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Schlösser: Die Schnäppchen der Reichen

Foto: Savills Immobilien

Immobilien Her mit den irischen Schlössern

Irlands Wirtschaft stand am Abgrund. Nun sorgt eine Mischung aus neuer Hoffnung und harten Daten für eine steigende Nachfrage nach Wohnimmobilien. Auch Deutsche, Schweizer und US-Bürger mischen im Rennen um die irischen Schlösser mit.
Von Arne Gottschalck

Hamburg - John Malone hat sein gutes Näschen schon mehrfach bewiesen. Anders hätte er sich auch nicht so lange an der Spitze des Telekommunikationsunternehmens Liberty Global  halten können. Im vergangenen Jahr nun hat er deutlich unter Marktwert ein Schloss in Irland erworben. Malone markiert damit eine Entwicklung, die sich beschleunigt.

Denn die Nachfrage nach irischen Wohnimmobilien, ob schäbig oder ob Schloss, steigt. Sie kommt aus England, aus der Schweiz, aus Deutschland und eben auch aus Amerika. Denn seit einiger Zeit gibt es ermutigende Wirtschaftssignale aus Irland. Und das lässt den Immobilienmarkt träumen - auch im Luxussegment.

Mehr als 100 Millionen Euro soll zum Beispiel das Immobilienunternehmen New Generation Homes für ein großes Landstück bei Dublin ausgegeben haben, um dort Wohnungen zu erreichten. Finanziell angeschoben wurde diese Transaktion auch durch die Private-Equity-Firma Starwood, berichtet Independent Ireland . "Die Leute wollten investieren", sagte New-Generation-Vorstand Mark Elliott. "Es gab einen gesunden Appetit der Menschen, in die irische Wohnimmobiliengeschichte zu investieren."

Kein Wunder, denn die Preise sind - noch - niedrig. Durch die Krise haben Immobilien in Irland teilweise um 50 Prozent an Wert verloren. Es riecht nach Schnäppchen.

Schnäppchenjäger: Noch sind die Preise vermeintlich niedrig

Der 100-Millionen-Deal könnte Firmenchef Greg Kavanagh somit zu einem steinreichen Mann machen. Seine Kalkulation ist ganz einfach. Irlands Wirtschaft erholt sich, damit steigt auch die Nachfrage nach Wohnraum, was wiederum deren Preise steigen lässt, so dass er die einzelnen Einheiten mit einem hohen Gewinn veräußern kann.

Malone wiederum hat sein Schnäppchen schon gemacht. Er soll 8 Millionen Euro für Humewood Castle ausgegeben haben. Der Voreigentümer hatte noch gut 25 Millionen hinlegen müssen , berichtet "The Age". Auch George Soros soll bereits in Irland investiert haben. Malone und Kavanagh - bereits jetzt sieht es so aus, als würden sie Recht behalten. Denn die wirtschaftliche Situation Irlands verbessert sich.

Besonders die erfolgreiche Anleihenauktion im Dezember lässt die Ökonomen Hoffnung für die kleine Insel schöpfen. "Die Rückkehr Irlands an den Kapitalmarkt sowie die Ankündigung Portugals und Spaniens ebenfalls im Laufe des Jahres auf weitere Unterstützung durch die Troika verzichten zu wollen, sind ein positives Signal für den Rentenmarkt in der Eurozone-Peripherie", sagt Stefan Hofrichter, Chef-Volkswirt bei Allianz Global Investors. Und bei Amundi lässt sich in einem aktuellen Kommentar lesen: "Europa kann das irische Beispiel als eine Erfolgsgeschichte in der Art betrachten, wie es einem Mitgliedsstaat zur Hilfe kam."

Der Traum vom irischen Herrenhaus

Unter anderem aber auch, weil die irische Bevölkerung die Sparmaßnahmen ohne Murren schluckte, so Amundi. Auch andere Daten weisen in die gleiche Richtung. So lag das Wachstum des Bruttoinlandsprodukts im dritten Quartal 2013 bei 1,5 Prozent. 0,9 Prozent war erwartet worden. Dazu kommt ein Stimmungswechsel.

Ron Krüger ist Makler von Engel & Völkers im südirischen Kinsale, einer Art irisches Sylt. Auch dort ist der Stimmungswechsel zu spüren. "Sie hat sich gedreht, es wird wieder positiv nach vorn gedacht", sagt Krüger. "Und entsprechend ist auch wieder eine Nachfrage nach Wohn- und Investmentimmobilien da. Zum einen aufgrund des höheren Verbrauchervertrauens, zum anderen aber auch wegen der harten wirtschaftlichen Daten. Irland war ja schon vor dem Crash ein Standort für Internet- und Pharmaunternehmen, Novartis  , Pfizer  , Facebook  oder Apple  ."

Und solche Unternehmen schaffen jetzt wieder Stellen. Gemeinsam mit der neuen Hoffnung sorgt diese Entwicklung dafür, dass wieder in Immobilien investiert wird. Zum einem von denen, die in Irland leben und eine Bleibe brauchen. "Aber eben auch von den Auslandsiren, von den Deutschen, den Schweizern und den Engländern. Die haben durch das starke Pfund sogar noch einen Preisabschlag von 20 Prozent."

Anwesen mit Seeblick

Bereits grundsätzlich scheint für diese Gruppe die Kombination von Irland und Schloss verlockend zu sein. Immerhin 7.120.000 Treffer spuckt Suchmaschine Google dem auf den Bildschirm, der die Schlagworte "Irland", "Schloss" und "Immobilien" eingibt. Ersetzt man "Irland" durch "Deutschland", finden sich nur 1.800.000 Treffer. Nun kommt noch die Hoffnung auf eine rosigere Zukunft der grünen Insel hinzu.

"Wir haben zuletzt ein 3-Millionen-Anwesen verkauft, mit Seeblick und großen Grundstück", berichtet Makler Krüger. "Deals dieser Größenordnung hat man lange nicht gesehen." Freilich, es muss nicht immer ein großer Landsitz sein.

Auch die generelle Nachfrage nach Immobilien zieht an. Landesweit sind die Preise für Häuser 2013 um 5,6 Prozent gestiegen, in Dublin um 13,8 Prozent - und in den guten Wohngegenden der Hauptstadt um 20 Prozent. Gerade Dublin mit seinen internationalen Unternehmen profitiert von dieser Entwicklung. Zumal "das Überangebot in Dublin schon ziemlich gesunken ist", sagt John McCartney, Analyse-Direktor des Maklerunternehmens Savills. "Warum bauen nicht mehr Menschen, wenn so eine Nachfrage besteht? Ich denke, fundamental ist die Verfügbarkeit der Finanzierung." Eine Frage, wie sie sich reiche Ausländer sich vielfach nicht stellen müssen.

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