Donnerstag, 27. Februar 2020

Technik für die Wohnung Wie Apps jetzt Mietern beim Lüften helfen

Der elektronische Haushaltszähler: Mit den elektronischen Stromzählern verbindet die Branche Hoffnungen auf Stromersparnis und stabilere Netze

2. Teil: Die smarte Wärmesteuerung

Liegen den Mietern ihre Verbrauchsdaten dagegen permanent vor, bekommen sie bei der nächsten Nebenkostenabrechnung keinen Schock - und machen vor allem nicht den Vermieter allein für hohe Energiekosten verantwortlich. Mit moderner Messtechnik könnte schließlich jeder Mieter frühzeitig gegensteuern, wenn seine Energiekosten zu hoch sind. Durch Einsatz von Hightech könnten Mieter und Vermieter sich also großen Ärger sparen.

Soweit jedenfalls die Theorie. In jedem Neubau und jedem kernsanierten Gebäude sind Smart Meters bereits Pflicht. Der Gesetzgeber will, dass alle Haushalte bis ins Jahr 2022 intelligent vernetzt sind. Allerdings sind die tatsächlichen Energiespareffekte für Privathaushalte noch umstritten. Eine Smart-Meter-Studie der Unternehmensberatung Ernst & Young, die das Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie in Auftrag gab, kommt zu einem vernichtendem Urteil: Für Endverbraucher mit geringem Stromaufkommen, wie Privathaushalte, würden die Energiesparmöglichkeiten die Betriebskosten der intelligenten Messtechnik nicht auffangen.

Weder Mieter noch Vermieter hätten dadurch einen finanziellen Vorteil. Solange die Technik nicht günstiger wird, werden Vermieter sich voraussichtlich schwer tun, die Messgeräte einzusetzen. In Österreich nahm die Regierung die Smart-Meter-Pflicht für Immobilienbesitzer kürzlich sogar zurück. Dort dürfen Vermieter nun wieder frei entscheiden, welcher Zählertyp in ihren Kellern ticken soll.

Während sich der Ausbau von Smarten Strommessgeräten in Privathaushalten deshalb in Zukunft verlangsamen könnte, zeigt ein neues Messgerät größeres Potenzial: Die smarte Wärmesteuerung. Denn während die Einspareffekte beim Strom oftmals geringer sind als vermutet, lässt sich bei den Kosten für Heizung und Warmwasser deutlich mehr sparen. Mehr als 30 Prozent des gesamten Energiebedarfs Deutschlands entfallen auf die Raumwärme von Gebäuden.

Wärmeenergieverbrauch um bis zu 15 Prozent senken

So ist Wärmeenergie bei Weitem der größte Einzelposten in den Betriebskosten. Das Energiesparpotential der smarten Wärmesteuerung wird in Deutschland in ersten Pilotprojekten bereits getestet - mit Erfolg. Die Probanden eines "Heat Meter"-Tests der Deutschen Energieagentur (Dena), des Zählerableseunternehmens Ista und des Mieterschutzbunds in Berlin, Essen und München konnten ihren Wärmeenergieverbrauch um bis zu 15 Prozent senken, indem die Verbraucher anders geheizt und gelüftet haben.

Die Wärme- und Wasserzähler der Testhaushalte sind dafür über Funkzähler vernetzt, die Energiedaten permanent in ein Energiemanagementsystem einspeisen. In einem Internet-Portal können die Teilnehmer ihren Wärmeenergieverbrauch einsehen, mit dem durchschnittlichen Verbrauch des Vormonats oder auch des Vorjahresmonats vergleichen. Solche Vergleiche sollen den Spar-Ehrgeiz der Mieter wecken: "Wenn der Mieter darunter liegt, hat er sich richtig verhalten", erklärt Stephan Kohler, Geschäftsführer der Dena. "Wenn er darüber liegt, macht er etwas falsch." Um das richtige Heizen zu trainieren, sendet die Energieagentur den Probanden Tipps direkt aufs Smartphone. So werden die Probanden spielerisch zu smarten Mietern erzogen, so die Hoffnung.

Ein ähnliches Projekt läuft seit kurzem in Köln. Die Stadtverwaltung und der Stromkonzern Rhein-Energie testen mit dem Projekt Smart City Cologne im Kölner Stadtteil Nippes verschiedene Energiesparprojekte. Zum Beispiel die "Klimastraße": In Testwohnungen laufen Wärme-, Licht- und Stromverbrauch über ein intelligentes Steuerungssystem. Auch dieses Projekt soll den sportlichen Ehrgeiz der Mieter wecken, Energie zu sparen, indem sie ihren Bedarf selbst auf dem Smartphone oder Tablet analysieren und ihre Verbrauchsgewohnheiten anpassen.

Energieberater Büser schätzt diese Projekte, weil sie für Aufklärung sorgen. Für das richtige Heizen im Eigenheim empfiehlt er, ein Hygrometer zu verwenden, um die Luftfeuchtigkeit zu messen - bei kritischen Werten gibt das Gerät Alarm. "Wird die Luftfeuchtigkeit zu hoch, sollten Mieter stoßlüften", sagt Büser. So könne man Schimmelbildung vermeiden, und spart gleichzeitig Energie. Könnten alle Mieter in Deutschland diese Informationen regelmäßig auf Ihrem Computer einsehen, wären sie informiert, könnten selbst Energie sparen und ihre Vermieter müssten sich nicht vor Schimmel in der Wohnung fürchten.

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