Montag, 1. Juni 2020

Zusätzliche Nachfrage durch Corona-Krise Logistik-Objekte - heimliche Stars am Immobilienmarkt

Logistik-Center von Hermes in Leipzig: Immobilien dieser Art werden zunehmend gebraucht - und sind bei Investoren beliebt.
Jan Woitas/dpa-Zentralbild/dpa
Logistik-Center von Hermes in Leipzig: Immobilien dieser Art werden zunehmend gebraucht - und sind bei Investoren beliebt.

Investmentboom am deutschen Immobilienmarkt - das war vor der Corona-Krise. Gegenwärtig, das ist von Marktteilnehmern zu erfahren, ruht der Handel mit Gewerbeimmobilien weitgehend. Verkaufswillige Besitzer von Bürogebäuden oder Einzelhandelsobjekten legen ihre Bemühungen auf Eis. Und Investoren auf der anderen Seite warten ebenfalls erstmal ab, bis klar ist, wie es nach dem großen Ausnahmezustand namens Lockdown weitergeht mit Preisen, Mieten und damit auch Renditen.

Nur über eins herrscht in der Branche weitgehend Einigkeit: Wenn es eine Immobilienart gibt, die diese schwierige Phase gemessen am Nutzerinteresse und damit womöglich auch an der Attraktivität für Investoren noch am besten überstehen kann, dann sind es vermutlich Logistikimmobilien, also Lagerhallen, Umschlagzentren und ähnliches.

Schon vor der Krise gehörte diese Immobilienart zu den Lieblingen von Investoren aus dem In- und Ausland. Im ersten Quartal 2020 beispielsweise, in dem das Geschäft hierzulande von der Corona-Krise noch weitgehend unbeeinflusst lief, flossen Zahlen des Dienstleisters JLL zufolge insgesamt 28 Milliarden Euro von institutionellen Geldanlegern in deutsches Betongold - ein historischer Höchstwert. Allein 18,3 Milliarden davon entfielen auf Gewerbeimmobilien, so JLL, der Rest auf den Wohnsektor.

Innerhalb des Gewerbebereichs wiederum zogen Logistikimmobilien den Angaben zufolge in den ersten drei Monaten dieses Jahres deutschlandweit 2,3 Milliarden Euro an Investorengeldern an - auch das ein Rekord. Das Transaktionsvolumen lag etwa 70 Prozent über jenem des vergleichbaren Vorjahreszeitraums und auch deutlich über dem vorherigen Quartalsrekord von zwei Milliarden Euro aus dem Jahr 2017.

Logistikimmobilien auch in der Corona-Krise gefragt

Der Hintergrund ist klar: Vor allem durch die Globalisierung, die Digitalisierung und den zunehmenden Online-Handel nimmt die Bedeutung der Transport- und Lagerwirtschaft weltweit seit Jahren zu. Diese Entwicklung wurde auch durch die Corona-Krise kaum gestoppt - eher im Gegenteil. Zwar ruht seit Wochen ein Großteil der Realwirtschaft rund um den Globus, wodurch auch Lieferketten, Transportwege und Handelsverbindungen unterbrochen wurden.

Millionen Menschen sind allerdings zugleich durch den Lockdown in ihrer Mobilität eingeschränkt. Sie können den lokalen Einzelhandel - sofern der überhaupt geöffnet hat - kaum aufsuchen und sind vermehrt auf das Online-Shopping angewiesen. Nicht durch Zufall gehört der Online-Handelskonzern Amazon Börsen-Chart zeigen bislang zu den Gewinnern der Corona-Krise - ein Unternehmen, das auch zu den großen Playern am Markt für Logistikimmobilien zählt.

Ein weiteres Beispiel: Die Gebrüder Weiss Holding AG mit Sitz in Lauterach, Österreich. Das Unternehmen mit mehr als 7300 Mitarbeitern an 150 Standorten und einem Jahresumsatz von rund 1,7 Milliarden Euro zählt eigenen Angaben zufolge zu den führenden Transport- und Logistikunternehmen Europas - und baut seine Geschäfte in diesen Tagen sogar noch weiter aus. Einer Mitteilung zufolge hat Gebrüder Weiss gerade in Südkalifornien ein neues Lager mit einer Fläche von mehr als 9000 Quadratmetern eröffnet. "Viele unserer Kunden rücken derzeit verstärkt produktionsnahe Lieferketten in ihren Fokus und erhöhen die Lagerbestände an kritischen Materialien und Produkten", sagt USA-Chef Mark McCullough. "Mit unserem neuen Lager in Südkalifornien können wir diese Kunden gezielt unterstützen."

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