Am Donnerstag fällig Evergrande verspricht pünktliche Zinszahlung

Der kriselnde Immobilienriese China Evergrande setzt auf eine Beruhigung der Finanzmärkte und kündigt eine pünktliche Zinszahlung in Millionenhöhe an. Die Sorge um seine Zahlungsfähigkeit ist damit lange nicht ausgeräumt.
Tür halb offen: Eingang zum Evergrande Center in Shanghai

Tür halb offen: Eingang zum Evergrande Center in Shanghai

Foto: HECTOR RETAMAL / AFP

Der vom Kollaps bedrohte chinesische Immobilienkonzern Evergrande hat sich nach eigenen Angaben etwas Luft verschafft. Wie das Unternehmen am Mittwoch mitteilte, konnte es eine Vereinbarung mit inländischen Gläubigern zur Zahlung von Zinsen für eine wichtige Onshore-Anleihe treffen, die am Donnerstag fällig sind. Der Immobilienriese will eine Anleihekuponzahlung in Höhe von 232 Millionen Yuan (35,88 Millionen US-Dollar) leisten, wie die Haupteinheit der China Evergrande Group, die Hengda Real Estate Group, am Mittwoch in einer Erklärung mitteilte. Eine Zahlungsunfähigkeit wäre dadurch abgewendet.

Die positive Nachricht sorgte für etwas Erleichterung an den nervösen Finanzmärkten. Nicht mitgeteilt hat das Unternehmen allerdings, ob es in der Lage sein wird, die ebenfalls am Donnerstag fälligen Zinsen in Höhe von 83,5 Millionen Dollar für seine Offshore-Anleihe vom März 2022 zu leisten. Eine weitere Zinszahlung von 47,5 Millionen Dollar muss am 29. September geleistet werden. Für alle Zahlungen gilt eine Nachfrist von 30 Tagen, was Evergrande weitere Zeit verschaffen könnte.

Schuldenberg über 300 Milliarden Dollar

Insgesamt hat Evergrande Schulden von umgerechnet mehr als 300 Milliarden US-Dollar aufgetürmt und ist in Zahlungsverzug geraten. Chinas zweitgrößtes Bauunternehmen ist so stark mit der chinesischen Wirtschaft verflochten, dass ein Zahlungsausfall das globale Finanzsystem in Mitleidenschaft ziehen könnte, so die Befürchtung. Analysten der Citigroup warnten vor Risiken für das Finanzsystem in China, sehen aber keinen "chinesischen Lehman-Moment" voraus.

Evergrande-Verwaltungsratschef Hui Ka Yuan zeigte sich am Dienstag zuversichtlich. Er sei fest davon überzeugt, dass man den "dunkelsten Moment" überwinden könne, schrieb Hui in einem Brief an die Mitarbeiter. Evergrande werde seine Verpflichtungen gegenüber den Immobilienbesitzern, Investoren, Partnerfirmen und Banken erfüllen.

Die Londoner "Financial Times" kommentiert die drohende Pleite am Mittwoch: "Der Zusammenbruch von Evergrande sollte richtigerweise als eine kontrollierte Explosion betrachtet werden." Auch Marktexperte Michael Hewson vom Handelshaus CMC Markets sieht den "Zusammenbruch von Evergrande eher eine Frage des Wann und nicht des Ob". Die eigentliche Frage sei, wie die Auswirkungen bewältigt würden. Wie die chinesische Regierung auf die Schieflage reagieren wird, ist noch fraglich.

cs/dpa-AFX, Reuters, AFP