Aus für Sanierungs-Bonus Lohnt sich Dämmen jetzt gar nicht mehr?

Schlechte Nachricht für Hausbesitzer: Die Bundesregierung stoppt den geplanten üppigen Steuerzuschuss für die energetische Sanierung. Welche Sparmaßnahmen jetzt noch lohnen, was die Entscheidung für die Industrie bedeutet - die wichtigsten Fragen im Überblick.
Gut gedämmt: Die Deutschen verpacken ihre Häuser - doch lohnt sich das?

Gut gedämmt: Die Deutschen verpacken ihre Häuser - doch lohnt sich das?

Foto: Arne Dedert/ picture alliance / dpa

Lohnt sich die energetische Gebäudesanierung jetzt gar nicht mehr?

Das hängt stark vom Einzelfall ab. "Es kommt auf das einzelne Gebäude und die einzelne Lebenssituation an", sagt Energieexpertin Corinna Kodim vom Immobilienbesitzer-Verband Haus und Grund. Allerdings hat sich die Sanierung für viele Immobilienbesitzer schon bisher kaum oder gar nicht gerechnet. Nun verschlechtern sich die Rahmenbedingungen weiter:

Die geplante steuerliche Förderung in Höhe von 10 bis 25 Prozentist gestrichen. "Das macht bei solchen Investitionen schon einen großen Unterschied", sagt Energieexpertin Birgit Holfert vom Verbraucherzentrale Bundesverband (VZBV).

Auch sind die Energiepreise zuletzt gesunken. Heizöl ist 2014 fast 40 Prozent billiger geworden. Gas und Strom kosten vielerorts ebenfalls weniger als vor einem Jahr. Hält der Trend an, dauert es länger, bis sich Energiesparmaßnahmen bezahlt machen - im schlimmsten Fall Jahrzehnte. Gerade alte Menschen haben dann nichts mehr von den Sparmaßnahmen. Für eine kreditfinanzierte Sanierung sprechen allerdings die derzeit niedrigen Zinsen.

Welche Maßnahmen sind nun häufiger unwirtschaftlich?

Vor allem teure Sanierungsprojekte wie Fassadendämmung und Fensteraustausch. Beispiel Hauswand: Die Dämmung eines Einfamilienhauses kostet laut Verbraucherzentrale etwa 15.000 bis 25.000 Euro. Sie amortisiert sich oft erst nach 15 bis 30 Jahren.

Doch dann muss das Material unter Umständen schon wieder ausgetauscht werden. "Der Amortisationszeitraum hätte sich mit der Steuergutschrift um drei bis fünf Jahre verkürzt", sagt Holfert. Erst dadurch wären aufwändige Arbeiten in vielen Fällen wirtschaftlich sinnvoll gewesen.

Welche Energiespar-Investitionen sind weiterhin sinnvoll?

Es gibt eine Reihe günstiger und einfacher Maßnahmen, die den Energieverbrauch in vielen Häusern senken. Zuallererst sollten Hausbesitzer sicherstellen, dass ihre Heizungsanlage richtig eingestellt ist ("hydraulischer Abgleich") und die Ventile richtig arbeiten.

Oft liefern auch Brennwertheizungen nicht, was sie versprechen, weil sie falsch eingestellt sind. In vielen Fällen lohnt sich eine neue, sparsame Heizungspumpe. Heißwasser-Rohre lassen sich mit Schaumstoffhüllen aus dem Baumarkt isolieren.

Vergleichsweise wenig Fachwissen ist auch erforderlich, um die oberste Geschossdecke abzudichten. "Wer dort Dämmmatten auslegt, hat oft schon viel gespart", sagt Holfert. Insgesamt ließen sich mit kleinen Maßnahmen bis zu 25 Prozent Energiekosten sparen. In zugigen Altbauen seien sogar 50 Prozent drin, sagt Haus-und-Grund-Frau Kodim: "Es gibt kleine Maßnahmen, die sich bei vielen Gebäuden lohnen."

Die Industrie läuft Sturm gegen die CSU - warum?

Ich habe im Vertrauen auf das Gesetz schon angefangen zu sanieren. Was soll ich jetzt tun?

Einen Anspruch auf die steuerliche Förderung gibt es nicht - schließlich war das Gesetz noch nicht verabschiedet. "Ankündigungen von Politikern in den Medien sind kein Grund, loszulegen", sagt Kodim. Die Erfahrung lehre immer wieder, dass solche Gesetzesvorschläge scheitern können.

Ärgerlich sei das allemal: "Hausbesitzer brauchen einen sicheren Rahmen, auf den sie sich verlassen können. Es ist schlimm, dass der so häufig geändert wird."

Die Regierung will alternative Fördermaßnahmen prüfen. Sollte ich mit Sanierungsvorhaben abwarten, bis das Thema geklärt ist?

Das wäre eine riskante Wette. Zwar plant die Regierung nun tatsächlich, die einschlägigen KFW-Förderprogramme auszubauen. Doch abzuwarten, bis die Politiker sich endgültig einigen, könnte teuer werden. Wer mit Baumaßnahmen zu lange wartet, ist mit der Sanierung im nächsten Winter womöglich noch nicht fertig - und heizt fröhlich weiter den Garten.

