Baugenehmigungen auf Rekordhoch Sie bauen und bauen und ...

Die Zahl der Baugenehmigungen für Wohnungen steigt so schnell wie seit 12 Jahren nicht mehr. Dafür gibt es neben niedrigsten Zinsen einen zentralen Grund. Die Bauwirtschaft warnt trotzdem, der Bauboom werde das Problem der bezahlbaren Wohnungen nicht lösen.
Niedrige Zinsen und der Druck, Hunderttausende Flüchtlinge unterzubringen, hat im ersten Quartal die Baugenehmigungen auf ein Rekordhoch getrieben

Niedrige Zinsen und der Druck, Hunderttausende Flüchtlinge unterzubringen, hat im ersten Quartal die Baugenehmigungen auf ein Rekordhoch getrieben

Foto: Marijan Murat/ picture alliance / dpa

Beflügelt von niedrigen Hypothekenzinsen und starker Nachfrage hat sich der Bauboom zum Jahresbeginn beschleunigt. Im ersten Quartal wurde der Bau von 84.800 Wohnungen genehmigt, das war der höchste Stand zu einem Jahresanfang seit 2004, wie das Statistische Bundesamt am Freitag in Wiesbaden mitteilte.

Danach wurden 30,6 Prozent oder knapp 20.000 mehr Baugenehmigungen für Wohnungen erteilt als im Vorjahreszeitraum. Zu dem Boom trug auch die Unterbringung Hunderttausender Flüchtlinge bei. Die Genehmigungen für Wohnungen in Wohnheimen, zu denen auch Flüchtlingsunterkünfte zählen, stiegen um 146,8 Prozent auf 5149.

"Die Dynamik bei den Baugenehmigungen ist positiv, sie reicht aber immer noch nicht aus, um genügend bezahlbaren Wohnraum zu schaffen", sagte Axel Gedaschko, Präsident des Spitzenverbandes der Wohnungswirtschaft GdW. In Deutschland müssten bis 2020 jährlich insgesamt rund 400.000 Wohnungen und damit rund 140.000 Mietwohnungen mehr als noch 2015 gebaut werden. "Wir brauchen schnellstmöglich mehr Bauland, eine Verringerung der Herstellungskosten beim Bau und wirksame Förderinstrumente", forderte Gedaschko.

Angeschoben wird die Baukonjunktur auch durch das extrem niedrige Zinsniveau: Die Europäische Zentralbank (EZB) hat die Zinsen im Euroraum quasi abgeschafft, der Leitzins liegt inzwischen bei Null. Baukredite sind derzeit so günstig wie seit Jahren nicht. Klassische Sparprodukte werfen wegen der Null-Zinsen dagegen kaum noch etwas ab. Anleger flüchten deswegen auch in "Betongold", was die Nachfrage nach Immobilien zusätzlich anheizt.

Die Kehrseite des Booms: Vor allem in begehrten Regionen steigen die Preise. Bundesbank-Vorstandsmitglied Andreas Dombret warnte zuletzt vor einer Überhitzung des Immobilienmarkts in Metropolen. "Von einer Immobilienblase kann man noch nicht sprechen, allerdings sehen wir in einigen deutschen Städten durchaus Preisübertreibungen bei Wohnimmobilien", hatte er in einem Interview gesagt.

Kräftige Zuwächse gab es im ersten Quartal bei allen Gebäudearten: Einfamilienhäuser (plus 23 Prozent), Zweifamilienhäuser (plus 26,8 Prozent) und Mehrfamilienhäuser (plus 23,7 Prozent).

rei/dpa

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