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Autos, Uhren, Gold: Was an Vermögen bei S&K sichergestellt wurde

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Anlageskandal Staatsanwälte veröffentlichen S&K-Vermögen

Bewegung im Anlageskandal um die Immobiliengruppe S&K: Die Staatsanwaltschaft Frankfurt hat sämtliche Vermögenswerte veröffentlicht, die bislang in dem mutmaßlichen Betrugsfall sichergestellt wurden. Neue Hoffnung also für geschädigte Anleger - aber nur geringe.

Hamburg - Von Edel-Manschettenknöpfen bis zum 100.000-Euro-Motorrad, von der Louis-Vuitton-Dokumentenmappe bis zum Diamanten nebst Expertise, vom Beistelltisch (englischer Stil mit Marmorplatte), bis zum Bargeld in fünfstelligen Beträgen - die Liste, die die Staatsanwaltschaft Frankfurt ins Internet gestellt hat, liest sich wie das Exponatsverzeichnis einer Millionärsmesse.

Tatsächlich handelt es sich dabei jedoch um etwas anderes. Auf 50 DIN-A4-Seiten führen die Ermittler detailliert auf, welche Vermögensgegenstände im Zuge der Ermittlungen zum mutmaßlichen Betrugsfall um die Frankfurter Immobiliengruppe S&K bislang sichergestellt werden konnten. Nebenbei nennt die Staatsanwaltschaft zudem alle zwölf Personen, die im Fall S&K als Beschuldigte geführt werden, mit vollem Vor- und Zunamen. Darunter auch jene acht Personen, die seit Februar in Haft sitzen.

Das Dokument, das jetzt im Bundesanzeiger veröffentlicht wurde, hat für viele Geldanleger einen besonderen Wert: Sie können daran abschätzen, welche Aussicht auf Ersatz ihres vermutlichen Schadens besteht. Dabei kann auf den ersten Blick Hoffnung aufkommen: Allein die Besitztümer, die die Ermittler bei den Hauptbeschuldigten konfiszieren konnten, füllen auf dem Papier mehrere Seiten.

S&K-Chef besaß auch brasilianisches Geld

Jonas Köller etwa, einer der beiden S&K-Chefs, befand sich bei seiner Festnahme im Rahmen der Großrazzia gegen das Unternehmen im Februar dieses Jahres offenbar im Besitz von umgerechnet mehr als 20.000 Euro Bargeld, darunter über 3200 US-Dollar und 195 britische Pfund.

Ähnliches gilt für Köllers Kompagnon Stephan Schäfer: Dessen Bargeldbesitz beziffern die Ermittler auf umgerechnet knapp 20.000 Euro, zusammengesetzt aus Beständen in Euro , US-Dollar, arabischen Dirham, brasilianischen Real und Schweizer Franken.

Und damit nicht genug: Köller und Schäfer verfügten darüber hinaus offenbar über Konten mit Beständen von zusammen mehr als einer Million Euro - ganz zu Schweigen von zahlreichen Luxusuhren, Unmengen teurer Unterhaltungselektronik sowie mehreren Grundstücken oder "grundstücksgleichen Rechten".

Scheinbar viel zurückzuholen also für die Anleger. Doch ganz so einfach ist es wohl nicht. Gemessen an der Gesamtsumme der investierten Anlegergelder summieren sich die Vermögenswerte lediglich auf einen vergleichweise geringen Betrag. Insgesamt rund 105 Millionen Euro hatten Anleger in die Immobilienfonds eingezahlt, die S&K gemeinsam mit der Hamburger United-Investors-Gruppe aufgelegt hatte. Hinzu kommen viele Gelder, die die S&K-Gruppe beispielsweise mit Lebensversicherungsgeschäften eingesammelt haben dürfte.

Zweites Gericht erlässt Arrestbeschluss gegen S&K

Viele dieser Ansprüche, so viel scheint nach einem Blick auf die staatsanwaltliche Vermögensliste klar, dürften letztlich kaum befriedigt werden können.

Dabei haben die S&K-Anleger grundsätzlich zwei Möglichkeiten, an ihr Geld zu kommen. Erstens: Sie vertrauen auf die Insolvenzverwalter der inzwischenin die Pleite gerutschten Fondsgesellschaften. Diese müssen versuchen, Zugriff auf die Vermögenswerte zu bekommen, die mit den Anlegergeldern erworben wurden. Und, auch das ist der Liste zu entnehmen, in einigen Fällen ist dort durchaus etwas zu holen. Mehrere S&K-Gesellschaften verfügen offenbar über nennenswerten Immobilienbesitz.

Die zweite Möglichkeit ist die Durchsetzung von Schadensersatzansprüchen per zivilrechtlicher Zwangsvollstreckung. Und für diejenigen, die diesen Weg gehen wollen, gilt vor allem eines: Es ist Eile geboten. Denn auch darauf weist die Staatsanwaltschaft in ihrem Papier ausdrücklich hin: "Das in der Zwangsvollstreckung herrschende Prioritätsprinzip (...) gilt auch in diesem Verfahren". Oder zu gut deutsch: Wer zuerst kommt, mahlt zuerst.

Es ist also erforderlich, sich möglichst schnell den für eine Zwangsvollstreckung nötigen vollstreckbaren Titel zu besorgen. Eine dazu mögliche Klage auf Schadensersatz dürfte nach Ansicht von Experten aufgrund der Vielzahl der Fälle allerdings viel Zeit in Anspruch nehmen, was wegen des erwähnten "Prioritätsprinzips" von Nachteil wäre.

Hoffnung durch weitere Beschuldigte

Es gibt jedoch einen zweiten Weg, der mehr Erfolg verspricht: nämlich den Arrestbeschluss. Auch damit lässt sich beim Ermittlungsrichter eine Zwangsvollstreckung beantragen. Wird sie bewilligt, so rückt der Anleger im Anspruchsrang an die Stelle der Staatsanwaltschaft, die die Vermögenswerte ja genau zu diesem Zweck gesichert hat.

Und die gute Nachricht lautet: Zwei Gerichte haben bereits im Fall S&K solche Arrestbeschlüsse erlassen. Zunächst urteilte vor einigen Wochen das Amtsgericht München zu Gunsten eines S&K-Anlegers. Erst vor wenigen Tagen dann folgte auch das Amtsgericht Frankfurt am Main dieser Sicht.

"Ein Klageverfahren vor dem vermutlich zuständigen Landgericht Hamburg dürfte angesichts der Masse der zu erwartenden Fälle etliche Zeit in Anspruch nehmen", erläutert Rechtsanwalt Marc Gericke, der die Anleger in beiden Fällen vertrat. "Wir mussten daher wegen der drängenden Zeit andere Wege des Vermögenszugriffs wählen."

Zwar glaubt auch Gericke, dass aufgrund der geringen Menge an Vermögenswerten nicht alle Anleger befriedigt werden können. Eine kleine Hoffnung hat er mit Blick auf das Papier der Staatsanwaltschaft jedoch für die Geschädigten: "Neben den bekannten Namen stehen mehrere neue Beschuldigte auf der Liste", sagt er. "Damit eröffnen sich für Anleger weitere Möglichkeiten zur Anspruchsdurchsetzung."

Fotostrecke: Was bei den S&K-Leuten alles sichergestellt wurde

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