Donnerstag, 23. Januar 2020

Villa Kellermann in Potsdam So schmeckt es bei Günther Jauch und Tim Raue

Villa Kellermann: Das gemeinsame Restaurant von Tim Raue und Günther Jauch
Nils Hasenau

2. Teil: Zehn Luxuswohnungen soll es über dem Restaurant geben

Sein Vorbild sei Plattner, der habe mit dem Museum Barberini einfach gemacht, was er für richtig hielt. "Man muss auch mal etwas wagen." Schon 1914 war die Villa moderner als viele andere, hatte einen Speiseaufzug, sogar eine Tankstelle im Garten. Beim Zeremonienmeister Wilhelm von Hardt traf sich die Haute Volée auf der Terrasse, am Kamin. Später lebte der jüdische Bankier Emil Wittenberg hier, bis er aus Deutschland fliehen musste. Nach der Wende kaufte es Johannes Rey, Immobilienunternehmer aus Oberursel, in Potsdam hieß er der "Plattmacher vom Heiligen See". Krude Ideen hatte er und zweifelhafte Entmietungspraktiken, wollte ein Casino daraus machen.

Da störte nur der, der schon da war: Wirt Maximilian Dreier. Rey lud Hausbesetzer zum Freibier ein, um ihn loszuwerden, hob Gräben aus, mauerte Rohre zu. Dreier blieb. Am Ende drohte die Zwangsversteigerung, Rey, verschuldet, entzog sich der Potsdamer Justiz, starb 2005, unerwartet. Da traten Wella-Erbin Gisela Sander und ihr Mann auf den Plan, kauften die Villa und verkauften sie wieder, 2016 an Jauch. Das Restaurant hatte erst 2009 geschlossen; alle hatten hier gegessen, Politiker, Unternehmer, Künstler, Joop, Gottschalk, Schlöndorff und Jauch. Maximilian Dreier ging in die Toskana, führt bei Florenz ein B&B ("SommaVilla"). Die Villa in Potsdam stand jahrelang leer.

"Ich fand es sehr schade, dass diese Villa so lange leer stand. Ich wollte sie eigentlich zu einem früheren Zeitpunkt schon einmal kaufen, habe den Arm aber bei der Versteigerung nicht lange genug oben gehalten. Nun hat es geklappt. Mir war es ganz wichtig, daraus wieder zu machen, was es früher einmal war: ein Restaurant" sagte Jauch. "3,5 Millionen Euro", ruft ein Journalist. "Na, da gibt viele Gerüchte" antwortet Jauch. Erzählt später beim Glas Rotwein, wie er die Stadt zum ersten Mal sah, 1989 im Winter Schloss Sanssouci, mit Raureif, einsam, verwunschen. Nun lebe er seit mehr als einem Vierteljahrhundert hier, und das "sehr, sehr gern".

Zehn Luxuswohnungen soll es über dem Restaurant geben: Wohnen auf Zeit, drei bis zwölf Monate. Lange kamen nur Foto-Touristen (auf "Lost places"-Touren) und Filmstudios. Zuletzt wurde ein Teil von "Babylon Berlin" gedreht. "Das hat uns inspiriert", sagt Raue. Das Essen jedenfalls - vom Kopfsalat mit Petersilie, Apfel und grünem Pfeffer, der Sauerrahm-Kartoffel mit Saiblingskaviar bis zum Molke-Eis mit Joghurtmousse mit weißer Traube und Holunder - schmeckt hervorragend. Alles andere wäre auch überraschend gewesen.

Villa Kellermann, Mangerstraße 34, 14467 Potsdam, Tel. 0331291572, Mi.-So. 18-21.30 Uhr, Sa, So. 12-14.30 Uhr, www.villakellermann.de

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