Chinas Immobilienmarkt Ein Börsengang mitten im Niedergang

Chinas Immobilienmarkt taumelt abwärts. Mitten in diese Phase will der Immobilienriese Vanke China seine Dienstleistungssparte an die Börse bringen. Der IPO gilt als Test für die ganze Branche.
Gewagtes Experiment: Der Immobilienkonzern China Vanke will Ende September seine Dienstleistungstochter Onewo an die Börse bringen

Gewagtes Experiment: Der Immobilienkonzern China Vanke will Ende September seine Dienstleistungstochter Onewo an die Börse bringen

Foto: Tomohiro Ohsumi / Bloomberg via Getty Images

Lange galt unter Chinas Bevölkerung die Überzeugung, dass Immobilien ein gutes Investment und die beste Vorsorge für das Alter sind: Etwa 70 Prozent ihres Vermögens  haben die privaten Haushalte direkt oder indirekt in Immobilien investiert, neun von zehn Haushalten besitzen eine Immobilie . Die Immobilienwirtschaft stand jahrelang für bis zu 30 Prozent der Wirtschaftsleistung des Landes.

Doch der einstige Wachstumsmotor erweist sich trotz milliardenschwerer staatlicher Hilfen für die chinesische Wirtschaft mittlerweile als gefährlicher Klotz am Bein. Experten erwarten, dass Chinas Wirtschaft in diesem Jahr nur wenig mehr als 3 Prozent wächst, Peking hatte 5,5 als Ziel ausgegeben.

Immer wieder neue Lockdowns im Zuge des Null-Covid-Regimes rücken das Wachstumsziel in weite Ferne. Fabriken produzieren weniger, die Menschen halten ihr Geld zusammen: Während der Rest der Welt unter hoher Inflation ächzt, kletterte sie in China im August nur noch um 2,5 Prozent, gegenüber dem Vormonat sank sie sogar.

Immobilienverkäufe und Preise in China sinken weiter

Zugleich findet der Immobilienmarkt keinen Boden: Die Immobilienverkäufe im August gingen den 14. Monat infolge zurück . Die Verkäufe der 100 größten Bauträger des Landes rutschten im Vorjahresvergleich um fast ein Drittel auf etwa 75 Milliarden Dollar (519 Milliarden Yuan) ab. Offizielle Daten vom vergangenen Freitag  zeigen zudem, die Preise für neue Häuser sanken im August weiter, in kleineren Städten um bis zu 4 Prozent. Ein Grund mehr für potenzielle Käufer, auf weiter fallende Preise zu setzen, zumal mindestens zwei Millionen bereits verkaufte Immobilien von in Not geratenen Bauträgern noch ihrer Fertigstellung harren.

S&P schätzt laut "Wall Street Journal" , dass dafür etwa 114 Milliarden Dollar (800 Milliarden Yuan) fehlen. Zwar sprach Peking zuletzt Garantien für Anleihen weniger Bauträger aus, was ihre Anleihen und Aktienkurse stützte. Beobachter sehen darin aber allenfalls ein Rückzugsgefecht, welches das Vertrauen in die Branche nicht wiederherstellen könne.

Vanke China musste IPO-Ziele massiv senken

Mitten in diesem Niedergang überrascht nun der börsennotierte Immobilienentwickler China Vanke mit der Ankündigung, seine Immobilien-Servicegesellschaft Onewo am 29. September in Hongkong an die Börse zu bringen. Der Börsengang der ebenfalls in Shenzhen ansässigen Tochter soll rund 790 Millionen Dollar einspielen und wäre damit der größte in diesem Jahr in Hongkong, wie "Asia Financial" , "Bloomberg"  und "Financial Times"  am Montag berichten.

Vanke bietet knapp 117 Millionen Aktien und damit rund 10 Prozent der Papiere in einer Spanne zwischen 47,10 und 52,79 Hongkong-Dollar an. Das Angebot bewertet die Tochter zwischen 7 und 7,8 Milliarden Dollar. Mit 790 Millionen Dollar ist das Emissionsvolumen weit von jenen zwei Milliarden Dollar entfernt, die Vanke ursprünglich anstrebte, mit den Börsenturbulenzen seine Ziele aber drastisch herunterschrauben musste, heißt es.

Onewo erzielte in der Krise sogar Gewinne

Den Angaben zufolge verwaltete Onewo Ende 2021 etwa 785 Millionen Quadratmeter Wohn- und Gewerbefläche und erzielte dabei einen Gewinn von umgerechnet 243 Millionen US-Dollar, ein Plus von 13 Prozent gegenüber 2020. Vanke besitzt etwa 63 Prozent des Unternehmens und war im vergangenen Jahr für etwa 16 Prozent der Einnahmen von Onewo verantwortlich. Mehrere Großinvestoren, darunter Temasek Holdings, die staatseigene Investmentgesellschaft aus Singapur, hätten zugesagt, Anteilsscheine im Wert von umgerechnet 280 Millionen Dollar zu zeichnen.

Vanke selbst ist in Hongkong an der Börse notiert und war laut "Bloomberg" im vergangenen Monat der erste chinesische Immobilienentwickler, der einen Gewinnanstieg vermelden konnte und damit dem breiten Abschwung trotzte. Der Konzern habe wegen seines geringeren Verschuldungsgrades die Krise bislang besser überstanden als mancher Wettbewerber und profitierte wohl auch davon, dass er zum Teil dem Staat gehört, wie "Asia Financial" berichtet.

Nun ist der Immobilien-Dienstleistungsmarkt in China auf das Engste mit der Immobilienwirtschaft verbunden. Deshalb gilt Onewos Börsengang als wichtiger Anhaltspunkt dafür, wie Investoren überhaupt noch die Vermögenswerte von Bauträgern einstufen. Die Perspektiven sind alles andere als rosig: Am Montag haben auch die Experten der UBS ihre Prognose für Chinas Wirtschaftswachstum gesenkt und dies unter anderem mit "einem anhaltenden Immobilienabschwung" begründet.

Der Hang-Seng-Index für Immobiliendienstleistungen ist in diesem Jahr bisher um 44 Prozent gefallen  und lässt im Moment wenig Besserung erkennen.

rei
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