell gefunden, das sich richtig lohnt: Immobilien. Und angesichts der lukrativen Aussichten wagen sich die Brüder hier mittlerweile sogar auf politisch heikles Terrain - den umkämpften Berliner Wohnimmobilienmarkt. Dort, wo die Interessen von Investoren und von Gentrifizierung betroffenen Mietern derzeit hohe Wellen  schlagen.

Dass die Brüder neben ihren über das Internet buchbaren Lieferdiensten, Umzugsunternehmen und Putzdiensten privat auch in Gewerbe-Immobilien investieren, ist bereits an die Öffentlichkeit gelangt. Für Aufsehen sorgte im Oktober vergangenen Jahres der Kauf des Berliner Ullstein-Hauses. Das 80.000 Quadratmeter große Baudenkmal in Tempelhof ist Teil eines womöglich milliardenschweren Portfolios von Gewerbeimmobilien, dessen verschachteltes Firmen-Geflecht Samwer-Biograf Joel Kaczmarek jüngst auf digitalcompact.de  nachzeichnete.

Das durch wiederholte Umbenennungen, Umschichtungen und Neugründungen schwer durchschaubare Konstrukt hat für das Trio einen erheblichen Vorteil: Unerkannt und über Mittelsmänner können sie glaubhafter mit Niedrig-Offerten um die Immobilien mitbieten.

Samwers kaufen sich jetzt mitten im Herzen von Neukölln ein

Bei ihren Akquisitionen auf dem Immobilienmarkt gehen die Samwers und ihre Verbündeten extrem clever vor. Sie kaufen sich zum Teil offenbar in Erbengemeinschaften ein, um - zum Teil über die Erzwingung von Teilungsversteigerungen - Zugriff auf attraktive Immobilien zu bekommen.

Oliver Samwer, hauptberuflich Chef von Rocket Internet.

Oliver Samwer, hauptberuflich Chef von Rocket Internet.

Foto: Boris Roessler/ dpa

Mittlerweile erstreckt sich das Immobilien-Interesse der drei Brüder Marc, Oliver und Alexander nicht mehr nur noch auf Gewerbeimmobilien, wie Unterlagen belegen, die manager-magazin.de vorliegen. Bei einem Straßenblock im angesagten Neuköllner Reuterkiez sind sie bereits über die von ihnen kontrollierte Firma Verus GmbH Teilbesitzer. Nun wollen sie sich per Teilungsversteigerung - eine Unterform der Zwangsversteigerung - auch den Rest in ihr Imperium holen. Und sehen sich dort auch fast schon am Ziel .

Betroffene Mieter fürchten um ihre Bleibe

Ein wahrscheinlich extrem lohnenswertes Investment. Denn die Mieten in dem Bezirk in den vergangenen Monaten massiv gestiegen. Dazu beigetragen hat die Stilllegung des Flughafens Tempelhof und die darauffolgende Freigabe des ehemaligen Rollfeldes zum Naherholungsgebiet, das junge Berliner, Familien und Hipster besonders an Wochenenden in Scharen bevölkern. Und in dessen Nähe mittlerweile auch viele Besserverdienende und gut Ausgebildete gerne wohnen - und dafür auch gutes Geld zahlen.

Zwischen 2008 und 2014 ist hier laut "Berliner Zeitung"  die Durchschnittsmiete pro Quadratmeter um 80 Prozent gestiegen. Alleine im vergangenen Jahr laut Savills um weitere 6 Prozent, so dass sie die Durchschnittsmiete in Berlin mittlerweile deutlich übertrifft.

Während sich die Samwers über ein lukratives Investment freuen dürften, fürchten die Mieter des betroffenen Wohnblocks um ihre Bleibe. Zwar sollten Luxussanierungen, Wohnungszusammenlegungen und Umwandlungen in Eigentum wegen des für das Viertel beschlossenen Milieuschutzes verboten sein. Doch Spielraum für die Investoren gibt es genug, meint eine Mieterin. "Viele von uns haben einfach Angst, dass sie ihre Wohnungen nicht mehr halten können oder einfach raussaniert werden."

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