Samstag, 24. August 2019

Extreme Zinsentwicklung Dänen erhalten erstmals Langzeitkredite zum Nulltarif

Logo der Nordea-Bank: In Dänemark lockt das Institut mit extremen Zinskonditionen.

Brexit, Handelskrieg, Währungskrieg - die Verunsicherung auf den Finanzmärkten nimmt derzeit beinahe täglich zu. Zuletzt brachte das die Aktienkurse an den Weltbörsen in erhebliche Turbulenzen und ließ den Goldpreis erstmals seit Langem auf mehr als 1500 Dollar je Unze steigen.

Es gibt allerdings auch Akteure im Finanzgeschäft, denen die Entwicklung zupass kommt. Zum Beispiel Kreditnehmer, die sich über extrem niedrige Zinsen freuen können. Wie weit das gehen kann, zeigt sich gegenwärtig in Dänemark. Bei den Skandinaviern bewegen sich die Zinsen bereits seit geraumer Zeit auf niedrigstem Niveau - zur Freude der Hausfinanzierer. Jüngstes Extrem: Erstmals in der Geschichte gibt es in Dänemark ein Immobiliendarlehen mit 20-jähriger Laufzeit zum Nulltarif.

Wie die Finanzinformationsplattform Bloomberg berichtet, hat die Nordea Bank Abp diese Offerte angekündigt: Ein Darlehen mit einer Laufzeit von 20 Jahren zum festen Zins von 0 Prozent - über die gesamte Dauer.

Laut Bloomberg war die Zinsentwicklung am Kreditmarkt der Dänen schon zuvor bemerkenswert. Vor wenigen Tagen habe beispielsweise die Jyske Bank A/S ein Darlehen mit einer Laufzeit von zehn Jahren zum Zins von minus 0,5 Prozent angekündigt. Die Kunden der Bank erhalten also den Kreditbetrag und müssen ihn über die Laufzeit von zehn Jahren nicht einmal vollständig zurückzahlen. Kredite über 30 Jahre gibt es in Dänemark bereits zum Zins von 0,5 Prozent, was angesichts der langen Laufzeit ebenfalls höchst ungewöhnlich ist. Nordea habe auch für diese lange Dauer bereits negative Zinsen in Aussicht gestellt, so Bloomberg.

"Es war nie billiger, sich Geld zu leihen", zitiert die Infoplattform eine Nordea-Analystin. Die Immobilienpreise dürften dadurch nochmals weiter in die Höhe getrieben werden, so ihre Einschätzung.

Davon abgesehen macht die Zinsentwicklung vor allem eins deutlich: Die Finanzinstitute verfügen über extrem viel Liquidität und sie misstrauen offenbar den Finanzmärkten. Statt das Geld anzulegen, verleihen sie es lieber zu den genannten Extremkonditionen. Die Tatsache, dass die ultraniedrigen Zinsen für so lange Zeiträume gewährt werden, zeigt nach Ansicht der zitierten Analystin dabei eins: Die Akteure glauben nicht, dass sich die gegenwärtige Unruhe im globalen Finanzgeschäft bald wieder beruhigen wird.

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