Immobilienmarkt im Brexit-Blues Erste Bank stoppt Kredite für London-Immobilien

Von Arne Gottschalck
Nebel über London: Auch die Zukunft des Immobilienmarkts ist eher wolkenverhangen

Nebel über London: Auch die Zukunft des Immobilienmarkts ist eher wolkenverhangen

Foto: Andy Rain/ picture alliance / dpa

Das Triumphgeheul der "Brexiteers" um Boris Johnson und Nigel Farage ist kaum verhallt, da schlugen die ersten schlechten Nachrichten in London ein. Das Pfund? Im freien Fall. Britische Aktien? Auch im Fall. Die englische Nationalmannschaft? Sowieso. Nun trifft es sogar die Immobilien.

London ist bislang die Finanzhauptstadt Europas. Banken, Hedgefonds, Fondsgesellschaft und deren Dienstleister, sie alle brauchen Büros. Und so wurde in den vergangenen Jahren immer gebaut (wenn auch mit Pausen) und gebaggert, um noch mehr Raum für die britische Wachstumsindustrie zu schaffen. Das war gut für die Finanzhäuser, aber auch für die Eigentümer dieser Bürotürme. Denn die finanzstarken Mieter zahlten hohe Mieten.

Diese Vermieter kommen längst nicht mehr nur aus Großbritannien. 2014 zum Beispiel übernahm der Staatsfond von Qatar gleich das gesamte Viertel Canary Wharf. Und Singapur-Chinesen gehören zu der größten Käufergruppe aus Asien, so die "BBC". 

Entsprechend sind es auch ausländische Banken, die oftmals die Finanzierung dieser Gewerbeimmobilien übernehmen. Nun ruft die erste Großbank laut "Halt."

Die UOB, das Kürzel steht für United Overseas Bank, erklärt, man werde erst einmal keine weiteren Kreditanträge für Londoner Immobilien annehmen. Wie viel Geschäft die Bank bislang in London gemacht hat, geht aus dem Jahresabschluss des Hauses nicht hervor.

Die "BBC" indes schreibt, unter den drei Banken aus Singapur sei UOB das Schwergewicht unter den Darlehensgebern für London. Der Grund für die Skepsis liegt im Brexit.

Signale auf Dunkelorange

"Da die Konsequenzen des Referendums sich erst langsam entfalten und angesichts der Unsicherheiten müssen wir sicherstellen, dass unsere Kunden vorsichtig sind mit ihren Londoner Immobilien-Investments", zitiert "The Guardian"  einen Sprecher der Bank.

Auch bei anderen ausländischen Geldgebern ist man vorsichtig geworden. Die DBS Group Holding aus Singapur sagte, man würde zwar weiter Kredite ausreichen - aber seinen Kunden raten, vorsichtig zu sein.

Kein Wunder. Denn wenn die britische Regierung wirklich auf Volkes Stimme hört und tatsächlich die Europäische Union (EU) verlässt, dürfte eine Reihe Banken die Insel ganz oder in Teilen verlassen. So wie zum Beispiel auch die Bankenaufsicht EBA (European Banking Authority), wie "Fonds Professionell"  berichtet.

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Und je weniger Banker in London arbeiten, umso höher die Leerstandsquote in den Büroimmobilien - und umso niedriger die erzielbare Miete. Immobilien-Deals werden damit weniger lukrativ. Und das ist ein Warnsignal für die finanzierenden Banken, aber auch für die Investoren selbst.

Eine ganze Reihe großvolumiger Immobilien-Deals soll daher nun auf Eis liegen, berichtet "The Guardian". Einfach, weil die Käufer den bereits vereinbarten Kaufpreis, der immer von den künftigen Ertragserwartungen abhängt, nachverhandeln wollen. Der Cannon Place mitten in London zum Beispiel sollte für 465 Millionen Pfund über den Ladentisch gehen, doch die Transaktion wurde gestoppt.

Um 11 Prozent seien die Zahlen jener Käufer im Vergleich zum Vorjahr gestiegen, die die Notbremse ziehen, zitiert "Guardian" das britische Immobilienmaklerhaus Haart.

Die Bremse zu ziehen, ist damit derzeit vermutlich das einzige, was in London Hochkonjunktur hat.