Bestellerprinzip für Makler Hurra, es funktioniert!

Seit einem Jahr gilt: Wer einen Makler beauftragt, muss ihn bezahlen - in der Regel der Vermieter. Das Gesetz wirkt. Und wenn Wohnungsvermittler tricksen, können sich Mieter wehren.
Makler in einer Wohnung (Symbolbild)

Makler in einer Wohnung (Symbolbild)

Foto: Justin Sullivan/ Getty Images

Makler sind kreative Menschen. Zwar dürfen sie seit knapp einem Jahr von Wohnungssuchenden nicht mehr ohne weiteres eine Courtage für die Vermittlung einer Mietwohnung nehmen. Denn seit 1. Juni 2015 gilt: Wer eine Leistung beauftragt, bezahlt. Aber nicht jeder Makler hält sich daran - Beispiele zeigen den Ideenreichtum der Branche.

In den Wohnungsangeboten auf den gängigen Immobilienportalen für Hamburg, einem der am stärksten umkämpften Mietmärkte Deutschlands, tauchen seit einem Jahr immer neue Gebühren auf. Da gibt es die "einmalige Vertragsgebühr in Höhe von EUR 150,00", die "Meldebestätigungs- und Vertragsausfertigungsgebühr von 150,00 Euro", die "Schreibgebühr in Höhe von 148,50 Euro €inklusive Mehrwertsteuer" oder die "Bearbeitungsgebühr und Auslagenerstattung in Höhe von€€ 98,77 Euro".

Es sind kleine Summen im Vergleich mit der üblichen Maklercourtage in Höhe von zwei Monatskaltmieten plus Mehrwertsteuer, die Wohnungssuchende in Hamburg bisher zähneknirschend zahlten. Mietwohnungen ohne Makler zu finden war fast unmöglich, auch wenn die meisten Interessenten selbst die Angebote suchten, an Massenbesichtigungen teilnahmen und Selbstauskünfte bis zum Gehaltzettel vorlegten. Der Makler entschied darüber, wer einziehen durfte, und er verdiente - vor allem gemessen am Aufwand - gut.

"Das Gesetz ist ein Volltreffer"

Das ist vorbei, seit die Bundesregierung das Wohnungsvermittlungsgesetz neu geregelt hat, unter anderem mit dem Bestellerprinzip, wonach derjenige den Makler zahlt, der ihn beauftragt - in der Regel also der Vermieter. Mietervertreter geben sich geradezu begeistert: "Das Gesetz ist ein Volltreffer", lobt Ulrich Ropertz vom Deutschen Mieterbund. Vor allem im Vergleich zur Mietpreisbremse, die zeitgleich verabschiedet wurde - und keinen Effekt hat - sei das Bestellerprinzip sinnvoll. "Es ist einfach, gut nachvollziehbar, es hat keine Ausnahmeregelungen und es kommt vollständig bei den Mietern an."

Auch die Vermieter als Auftraggeber haben etwas von dem Gesetz: "Jetzt können sie auf Augenhöhe mit den Maklern verhandeln", sagt Ropertz. Die Courtage habe sich seitdem eher in Richtung einer Monatskaltmiete eingependelt. Dem Immobilienverband Deutschland (IVD) zufolge, Interessenvertretung vieler Makler, sind die Umsätze auch deshalb um 20 Prozent zurückgegangen - deutlich weniger, als die Branche befürchtete. Zwar klagt der Verband vor dem Bundesverfassungsgericht gegen das Gesetz, aber "der Markt hat sich zurechtgeruckelt", sagt Sun Jensch, IVD-Bundesgeschäftsführerin.

Natürlich versuchten Makler, das Gesetz zu umgehen, aber das seien Ausnahmen, sagt Mietervertreter Ropertz, "vielleicht kann man auch sagen, es sind sehr viele Ausnahmen". Der IVD legt für seine Mitglieder die Hand ins Feuer: "Es halten sich alle an das Gesetz, solche Gebühren sind nicht zulässig", sagt Jensch.

Gibt es einen Schwarzmarkt für Wohnungen?

Beide halten es für unwahrscheinlich, dass die Mehrheit der Makler betrügt. Denn wer gegen das Gesetz verstößt, kann mit dem Verlust der Lizenz bestraft werden. Zudem können die Mieter jeden Euro zu Unrecht gezahlter Gebühren zurückfordern; und das noch drei Jahre später. Unehrliche Makler sitzen also gleichsam auf einer Zeitbombe. Ropertz rät allen Mietern, die seit dem 1. Juni 2015 für die Vermittlung ihrer Wohnung eine Gebühr gezahlt haben, zum Mieterverein oder einem Anwalt zu gehen.

Ist also alles in Butter? Oberflächlich sieht es so aus. Allerdings gibt eine Untersuchung in Hamburg Rätsel auf: Jedes Jahr überprüft eine Schulklasse des Gymnasiums Ohmoor die Mietpreisentwicklung in der Hansestadt. Dafür werten die Schüler die Angebote der großen Internetportale für Mietwohnungen aus. Im Vergleich zum vergangenen Jahr ist die Zahl der Angebote um gut ein Drittel zurückgegangen.

Die Immobilienwirtschaft macht dafür die Eigentümer verantwortlich, die sich die Maklergebühr sparen und ihre Wohnungen selbst vermitteln. Es kursieren aber auch andere Gerüchte: Offenbar habe sich ein Schwarzmarkt entwickelt, auf dem die Wohnungen jetzt unter der Hand vergeben werden - vermutlich gegen gutes Geld.

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