Geschichte einer Falschmeldung Wie Hamburg unfreiwillig autofrei wurde

Es war eine Nachricht, die sich in Windeseile über die ganze Welt verbreitete: Hamburg wolle 2034 autofrei sein, schrieb eine britische Zeitung. Und Medien auf der ganzen Welt stiegen drauf ein. Dumm nur, dass an der Sache offensichtlich nichts dran ist.
Autobahn statt Auto-Bann: Hamburger sollen offenbar auch in Zukunft die Wahl des Verkersmittels haben

Autobahn statt Auto-Bann: Hamburger sollen offenbar auch in Zukunft die Wahl des Verkersmittels haben

Foto: Frank_Rumpenhorst/ picture-alliance / dpa/dpaweb

Hamburg - Von Blogs über internationale Nachrichtenseiten bis hin zu Automagazinen - die Nachricht vom Auto-Aus auf Hamburgs Straßen  verbreitete sich wie ein Lauffeuer. Die Autoweek  berichtete davon, die BBC  und sogar Zeitungen in Neuseeland .

Als Ende vergangener Woche dann auch noch chinesische und koreanische Medien auf das Autoverbot in der Hansestadt ab 2034 einstiegen, entschloss sich die Stadt schließlich zum offiziellen Dementi. Hamburg "plant keine autofreie Stadt", ließ die Hamburger Behörde für Stadtentwicklung und Umwelt per Pressemitteilung verbreiten. "Anderslautende Meldungen in verschiedenen Medien sind falsch."

Darüber, wie die offensichtliche Falschmeldung die Runde gemacht hat, "lässt sich nur spekulieren", sagt Behördensprecherin Kerstin Graupner . Als erster habe der "Guardian" über die Pläne der Stadt für ein "Grünes Netz" berichtet. Ein städteplanerisches Vorhaben, mit dem Grünflächen der Stadt verbunden und den Bewohnern so das Vorankommen zu Fuß und per Fahrrad erleichtert werden soll. Eine Journalistin der Zeitung habe dafür mit der Behörde ein schriftliches Interview geführt und einen Artikel veröffentlicht, sagt Graupner. "Aber das war alles korrekt."

Als andere Medien das Thema dann aufgenommen hätten, habe sich offenbar ein Fehler eingeschlichen, der sich dann immer weiter fortgesetzt habe. Rückfragen haben es kein gegeben, sagt Graupner. "Bei uns hat keiner angerufen und nachgefragt." Allerdings kommt im Artikel des Internetauftritts des "Independent", auf den sich viele Medien bei Ihrer Berichterstattung beziehen, eine Mitarbeiterin des Amtes zu Wort, die fälschlich als Sprecherin bezeichnet wird.

Dass 2034 als das Jahr genannt wird, an dem der Auto-Bann in Kraft treten soll, erklärt sich Graupner mit dem geplanten Fertigstellungsdatum. "Dann ist das Netz fertig. So einfach ist das."

Weniger einfach ist es für die Stadt, die einmal in die Welt gelangte Nachricht zu korrigieren. "In Hamburg kann man das schnell einfangen", sagt Graupner. International haben die entsprechenden Facebook-Postings und das offizielle Dementi bislang aber noch kaum Resonanz gezeigt.

mihec
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