Mittwoch, 27. Mai 2020

Crash, Boom oder die bronzene Mitte Drei Szenarien für den deutschen Immobilienmarkt

Dunkle Aussichten: Auch der Mittelweg für den deutschen Immobilienmarkt ist nicht erfreulich

2. Teil: Experten halten Crash für wahrscheinlicher als Boom

Bei 10 bis 20 Prozent liege die Wahrscheinlichkeit für das Crash-Szenario, nur 5 bis 10 Prozent seien es beim Boom-Szenario. "Die immense Liquidität, die die EZB durch ihre Niedrigstzinsen und den für 2015 vorgesehenen Aufkauf von Staatsanleihen und Unternehmenskrediten in die Märkte pumpt, erhöht die Gefahr von Vermögenspreisblasen, die irgendwann platzen und die Realwirtschaft in eine tiefe Rezession stürzen können", sagt Voigtländer.

Das Boom-Szenario sieht vor, dass die Eurostaaten sich rasch aus der Konjunkturkrise befreien, die Wirtschaft dabei insbesondere in Deutschland kräftig wächst und die Wohnungsmärkte vom Zuzug ausländischer Arbeitnehmer und deutlichen Gehaltssteigerungen profitieren. Dabei würde auch die Nachfrage nach Eigenheimen und Wohnungen in den ländlichen Regionen im größeren Umkreis der Ballungszentren wieder wachsen.

Denn immer mehr Unternehmen würden Mitarbeiter aus dem Home Office arbeiten lassen, weil es nicht genügend freie Büroflächen gibt, um den Bedarf zu stillen. Ein schöner, aber unrealistischer Traum, meint Günter Vornholz, Professor für Immobilienökonomie an der EBZ Business School in Bochum: "Die Wahrscheinlichkeit, dass Europas Wirtschaft nicht nur Tritt fasst, sondern sogar dynamisch wächst, beträgt nur 5 Prozent."

Im Boom steigen die Zinsen

Allein Andreas Schulten, Vorstandschef der Berliner Immobilienforschungsgesellschaft Bulwiengesa, ist deutlich optimistischer als der Rest der Experten. "Wir sehen eine Chance von 50 Prozent, dass die Weltkonjunktur mitsamt der Wirtschaft in den Eurostaaten bis 2025 rasant an Fahrt gewinnt." Allerdings würde dies für die hiesigen Gewerbeimmobilienmärkte nur bedingt von Vorteil sein. "Investoren, die jetzt Spitzenpreise für Bürotürme und Shoppingcenter in Deutschland zahlen, weil diese Immobilien als sicherer Hafen gelten, werden sich dann anderen Anlagen zuwenden", sagt Schulten.

Denn mit einem globalen Wirtschaftsboom würden die Notenbanken die Leitzinsen anheben, wodurch die Renditen von Staatsanleihen wieder steigen würden. "Gewerbeobjekte wären erst dann für Investoren wieder interessant, wenn ihre Renditen ebenfalls wieder anziehen", sagt der Immobilienforscher. Spiegelbildlich müssten dafür jedoch die Gebäudepreise sinken oder zumindest zeitweise stagnieren, während die Mieten zulegen.

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