Staatsanwälte ermitteln Möglicher Milliardenbetrug bei deutscher Immobilienfirma

Die German Property Group warb mit Traumrenditen um Anlegergelder. Nun ermittelt die Staatsanwaltschaft Hannover wegen des Verdachts auf Anlagebetrug und Untreue. Es könnte einer der größten Fälle in Deutschland werden.
Vermeintliche Traumrenditen mit deutschen Immobilien: Berlin von oben.

Vermeintliche Traumrenditen mit deutschen Immobilien: Berlin von oben.

Foto: Jens Kalaene/ picture alliance / dpa

Die Staatsanwaltschaft Hannover hat Ermittlungen im Umfeld des Immobilienunternehmens German Property Group eingeleitet. Es geht um den Verdacht des Anlagebetrugs und Untreue. Die Ermittlungen richteten sich gegen drei Personen, darunter auch der Hauptgesellschafter der Firma, der seine Kooperation bei der Aufklärung der Vorwürfe zugesagt habe, sagte der Sprecher der Staatsanwaltschaft. Zur möglichen Schadenshöhe könne man noch nichts sagen. Zuvor hatte das "Handelsblatt" über den "möglichen Milliardenbetrug" berichtet. 

Bei der German Property Group handelt es sich um ein verschachteltes Unternehmen mit diversen Tochtergesellschaften. Gegen die Firma sei in den vergangenen Jahren immer wieder wegen des Verdachts der Geldwäsche ermittelt worden, hieß es, die Verfahren seien aber immer eingestellt worden. Nun verdichten sich die Anzeichen, dass es sich womöglich um Anlagebetrug handelt. Es könnte sogar einer der größten Fälle von Anlagebetrug in Deutschland überhaupt werden.

Entscheidende Figur in dem Firmenkonstrukt ist Charles Smethurst. Er hat die Gruppe unter dem Namen Dolphin Trust über mehr als ein Jahrzehnt aufgebaut. Auf seiner Homepage  bezeichnet er sich als "gebürtiger Düsseldorfer mit britischen Wurzeln". Sein Anwalt erklärte gegenüber dem "Handelsblatt", Smethurst stehe mit der Staatsanwaltschaft in Kontakt.

Bereits im Juli hatten zur German Property Group gehörende Kernunternehmen, darunter die namensgebende German Property Group GmbH, beim Amtsgericht Bremen Insolvenzantrag gestellt. Zur Gruppe gehören nach Angaben des vorläufigen Insolvenzverwalters Gerrit Hölzle mehr als 100 Projektentwicklungsgesellschaften.

Vor allem ausländische Anleger angeworben

Was innerhalb dieser Strukturen mit den Anlegergeldern geschah, ist unklar. Der Anlegeranwalt Axel Rathgeber teilte im Juli jedenfalls mit, die Verantwortlichen der Firma hätten ihm gegenüber eingestanden, dass zumindest bei einer Projektentwicklung im dreistelligen Millionenbereich "ein Erwerb von Grundbesitz mit den Anlegergeldern jedenfalls nicht erfolgt ist". Insgesamt habe die Gruppe rund eine Milliarde Euro eingeworben.

Geschädigt sind wohl vor allem Privatanleger außerhalb Deutschlands. Für die Immobilien warb die Firma laut Staatsanwaltschaft vor allem im angelsächsischen und asiatischen Raum um Investitionen. Ein Vermittlungsunternehmen aus Singapur habe Strafanzeige gestellt.

Die Gruppe hatte Anlegern vor allem im Ausland hohe Renditen für Investitionen in deutsche Immobilien in Aussicht gestellt. Dabei ging es um die Sanierung denkmalgeschützter Immobilien. Die eigentlich sanierten Altbauten seien nach Aussagen von Betroffenen allerdings meist nur "heruntergekommene Bruchbuden", berichtet die Zeitung. Ein Objekt habe es nicht einmal gegeben. Geld hätten viele Investoren bisher nicht bekommen.

lhy/dpa
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.