Staatsfinanzierer Depfa-Interessenten bekommen mehr Zeit

Der Verkauf des Staatsfinanzierers Depfa geht in die nächste Phase. Nach Informationen von manager magazin online müssen Interessenten bis Ende Januar verbindliche Angebote für die Dubliner Tochter der HRE Holding einreichen. Die Depfa versetzte seinerzeit der HRE den Todesstoß - und doch hoffen Investmentbanker auf einen Weckruf durch einen erfolgreichen Verkauf.
Hypo Real Estate in München: Der Verkaufsprozess der Depfa ist für die Branche bedeutender, als es ihre mageren Zahlen erscheinen lassen.

Hypo Real Estate in München: Der Verkaufsprozess der Depfa ist für die Branche bedeutender, als es ihre mageren Zahlen erscheinen lassen.

Foto: © Michael Dalder / Reuters/ REUTERS

Hamburg - Ursprünglich hieß es, dass Interessenten, zu denen die Finanzinvestoren Lone Star und Apollo zählen, bis Ende Dezember ihre Offerten einreichen könnten. Dass jetzt Ende Januar angepeilt wird belegt, wie schwierig der im August 2013 angestoßene Verkauf des Staatsfinanzierers ist, der sich noch Monate hinziehen kann.

Das Kerngeschäft von Staatsfinanzierern ist es, Schuldverschreibungen der öffentlichen Hand zu kaufen. Dafür müssen sie eigene Anleihen emittieren. Die Zinsdifferenz ist ihr Gewinn.

Seit 2011 darf die Depfa allerdings auf EU-Geheiß kein Neugeschäft mehr machen. Wer immer sie letztlich kauft wird daher versuchen, sie profitabel abzuwickeln - ein Geschäft, auf das sich vor allem Finanzinvestoren wie Lone Star und Apollo verstehen.

Seit 2010 liegen große Teile der Depfa-Vermögenswerte in der HRE-Bad Bank FMS Wertmanagement (FMSW). Geblieben sind ihr 40 Milliarden Euro, darunter Staatsanleihen der Krisenstaaten Irland, Italien und Spanien. Im ersten Halbjahr 2013 hatte sie einen Zinsüberschuss von gerade einmal 15 Millionen Euro erwirtschaftet. Die Gesamteinnahmen beliefen sich einzig dank Sondereffekten durch den vorzeitigen Rückkauf von Anleihen auf 44 Millionen Euro. Auch der Nettogewinn fiel mit 3 Millionen Euro überschaubar aus.

Wie Georg Funke mit der Depfa die HRE erledigte

Doch der Verkaufsprozess der Depfa ist bedeutender, als es ihre mageren Zahlen erscheinen lassen. Das 2002 von Wiesbaden nach Dublin übergesiedelte Unternehmen war einmal eine feste Größe in der Finanzszene. Noch 2007 zahlte die im Jahr darauf kollabierte und verstaatlichte Hypo Real Estate (HRE) satte 5,7 Milliarden Euro für die Depfa.

Die HRE war seinerzeit Mitglied im Dax  . Mit dem Depfa-Kauf krönte HRE-Chef Georg Funke seine Karriere - so schien es damals. Tatsächlich markierte er den Anfang vom Ende des Konzerns, dessen Zusammenbruch der größte Kollateralschaden der Finanzkrise in Deutschland war. Neben der Depfa gehört auch die Deutsche Pfandbriefbank AG (pbb) aus München zur HRE-Holding.

Beide, Depfa wie auch pbb, müssen nach einer Auflage der EU-Kommission bis Ende 2014 verkauft werden. Da im ersten Schritt die Depfa abgestoßen wird, gilt die Transaktion als Lackmustest für den Verkauf der Schwester pbb, die ungleich größer ist. Sie hatte im ersten Halbjahr 2013 einen Zinsüberschuss von 153 Millionen Euro eingefahren. Vor Steuern blieben 60 Millionen Euro hängen.

Doch Investmentbanker erhoffen sich nicht nur für den pbb-Verkauf ein starkes Signal.

Lone Star will IKB wieder ins Schaufenster stellen

Insgesamt lechzt das Geschäft mit Übernahmen von Finanzdienstleistern nach einem Weckruf. Denn weil die meisten Banken in den vergangenen Jahren zu sehr mit sich selbst beschäftigt waren, lag vieles brach.

Das zeigen Zahlen des Datendienstleisters Thomson Reuters. Demnach schrumpfte das Volumen angekündigter Übernahmen von Finanzunternehmen in Deutschland von 4,1 Milliarden Dollar im Jahr 2012 auf gerade noch 1,3 Milliarden Dollar ein.

Der Anteil von Transaktionen aus dem Finanzbereich am Gesamtgeschäft lag bei schlappen 1,4 Prozent. Da käme ein erfolgreicher Depfa-Verkauf den Dealmakern in den Banken wie gerufen.

Einige kleine Hoffnungsschimmer gab es. So schluckte Ende 2013 die Targobank das Massenkundengeschäft der Valovis Bank, vormals KarstadtQuelle Bank, mit rund 800.000 Kunden. Lone Star wurde kürzlich für 342 Millionen Euro seine Tochter Corealcredit an den Immobilienfinanzierer Aareal Bank  los.

Aber die Texaner wollen mehr. Sie könnten nach Informationen aus Finanzkreisen noch in diesem Jahr ihre Tochter IKB wieder ins Schaufenster stellen - sofern sich die Lage bessert. Im Sommer 2012 hatte Lone Star die Suche nach einem Käufer frustriert abgebrochen. Auch die Düsseldorfer Hypothekenbank will Lone Star abgeben.

Der Verkauf der Deutsche- Bank  -Tochter BHF an ein Konsortium um Ex-Dresdner-Banker Leonhard Fischer könnte von der Finanzaufsicht im Februar nach jahrelanger Verzögerung endlich durchgewunken werden. Und die frühere WestLB-Tochter WestImmo? Sie wird zwar abgewickelt. Aber vielleicht geht ja bald wieder etwas.

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