Montag, 9. Dezember 2019

21.000 Wohnungen in Stockholm Milliardendeal - Vonovia baut Portfolio in Schweden aus

Stockholm: Der schwedische Immobilienmarkt ist bei Investoren beliebt - auch bei Vonovia.

In Deutschland bekam Vonovia, größter Immobilienkonzern des Landes, zuletzt viel Gegenwind wegen angeblich zu hoher Mieten. In Schweden dagegen scheint sich das Bochumer Unternehmen wohl zu fühlen. Im vergangenen Jahr erwarb Vonovia dort das Immobilienunternehmen Victoria Park mit 16.000 Wohnungen in den Regionen Malmö, Stockholm und Göteborg. Jetzt schlägt der Dax-Konzern erneut zu: Vonovia erwirbt vom US-Finanzinvestor Blackstone für 1,14 Milliarden Euro die Mehrheit am schwedischen Wohnungsbauunternehmen Hembla, wie das Unternehmen am Montag mitteilte.

Inklusive Schulden habe die Transaktion einen Wert von rund 3,5 Milliarden Euro und sei damit die drittgrößte Übernahme in der Geschichte des Konzerns.

Hembla gehören den Angaben zufolge rund 21.000 Wohnungen vor allem in Stockholm. "Wir sind nun ganz klar Marktführer in Schweden und werden auch nicht mehr aus dem Land verschwinden", sagte Firmenchef Rolf Buch. Ein Teil des Kaufpreises werde finanziert über Geld, das durch eine Kapitalerhöhung im Frühjahr eingesammelt wurde. Der andere Teil werde über Darlehen beglichen.

Damit hält das Unternehmen an Investitionen auf einem der begehrteren Immobilienmärkte Europas fest. Eine zunehmende Urbanisierung, ein starker Zuzug von Migranten sowie eine robuste wirtschaftliche Entwicklung machen den schwedischen Wohnimmobilienmarkt attraktiv für Investoren auch aus dem Ausland, schrieb der internationale Immobilienberater Jones Lang LaSalle im Sommer dieses Jahres in einem Marktausblick. Auf absehbare Zeit werde die Nachfrage nach Investments hoch bleiben.

Das spiegelt sich auch in Zahlen wider, die jüngst die Immobiliengesellschaft Catella veröffentlichten hat. Dem Catella-Überblick über europäischen Wohnimmobilienmärkte zufolge befinden sich die Renditen in den schwedischen Großstädten auf stabil niedrigem Niveau, was für vergleichsweise große Nachfrage von Investoren spricht. Stockholm, mit Abstand wichtigster schwedische Immobilienmarkt, verfügt demnach mit einer Mietrendite von 1,75 Prozent über den niedrigsten Wert aller von Catella untersuchten Städte.

Grundsätzlich habe der Blick auf den schwedischen Wohnimmobilienmarkt wenig mit der in Deutschland oft verklärten "Bullerbü-Romantik" zu tun, so Catella-Chef-Researcher Thomas Beyerle. "In Schweden beziehungsweise Stockholm liegt die Eigentumsquote mit rund 64 Prozent knapp unter dem europäischen Durchschnitt", so Beyerle. "Das ist deswegen interessant, da es sich nicht nur um einen sehr teuren, sondern auch um einen sehr stark regulierten Wohnungsmarkt handelt." Der Drang zu Eigentum sei in Schweden gerade deshalb sehr ausgeprägt.

Schweden sei, ähnlich wie Deutschland, ein regulierter Wohnungsmarkt, auf dem Wohnungsunternehmen mit starken Mietervereinen kooperieren, erläutert zudem eine Vonovia-Sprecherin gegenüber manager magazin. "Der Erfolg unseres ersten Schritts im letzten Jahr - die Übernahme von Victoria Park - hat uns dazu ermutigt, unsere Präsenz in Schweden auszubauen", sagt sie. Die positiven Erfahrungen mit Victoria Park hätten gezeigt, dass das Geschäftsmodell von Vonovia auch außerhalb von Deutschland erfolgreich sei.

Vonovia erwirbt zunächst 69,3 Prozent der Stimmrechte und 61,2 Prozent des Grundkapitals an Hembla. Innerhalb von vier Wochen, nachdem die Transaktion genehmigt wurde, müssen die Bochumer den restlichen Aktionären ein Übernahmeangebot machen.

Positive Auswirkungen auf Ergebnis im Jahr 2020

Der Zukauf wird sich Konzernchef Buch zufolge erst im kommenden Jahr in den Ergebnissen des Vonovia-Konzerns niederschlagen, da der Abschluss der Transaktion gegen Ende dieses Jahres erwartet wird. "Hembla wird eine positive Auswirkung auf unsere Zahlen haben, aber erst ab dem Jahr 2020", sagte der Vorstandschef. Eine konkrete Prognose will er mit der Verkündung der Zahlen des dritten Quartals Anfang November geben. Für das Gesamtjahr 2019 erwartet Vonovia einen operativen Gewinn nach Zinsen und Steuern (FFO) von 1,17 bis 1,22 Milliarden Euro. 2018 waren es 1,13 Milliarden Euro.

Analysten vom Bankhaus Lampe bestätigten angesichts des Hembla-Deals ihre Kaufempfehlung für die Vonovia-Aktien. Der Zukauf in Schweden unterstütze das Wachstums des Konzerns, hieß es in einer spontanen Einschätzung. Das Analysehaus Jefferies dagegen beließ Vonovia mit Blick auf den milliardenschweren Zukauf auf "Hold". Mit der Transaktion baue der Immobilienkonzern sein Geschäft in Schweden aus, was er wegen der daraus resultierenden Skaleneffekte begrüße, schrieb Analyst Thomas Rothäusler. Auch der Kaufpreis von 1,14 Milliarden Euro erscheine attraktiv.

Besonders positiv beurteilt offenbar die Schweizer Großbank UBS die Lage bei Vonovia. Die Bank empfiehlt den Immobilienkonzern zum Kauf und bekräftigte diese Einschätzung auch am Montag. Der Kaufpreis von umgerechnet rund 1,1 Milliarden Euro entspreche einem Aufschlag von 18,6 Prozent auf den Hembla-Nettovermögenswert im ersten Halbjahr, schrieb Analyst Charles Boissier. Der Experte sieht auch weiterhin großes Aufwärtspotenzial für den deutschen Wohnimmobilienkonzern.

Christoph Rottwilm auf Twitter

Das Kursziel der UBS von 60 Euro für die Vonovia-Aktie befindet sich allerdings noch in weiter Ferne. Am Montag reagierten die Anleger eher verhalten auf die Nachrichten vom Hembla-Deal. Ein Händler sagte, die Übernahme erscheine vergleichsweise teuer. Die Vonovia-Papiere Börsen-Chart zeigen lagen am frühen Nachmittag mit 0,4 Prozent im Minus bei 43,99 Euro. Der Dax Börsen-Chart zeigen insgesamt notierte allerdings ebenfalls mit 1 Prozent im Minus.

mit Material von Reuters

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