Donnerstag, 27. Februar 2020

JLL-Deutschland-Chef "Deutsche geben wenig für Immobilien aus"

Immobilienstandort Frankfurt: Deutsche Büro- und Einzelhandelsgebäude sind international gefragt

Mietbremse, Energieeffizienz, Fondsgesetze - im Immobiliengeschäft werden staatliche Eingriffe immer bedeutender. Frank Pörschke, Deutschland-Chef des Dienstleisters Jones Lang LaSalle, erklärt, was die Branche von der Wahl erwartet - und von den Notenbanken.

mm: Herr Pörschke, die Bundestagswahl steht kurz bevor. Was bedeutet das für die Immobilienbranche?

Pörschke: Grundsätzlich sind Bundestagswahlen immer Wegscheidepunkte. Derzeit gibt es in den Parteiprogrammen allerdings zwar Unterschiede in Nuancen. Aber nicht so, dass wir je nach Konstellation extreme andere Richtungen sehen würden. Abgesehen natürlich von exotischen Varianten wie rot-rot-grün, die wir wohl alle nicht erwarten. Insgesamt gibt es aber einen Trend zur stärkeren Regulierung. Und das ist für die Immobilienmärkte langfristig nicht das richtige.

mm: Ein Beispiel ist die viel diskutierte Mietpreisbremse. Was halten Sie davon?

Pörschke: Die Mietpreisbremse hat unter anderem den Effekt, Investitionen in Immobilien zu behindern. Die brauchen wir aber langfristig. Diese Regulierung würde die Renditeanreize, die notwendig sind, beeinträchtigen.

mm: Sie sind also gegen diesen Eingriff?

Pörschke: Ja. Ich glaube auch, dass die tatsächliche Situation auf den Immobilienmärkten solche Eingriffe weitgehend nicht rechtfertigt. Selbst in Großstädten wie Hamburg ist der Markt nicht flächendeckend überhitzt. Es ist richtig, dass es in einigen Lagen deutlich mehr Nachfrage als Angebot gibt. Das liegt aber daran, dass diese Lagen besonders attraktiv sind. Es gibt durchaus Lagen, wo von diesem Nachfragedruck nicht so viel zu spüren ist. Das geht allerdings insbesondere in Wahlzeiten in der öffentlichen Wahrnehmung unter.

mm: Selbst ohne Mietpreisbremse wird vielerorts zu wenig in den Wohnungsbau investiert. Braucht es vielleicht mehr staatliche Förderung für solche Investitionen?

Pörschke: Das hängt von der Erwartung ab. Im internationalen Vergleich geben die Deutschen relativ wenig für Immobilien aus. Die Preise im Ausland sind zum Teil deutlich höher. Hierzulande führt das dazu, dass ohne Förderungen und steuerliche Vorteile, wie es sie schon gibt, bei den hiesigen Mietpreisen rentable Investitionen in Wohnimmobilien nur sehr schwer möglich sind. Oder umgekehrt: Wenn Sie dieses Preisniveau in Deutschland erhalten wollen, müssen Sie die Förderungen einsetzen. So entstehen zwar vor allem Eigentumswohnungen im gehobenen Segment, die sich leichter verkaufen lassen. Dadurch lässt aber ebenfalls der Druck auf die günstigeren Wohnungen nach.

mm: Der Vergleich mit dem Ausland wird häufig angeführt. Aber in Großbritannien oder Frankreich beispielsweise herrschen völlig andere Verhältnisse am Immobilienmarkt, mit zentralistischen Strukturen. Ist der Vergleich wirklich zulässig?

Pörschke: Selbstverständlich können Sie nicht jede deutsche Großstadt mit London auf eine Stufe stellen. Eine solch dominierende Metropole hat Deutschland nicht. Aber insgesamt ist Deutschland auf einem wirtschaftlichen Niveau, das im Schnitt sogar höher ist, als in diesen Ländern. Es ist also nicht identisch, es ist aber auch nicht abwegig, solche Vergleiche zu ziehen.

mm: Häufig wird auch ein Nachholbedarf in Deutschland gesehen, ebenfalls im Vergleich zum Ausland.

Pörschke: Da gibt es natürlich keine Kausalität. Wenn man aber in anderen Ländern beobachtet, dass beispielsweise im Schnitt ein Drittel der Einkommen für das Wohnen ausgegeben wird, also mehr als hierzulande, dann kann man doch sagen, dass auch in Deutschland so etwas möglich sein könnte.

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