Dienstag, 26. Mai 2020

Mietpreisschock Zehntausende Ladenbetreiber in Spanien vor dem Aus

Straßenszene in Madrid: Die spanische Hauptstadt war bislang durch eine Vielzahl kleiner, inhabergeführter Geschäfte geprägt
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Straßenszene in Madrid: Die spanische Hauptstadt war bislang durch eine Vielzahl kleiner, inhabergeführter Geschäfte geprägt

Anders als in vielen anderen europäischen Städten konnten sich in Spanien bislang auch viele kleine Läden in den großen Einkaufsstraßen halten. Doch nun fällt eine Mietpreisbremse aus der Franco-Zeit: Die Mietpreise explodieren, und große Ketten wie H&M oder Zara dürften die Gewinner sein.

Madrid - Bislang unterschied sich ein Einkaufsbummel auf spanischen Einkaufsstraßen wie der Gran Via oder der Calle Preciosa stark von dem, was man auf Einkaufsmeilen wie der Londoner New Bond Street, der Fifth Avenue in New York oder dem Champs- Élysées zu sehen bekam. Neben großen Ketten wie H&M oder Zara und Luxuslabels á la Luis Vuitton hatten sich dort bislang auch noch viele kleine Läden gehalten. Familienbetriebe, die mit den Großen und einem ganz eigenen Angebot um die Gunst der Kunden wetteiferten.

Damit dürfte es vielerorts nun allerdings Schluss sein. Denn in Spanien läuft zum Jahresende eine Mietpreisbremse aus, die es den Ladenbesitzern bislang ermöglichte, mit den Großen mitzumischen. Die noch unter General Franco entstandene und 1994 um weitere 20 Jahre verlängerte Regelung hatte dafür gesorgt, dass Besitzer die Miete von Läden, die vor 1985 angemietet wurden, nur entsprechend der allgemeinen Teuerungsrate anheben konnten.

Am 31. Dezember läuft nun das Moratorium aus und es gelten aktuelle Marktpreise, die teils mehr als das Zwanzigfache der bisherigen Miete betragen.

Peanuts für Premiumlagen

In der Calle Serrano in Madrid beispielsweise steigen die Mietenlaut der Zeitung "El Pais" mancherorts von 1500 auf nun 30.000 Euro pro Monat. In der Gran Via fällt die Steigerung in einem Schneiderladen von 3000 auf 30.000 aus, wie dessen Betreiber Angel García der "Businessweek" erzählte.

Für Immobilienbesitzer ist die Liberalisierung überfällig. "Das ist eine Marktwirtschaft und man kann nicht von einem Mieter in einer 1-A-Lage nur Peanuts verlangen, während der Nachbar nebenan den Marktpreis bezahlt", sagt Jones Lang Lasalle Broker Angeles Perez. "Dass ist so, wie wenn alle eine Prada-Handtasche wollen, und einige 100 Euro und andere dafür 1000 Euro zahlen müssen."

Und nicht immer handelt es sich bei den Nutznießern der Mietpreisbremse tatsächlich um Ladeninhaber, die bei höheren Mieten das Feld räumen müssten. "Es gibt Läden mit Millionenumstz die minimale Mieten bezahlen", sagt Alex Mestré, der in Barcelona die Interessen der Ladenlokalbesitzer vertritt.

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