Gutachterausschüsse Immobilienpreise dürften weiter steigen

Schlechte Nachrichten für Immobilienkäufer: Die Preise in den Städten steigen weiter - oft auch im Umland. Immerhin: Der Anstieg der Wohnungsmieten in den Metropolen schwächt sich offenbar ab.
Wohnungen in Frankfurt: In der Stadt läuft der Wohnungs- und Immobilienmarkt besonders heiß

Wohnungen in Frankfurt: In der Stadt läuft der Wohnungs- und Immobilienmarkt besonders heiß

Foto: Arne Dedert/ picture alliance/dpa

Wer in den Metropolen eine Wohnung sucht, muss aus Expertensicht mit weiter steigenden Preisen rechnen. In den acht größten deutschen Städten zeichnet sich keine Trendwende ab, wie Vertreter der jeweiligen amtlichen Gutachterausschüsse am Dienstagabend schilderten. "Die Party geht weiter", sagte der Berliner Ausschussvorsitzende Reiner Rössler. Von Preisanstiegen berichteten auch Vertreter aus Hamburg, München, Köln, Frankfurt, Düsseldorf, Stuttgart und Leipzig. Eine Immobilienblase gebe es auf dem Wohnungsmarkt aber nicht.

Gutachterausschüsse werten jährlich die notariellen Kaufverträge aus und legen unter anderem Bodenrichtwerte fest. 2020 waren nach ihren Daten mit 310 Milliarden Euro bundesweit so viel Geld in Immobilien geflossen wie nie.

Es fehlt in den Städten weiter an Wohnraum

Vielerorts sind den Gutachtern zufolge noch nicht genug Wohnungen gebaut, um den Zuzug des letzten Jahrzehnts auszugleichen. "Die Nachfrage ist ungebrochen, das Angebot ist knapp, die Preise steigen", fasste die Vizevorsitzende des Hamburger Gutachterausschusses, Sonja Andresen, zusammen. "Wir haben keinen Corona-Knick nach unten." Die Preise in den einfachen Lagen näherten sich denen der mittleren an. Viele Menschen suchen deshalb am Stadtrand und im Umland nach Wohnungen und Häusern.

"In Frankfurt würde ich nicht mehr kaufen, aber im Umland ja", empfahl der Frankfurter Ausschusschef Michael Debus bei der Tagung der Gesellschaft für Geodäsie, Geoinformation und Landmanagement. In der Stadt sei der Markt zu heiß gelaufen, werde aber wohl noch weitere Preissteigerungen bringen. Mit dem Wechsel ins Homeoffice seien Menschen bereit, längere Pendelstrecken mit Arbeitswegen von bis zu eineinhalb Stunden in Kauf zu nehmen, sagte Andresen. In München versuchten gleichzeitig viele Menschen in der Stadt selbst in größere Wohnungen zu wechseln, sagte der dortige Amtsleiter Albert Fittkau. "Deshalb ist die Nachfrage nach wie vor da."

DIW: Die spekulativen Übertreibungen nehmen zu

Ökonomen äußerten sich zuletzt besorgt über den Boom: Unter anderem das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) hatte vor einem Platzen von Immobilienblasen in einigen Städten gewarnt. Nach mehr als einem Jahrzehnt steigender Preise sei in den kommenden Jahren mit größeren Preiskorrekturen in Berlin, München, Hamburg, aber auch in anderen großen Städten sowie Uni-Städten zu rechnen.

Es könne sinkende, aber auch stagnierende Preise geben, sagte DIW-Studienautor Konstantin Kholodilin. Die spekulativen Übertreibungen nähmen zu. Betroffen seien besonders Eigentumswohnungen und Baugrundstücke in großen Städten. "In den nächsten Jahren kann es dort zu Preiskorrekturen kommen, also zum Platzen von Immobilienpreisblasen", sagte er mit Blick auf eine Auswertung von Daten aus den 114 größten deutschen Städten.

Anstieg der Wohnungsmieten in Metropolen schwächt sich ab

Immerhin: Nach Jahren explodierender Mieten in Deutschlands Metropolen hat sich der Preisanstieg einer Studie zufolge zuletzt etwas abgeschwächt. Im zweiten Halbjahr 2021 entwickelten sich die mittleren Angebotsmietpreise in München, Köln, Frankfurt, Düsseldorf und Stuttgart auf Jahressicht schwächer als im Durchschnitt der vergangenen fünf Jahre, wie am Mittwoch aus einer Untersuchung des Immobiliendienstleisters und -beraters JLL zu den acht größten Städte hervorging. Während die Mieten in München (+1,7 Prozent) und Köln (+3,9) noch weiter stiegen, stagnierten sie demnach in Düsseldorf sowie in Stuttgart und gingen in Frankfurt um 3,1 Prozent zurück.

In Berlin habe es zwar ebenfalls einen deutlichen Rückgang der Dynamik (+4,1) im Fünfjahresvergleich gegeben, das Wachstum sei aber ähnlich stark geblieben wie in Hamburg (+3,8) und Leipzig (+5,3). "Leipzig konnte als einziger Markt unter den Big 8 in der Gesamtbetrachtung ein höheres Wachstum erzielen als im Fünfjahresvergleich und profitiert von seiner nach wie vor hohen Anziehungskraft. Wir erwarten auch weiterhin eine Fortsetzung dieser Entwicklung", sagte JLL-Experte Roman Heidrich.

rei/dpa-afx