Immobilienkonzern CEO und CFO von Evergrande treten zurück

Der mit 300 Milliarden Dollar verschuldete chinesische Immobilienriese Evergrande gilt als insolvent. Nun sind der Vorstandschef und Finanzchef zurückgetreten. Ermittler werfen ihnen irreguläre Geschäfte vor.
Evergrande hat schon mehrfach Zinszahlungen für in- und ausländische Anleihen ausfallen lassen

Evergrande hat schon mehrfach Zinszahlungen für in- und ausländische Anleihen ausfallen lassen

Foto: TYRONE SIU / REUTERS

Der Vorstandschef und der Finanzvorstand von China Evergrande treten nach einer Untersuchung der Dienstleistungssparte des angeschlagenen Immobilienkonzerns zurück. Eine vorläufige Ermittlung hat ergeben, dass CEO Xia Haijun und CFO Pan Darong an der Umleitung von Krediten beteiligt waren, teilte Evergrande am Freitagabend (MEZ) mit.

Sie hätten 13,4 Milliarden Yuan (1,99 Milliarden Dollar), die der Sparte Evergrande Property Services gehörten, als Kreditgarantien verwendet. Die Manager hätten die Kredite "über Dritte an Evergrande Group zurückübertragen und für allgemeine Geschäftstätigkeiten verwendet". Die Garantien seien allerdings von Banken beschlagnahmt worden, was die Liquidität der Evergrande-Tochter gefährdet habe.

Der Konzern habe seinen bisherigen geschäftsführenden Direktor Siu Shawn zum neuen Vorstandschef und den Vizepräsidenten Qian Cheng zum Finanzvorstand ernannt, hieß es weiter. Evergrande Group sei auch in Gesprächen mit Evergrande Property Services über einen Rückzahlungsplan.

Investoren befürchten schon lange, dass die Cashflow-Probleme des chinesischen Bauriesen zu seinem totalen Zusammenbruch führen und die Entwicklung der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt verlangsamen könnte.

Evergrande ist mit mehr als 300 Milliarden Dollar verschuldet und hat mehrfach Zinszahlungen sowohl für Inlands- als auch für Auslandsanleihen nicht bedient. Der Immobilienriese gilt damit als pleite, auch wenn er offiziell noch nicht für bankrott erklärt wurde. Längst zieht Peking hinter den Kulissen die Fäden bei dem Konzern und versucht eine Kettenreaktion für Geschäftspartner und Banken zu verhindern, die ein offizieller Bankrott nach sich ziehen würde. Evergrande ist dabei kein Einzelfall, auch andere Immobilienkonzerne in China sind hoch verschuldet, indem sie mit immer mehr eingegangenen Risiken versuchten, von dem jahrelangen Bauboom in China zu profitieren.

Nach Einschätzung von Kreditanalyst Marco Metzler haben sich die Probleme des chinesischen Immobiliensektors längst auf das nationale Bankensystem ausgeweitet, wie er kürzlich im Gespräch mit manager magazin erklärte. Mehrere regionale Institute haben seit Monaten den Geschäftsverkehr eingestellt und sämtliche Einlagen von Hunderttausenden Kunden eingefroren. Immer wieder kam es dabei zu Protesten, die teilweise mit Gewalt niedergeschlagen wurden.

In Bedrängnis kommen die Banken auch, weil zum einen der Staat sie jetzt verschärft reglementiert und zum anderen immer mehr Immobilienkäufer in Dutzenden Städten Chinas ihre Ratenzahlungen für Kredite gestoppt haben , weil die Bauarbeiten für ihre Wohnung nicht vorankommen.

rei mit Reuters
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