Montag, 30. März 2020

Corona-Hilfe für Unternehmen Immobilienwirtschaft will Betrieben die Miete bis zu drei Monate lang stunden

Ob nun Handwerkern oder Händlern - vielen Kleinunternehmen brechen in der Corona-Krise die Aufträge und Umsätze weg. Etwas Entlastung könnten gestundete Mieten für die Gewerbeimmobilie bringen. Die Immobilienwirtschaft ist zu dieser Hilfe bereit - auch im eigenen Interesse.
Paschen & Companie
Ob nun Handwerkern oder Händlern - vielen Kleinunternehmen brechen in der Corona-Krise die Aufträge und Umsätze weg. Etwas Entlastung könnten gestundete Mieten für die Gewerbeimmobilie bringen. Die Immobilienwirtschaft ist zu dieser Hilfe bereit - auch im eigenen Interesse.

Der Zentrale Immobilien Ausschuss (ZIA) ist bereit, Händlern, Restaurants, Handwerkern und Selbstständigen in der Corona-Krise eine Atempause zu verschaffen. Da staatliche Beihilfen und das Kreditprogramm der KfW erst zeitverzögert greifen, wollen die in dem Spitzenverband organisierten 37.000 deutschen Immobilienunternehmen den Betrieben Mietzahlungen bis zu drei Monate lang stunden.

Viele eigentlich gesunde Kleinunternehmen erlitten wegen der angeordneten Schließungen und den Stornierungen verunsicherter Kunden derzeit einen "historisch einmaligen Einbruch", erklärte ZIA-Präsident Andreas Mattner. Gemeinsam mit dem DIHK und anderen Verbänden bemühe sich die Immobilienwirtschaft nun Mieter und Vermieter an einen Tisch zu bringen und über "eine befristete Anpassung der Mietverträge" zu sprechen. Alle Beteiligten fordern in einer gemeinsamen Lobbyaktion die Bundespolitik auf, das Thema Gewerbemieten bei ihren Unterstützungsbemühungen für die Wirtschaft stärker zu beachten.

Staat bürgt, doch Betriebe sollten für Rückzahlung mehr Zeit haben

Bisher war in den Hilfspaketen vorgesehen, dass der Staat für die gestundete Mietzahlungen bürgt und diese innerhalb von zwei Jahren nachgeholt werden. Eine derart schnelle Rückzahlung belaste die ohnehin geschwächten Betriebe aber zu sehr, entspreche sie doch einer Mieterhöhung um 25 Prozent, verlautet aus dem Verband. Eine Frist von fünf Jahren wäre für die kleinen und mittleren Unternehmen eher zu verkraften. Sie seien ohnehin finanziell meist knapp aufgestellt und hätten ja neben Miete und Personalkosten auch den Unterhalt ihrer geschlossenen Betriebe zu stemmen. Zudem erzeuge die bereits für das Frühjahr georderte Ware hohe Anschaffungs- und Lagerkosten.

Krise der Betriebe schlägt voll auf Immobilienbesitzer durch

Das Entgegenkommen der Vermieter beruht allerdings nicht nur auf Mitgefühl für ihre notleidenden Mieter, sondern auch auf der Angst um ihre eigene Zukunft. Die für kleine und mittelständische Betriebe existenzbedrohende Krise schlägt voll auf die Besitzer von Wirtschaftsimmobilien durch. Insolvente Firmen fallen schlagartig als Gewerbemieter aus. Da die Zahl der Betriebe durch die Corona-Rezession ohnehin sinkt, gibt es weniger Nachfolger. Der Leerstand könnte sich so bei Büros, Lagerhallen, Restaurants oder Ladenflächen schnell erhöhen und das Kreditrating der stark Immobilienunternehmen verschlechtern. Mieten sinken und damit auch die Rentabilität von Investitionen in die sehr konjunktursensiblen Objekte.


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Nach dem tiefen Einbruch in der Finanzkrise waren Wirtschaftsimmobilien in den vergangenen Jahren zu einem immer beliebteren Anlageobjekt geworden. Das Transaktionsvolumen am Investmentmarkt in diesem Bereich war von seinem Tiefststand von zehn Milliarden Euro 2009 auf rund 72 Milliarden Euro im vergangenen Jahr gestiegen. Neben wohlhabenden Einzelpersonen und den Family-Offices der Reichen investieren auch Rentenfonds für Normalbürger häufig in Bürogebäude, Einkaufszentren oder Lagerhallen.

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