Drohender Zahlungsausfall Corestate unterstützt Vorschlag der Anleihegläubiger

Nach langen Diskussionen über verschiedene Rettungskonzepte hat sich der Vorstand des Immobilienfinanzierer einstimmig für eine Variante ausgesprochen: einen Debt-to-Equity-Swap. Das verschafft zumindest ein bisschen Zeit.
Halber Weg zum Himmel: Corestate residiert im Tower 185 (r.) in Frankfurt

Halber Weg zum Himmel: Corestate residiert im Tower 185 (r.) in Frankfurt

Foto: Emily Wabitsch/ picture alliance / dpa

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Nun also doch die Wende. Sechs Tage vor Fälligkeit der 200 Millionen Euro schweren Anleihe hat der Corestate-Vorstand rund um CEO Stavros Efremidis "heute einstimmig beschlossen, den Restrukturierungsvorschlag des Ad-hoc Committee (AHC), einer Gruppe großer Anleihegläubiger zu unterstützen", heißt es in der am Dienstagabend veröffentlichten Nachricht des Unternehmens. Wesentlicher Hintergrund der Entscheidung sei die "Absicherung des Unternehmensfortbestands angesichts der verbleibenden Zeit bis zur Gläubigerversammlung am 28. November 2022" gewesen.

Damit verschafft sich der Immobilienfinanzierer nun vor allem Zeit, denn die Situation um das Unternehmen hatte sich dramatisch zugespitzt. Noch am Freitagabend hatte Corestate erklärt, dass man eine Insolvenzantragspflicht prüfe. Die Sanierungsverhandlungen mit den Anleihegläubigern seien nicht mehr mit der erforderlichen Wahrscheinlichkeit zu einem erfolgreichen Abschluss zu führen, so der Vorstand. Corestate rechne damit, dass die Ende November fällige Wandelschuldverschreibung zur Rückzahlung fällig wird. Für die Investoren stand ein Totalverlust im Raum. Der Aktienkurs brach daraufhin am Montag um mehr als 60 Prozent ein.

"Nun ist eine Rettung dagegen in greifbarer Nähe", erklärte ein Insider dem manager magazin. Bei dem vom Vorstand unterstützen Vorschlag handelt es sich um eines der zwei öffentlichen Sanierungskonzepte. Demnach wollen die Gläubiger auf rund 80 Prozent ihrer Forderungen verzichten. Anders als bei dem lange von den Altaktionären präferierten Vorschlag soll es nun zu einem Debt-to-Equity-Swap kommen. Das ist ein in solchen Fällen übliches Manöver, bei dem die Anleihegläubiger Unternehmensanteile überschrieben bekommen. Konkret: Sie würden nur 100 Millionen Euro ihrer ausstehenden rund 500 Millionen Euro Forderungen aus den zwei ausstehenden Anleihen wiedersehen, dafür aber mit 81,25 Prozent an Corestate beteiligt werden. Zu dem Zweck würden sie neue Anleihen über 25 Millionen Euro zeichnen; das Kapital fließt dem Unternehmen zu.

Verlierer dieses Plans sind auf dem Papier die bisherigen Investoren. Die Anteile der Altaktionäre würden nämlich auf rund 20 Prozent verwässert werden. Die Altaktionäre hatten daher bis zuletzt einen eigenen Vorschlag präsentiert, bei dem die Anleihegläubiger die großen Verlierer gewesen wären.

Nun müssen die Aktionäre über den Rettungsplan abstimmen. Die ursprünglich mal für diesen Dienstag geplante Hauptversammlung wurde auf den 20. Dezember verschoben, "um mit Hilfe eines konkreten erfolgversprechenden Restrukturierungskonzeptes ein breites Aktionärsvotum zu ermöglichen", erklärt Corestate dazu. Das kurzfristige Überleben soll eine Brückenfinanzierung sichern. Die genauen Details müssen noch ausgehandelt werden.

Wie weit das Konzept trägt, scheint ohnehin offen. Das Unternehmen brauche 10 Millionen Euro sofort, heißt es in Finanzkreisen. "Und danach noch sehr viel mehr. Es ist die Frage, ob die 25 Millionen Euro Kapitalspritze dann überhaupt reichen werden."

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