"Ein Sanierungsvorhaben sollte auch ohne Förderung sinnvoll sein", sagt Corinna Kodim von Haus und Grund. Das Wohngefühl sollte sich verbessern, vielleicht sogar das Aussehen des Hauses. "Wenn es zusätzlich Förderungen gibt, ist das ein schönes Extra." Und diese existierten ja: bei Fassadensanierungen in Form der Kredite und Zuschüsse der KFW. Und für Blockheizkraftwerke als Zuschüsse der Behörde Bafa.

Was bedeutet die Kehrtwende für die Industrie?

Die ersten Reaktionen machen die Folgen in etwa deutlich. "Die Entscheidung der Koalition wirft uns bei der Umsetzung der Energiewende weit zurück", sagte Holger Lösch, Mitglied der BDI-Hauptgeschäftsführung.

Die Gebäudesanierung ist in der Wirtschaft vergleichsweise populär, wenn es um die Energiewende geht. Schließlich bedrohen die Maßnahmen nicht die klassischen Geschäftsmodelle etablierter Konzerne - anders als die Förderung von Solar- und Windenergie. Dagegen kommen Investitionen in die Haussanierung Firmen wie BASF (Dämmmaterial) und der Haustechnik-Industrie (Viessmann, Vaillant, Schüco) zu Gute.

Scharf kritisierte die Deutsche Unternehmensinitiative Energieeffizienz (Deneff) den bayerischen Ministerpräsidenten Horst Seehofer (CSU) an, der den Bonus zu Fall gebracht hatte. "Horst Seehofer ist die größte Gefahr für die deutsche Energiewende", sagte Deneff-Chef Carsten Müller.

Seehofer sorge nun dafür, dass überflüssige Milliardenausgaben für Energie weiter an Russland und die Öl-Scheichs flössen. "Der heimischen Wirtschaft, auch der bayerischen, hat er damit einen echten Bärendienst geleistet." Bei der Deneff sind Firmen wie Bilfinger, Baywa und Velux organisiert.

Eine gute oder schlechte Nachricht für Mieter?

Ist das Aus für den Sanierungszuschuss eine gute oder eine schlechte Nachricht für Mieter?

Der jetzt gestoppte Steuerbonus bei der Gebäudesanierung war nur für den selbstnutzenden Eigentümer vorgesehen, also Eigenheimbesitzer, erklärt Ulrich Ropertz, Geschäftsführer und Pressesprecher beim Deutschen Mieterbund (DMB). Die Idee, dass auch Vermieter und damit Mieter von diesem Bonus hätten profitieren können, sei nie über einen Prüfauftrag hinausgekommen.

Insofern hätte der Sanierungsbonus für Mieter keine Vorteile gebracht. Der Kompromiss wäre - aufgrund der dann wegfallenden Steuerermäßigungen bei den Handwerkerleistungen - sogar schlecht für Mieter gewesen: Denn von diesen profitieren ja auch Mieter.

"Im Interesse der Gesamtheit hätten wir den Steuerbonus bei der Gebäudesanierung für Selbstnutzer begrüßt, weil es in diesem Bereich die größten Defizite gibt", sagt Ropertz: "Aber wenn man das will, muss man eine andere Möglichkeit finden, als das beim Mieter abzuknapsen."

Der Steuerbonus für Sanierungen ist gescheitert, weil im Gegenzug die Absetzbarkeit von Handwerkerleistungen gekappt werden sollte. Welche Vorteile bleiben dadurch erhalten?

Mit dem überraschenden Stopp des Steuerbonus gelten vorerst die bisherigen Regeln zur Absetzbarkeit von Handwerkerleistungen weiter. Vorerst? Bedeutet das nun, dass ich mir jetzt noch schnell Handwerker ins Haus holen sollte, weil die bisher gültigen Regeln womöglich doch noch gekippt werden könnten?

"Das glaube ich nicht", sagt Wolfgang Schwitalla, Experte für "Haushaltsnahe Dienstleistungen" im Einkommensteuerrecht. "Das, was jetzt im Gesetz steht, das wird erst mal so weiterlaufen", befindet der Hamburger Steuerberater. Wichtigster Grund für diese Annahme: Die gültigen Regeln seien vor allem eingeführt worden, um Kleinhandwerkerleistungen zu fördern und somit Schwarzarbeit zu vermeiden. Und das habe ja auch ganz gut geklappt, so Schwitalla.

Die Regeln für Steuerermäßigungen bei Handwerkerleistungen, die Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer erhalten will, sind Teil der haushaltsnahen Dienstleistungen im Einkommensteuergesetz. Diese stehen in Paragraf 35a EStG: Private Haushalte können jährlich 20 Prozent der Arbeitskosten von Handwerkerleistungen von der tariflichen Einkommensteuer abziehen, höchstens aber 1200 Euro.

Beispiele für absetzbare Handwerkerleistungen sind etwa Reparaturen und Austausch von Fenstern, Türen, Böden, Heizungsanlagen sowie Elektro-, Gas- und Wasserinstallationen, die private Straßenreinigung, Schornsteinfeger- und Gartenarbeiten. Zu den absetzbaren Arbeitskosten gehören aber auch Fahrtkosten und Maschinenmieten, nicht aber Materialkosten.

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