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Tiny Houses: Ein Eigenheim für 100 Dollar

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"Tiny Houses" für Obdachlose Ein Haus für 100 Dollar

Häuser ab 100 Dollar: Überall in den USA setzen sich Bürgerinitiativen dafür ein, ihre in Not geratenen Mitbürger mit neuen Unterkünften zu versorgen - und zwar mit winzig kleinen.

Hamburg - Texas, Florida, Utah, New York - neue Hoffnung für Obdachlose gibt es derzeit vielerorts in den Vereinigten Staaten. Die Zauberformel lautet: "Tiny Houses", also winzige Häuser. Überall im Land gibt es inzwischen Projekte, bei denen versucht wird, mit Miniaturbehausungen in Not geratene Leute von der Straße zu bekommen.

Damit bekommt eine Bewegung einen neuen Sinn, die ursprünglich in eine ganz andere Richtung gestartet war. Vor einigen Jahren entstanden die winzigen Häuser als eine Art Lifestyle-Trend der Überschussgesellschaft. Konsummüde Amerikaner bezogen die Hütten, jede einzelne kaum größer als zehn Quadratmeter, um darin Verzicht zu üben und sich der wirklich wichtigen Dinge im Leben bewusst werden zu können.

Inzwischen haben jedoch Sozialaktivisten die Möglichkeiten der praktischen Minihäuser erkannt: Sie sind kostengünstig und können ohne großen Aufwand errichtet werden. "Dieser Plan könnte die Wohnsituation der Vereinigten Staaten revolutionieren", zitiert der US-Sender CNBC einen Vertreter der Bürgerbewegung Community First in Texas, die eigenen Angaben zufolge bereits 100 Menschen zu einer neuen Unterkunft verholfen hat. "Die Stadt liebt uns", sagt er. "Die denken, wir seien dabei, das Problem wirklich zu lösen."

In Madison, Wisconsin, hat die Organisation Occupy Madison laut CNBC ebenfalls vor Kurzem ihr erstes voll funktionsfähiges Minihaus fertiggestellt. Die Zehn-Quadratmeter-Konstruktion mit Bett, Toilette und kleiner Küche soll Prototyp für 40 weitere sein, heißt es. Das Projekt, das von Spenden und freiwilliger Mitarbeit lebe, könne womöglich die Obdachlosigkeit in der Stadt komplett beenden.

Obdachlose werden drangsaliert

Allerdings kostet ein Haus des Madison-Typs 5000 Dollar, was für größere Produktionsmengen ziemlich viel Geld sein dürfte. Der kalifornische Künstler Gregory Kloehn verfolgt daher laut CNBC ein anderes Konzept. Er baut seine Häuser aus Materialien, die er auf der Straße findet, beispielsweise, weil sie von anderen Leuten weggeworfen wurden. Die Produktionskosten betragen daher bei ihm lediglich bescheidene 100 Dollar je Haus.

Der Vorteil der innovativen Idee: In vielen US-Städten werden Menschen, die ohne Dach über dem Kopf auf der Straße leben, von Ordnungskräften drangsaliert. Nicht selten kommt es vor, dass ihnen auf diese Weise auch noch der letzte Rest an Hab und Gut genommen wird.

Wer ein Minihaus bewohnt, ist jedoch vor solcher Unbill geschützt. "Ich schlief für zwei oder drei Jahre auf der Straße und nutzte Kartons als Schutz", zitiert CNBC beispielsweise eine Frau aus Oakland. "Von Zeit zu Zeit kam die Polizei vorbei, und wer nicht schnell genug weg war, dem wurde all sein Zeug weggenommen."

Das "Tiny House", sagt die Frau, habe ihr Leben geändert.

Zum Hintergrund: Obwohl der Staat Milliarden für soziale Zwecke ausgibt, ist Obdachlosigkeit in den USA immer noch ein riesiges Problem. 2013 schliefen landesweit Nacht für Nacht mehr als 600.000 Menschen auf der Straße, berichtet CNBC mit Verweis auf eine staatliche Quelle.

Kritikern zufolge geht die Politik dabei zu oft in die falsche Richtung: Anstatt für Lösungen zu sorgen, würden die Obdachlosen kriminalisiert und bestraft. Laut CNBC kostet die Inhaftierung eines einzelnen Menschen den amerikanischen Steuerzahler rund 35.000 Dollar pro Jahr.

Die Minihaus-Projekte können möglicherweise also auch die Kosten für die Gesellschaft insgesamt senken.

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