Montag, 19. August 2019

Börsengang Deutsche Annington vor Milliarden-IPO

Will Kasse machen: Deutsche-Annington-Investor und Terra-Firma-Chef Guy Hands (Mitte)

Deutschlands größter privater Wohnungskonzern Deutsche Annington will rasch an die Börse. Eine Erstnotiz noch vor der Sommerflaute ist wahrscheinlich. Langfristig könnte das Unternehmen mit mehr als 180.000 Wohnungen in den Dax aufsteigen - als erster Immobilienkonzern überhaupt.

Bochum - Noch vor der Sommerflaute am Aktienmarkt drängt ein weiteres Schwergewicht an die Frankfurter Börse: Offiziell hat sich das Bochumer Unternehmen mit mehr als 180.000 Wohnungen bisher zwar nur auf das laufende Jahr festgelegt, laut Finanz- und Unternehmenskreisen ist die Erstnotiz jedoch schon für Anfang Juli geplant, bevor sich die großen Investoren in den Urlaub verabschieden.

Deutsche Annington sei reif für die Börse, sagte der neue Vorstandschef Rolf Buch der Nachrichtenagentur Reuters: "Wir haben unsere Hausaufgaben erledigt." Der Börsengang dürfte ein Milliarden-Volumen erreichen: 25 Prozent der Aktien sollen zunächst im Streubesitz sein, zurzeit ist Deutsche Annington 4,25 Milliarden Euro wert.

Langfristig könnte die Aktie Experten zufolge in den Dax Börsen-Chart zeigen aufsteigen - als erster Immobilien-Wert überhaupt. Deutsche Annington wäre nach der LEG der zweite große Börsengang eines deutschen Wohnimmobilienkonzerns in diesem Jahr. Die Düsseldorfer hatten im Januar 1,3 Milliarden Euro eingesammelt. Ende Juni oder Anfang Juli werden auch die Börsengänge des Gabelstapler-Herstellers Kion und des Wissenschaftsverlags Springer Science sowie das Börsendebüt des Siemens -Abspaltung Osram erwartet.

Terra Firma und CPI machen Kasse

Die Finanzinvestoren Terra Firma und CPI Capital Partners (Citigroup ) hatten den Konzern seit 2001 aufgebaut - unter anderem mit 65.000 deutschen Eisenbahner-Wohnungen und den Viterra-Werkswohnungen des Energiekonzerns Eon Börsen-Chart zeigen. Die Finanzinvestoren wollen sich schrittweise zurückziehen. Der ehemalige E.ON-Chef Wulf Bernotat soll Aufsichtsratschef werden, Terra Firma stellt in dem Gremium die Mehrheit der Mitglieder. Der Großteil des Emissionserlöses kommt den Alteigentümern zugute, rund 400 Millionen Euro bleiben Annington selbst zum Schuldenabbau.

Für sie ist der Börsengang auch ein Befreiungsschlag. Mit 5,6 Milliarden Euro ist der Konzern derzeit verschuldet, nach dem Börsengang soll nur noch die Hälfte des Verkehrswertes mit Verbindlichkeiten belastet sein. Das ist die Voraussetzung für die nun in Aussicht gestellte "BBB"-Note der Ratingagentur Standard & Poor's (S&P), mit deren Hilfe die Deutsche Annington künftig Anleihen und Schuldscheine ausgeben will.

Das ist Buch zufolge billiger als die verbrieften Hypotheken-Darlehen (CMBS), die Annington 2006 im Volumen von 5,8 Milliarden Euro aufgenommen hatte. "Ein halber Prozentpunkt ist durchaus drin", sagte der ehemalige Bertelsmann-Manager Buch, der sein Amt erst vor zwei Monaten angetreten hat. Die Refinanzierung der CMBS war zur Zitterpartie geraten: Erst im Dezember war die Laufzeit bis 2018 verlängert worden - doch nun soll die "Grand" -Finanzierung ganz abgelöst werden - spätestens im Oktober.

Verbessertes Klima für Börsengänge

3,2 Milliarden Euro waren Ende April noch übrig. Die US-Investmentbanken J.P. Morgan und Morgan Stanley, die auch den Börsengang federführend begleiten, wollen die Zeit mit einem Kredit über 2,5 Milliarden Euro überbrücken. "Noch vor dem Börsengang sollen alle notwendigen Vorkehrungen zur Umsetzung der Finanzierungsstrategie abgeschlossen sein", erklärte die Deutsche Annington. "Wir sind vom ersten Tag an dividendenfähig", betonte Buch.

Experten sehen gute Chancen, dass der Konzern den Sprung an die Börse schafft. "Die Deutsche Annington folgt einer Reihe von Immobilien-Unternehmen, die in den vergangenen Jahren zum Teil in einem schwierigeren Börsenumfeld erfolgreiche Debüts gezeigt haben", sagt Stefan Jaecker, Chef der Investmentbank DC Advisory. Ihr kämen die niedrigen Zinsen und das Bedürfnis nach Sicherheit zugute. Ein hochrangiger Fondsmanager sagte: "Der Börsengang dürfte gut durchlaufen. Annington ist gut aufgestellt, das Tagesgeschäft solide - und nicht zu vergessen: Hier zählt die Größe. Da kommt ein Tanker an die Börse, der Magnetwirkung hat."

Ende März gehörten der Deutsche Annington mehr als 180.000 Wohnungen. Nur rund 9000 stünden in nächster Zeit zum Verkauf, sagte Buch. Doch auch Zukäufen gegenüber ist er zurückhaltend: "Wir sind als Vorstand aufgerufen, Wachstum ohne Akquisitionen zu generieren" - etwa durch die Reduzierung des mit vier Prozent ohnehin niedrigen Leerstands. Im Vordergrund stehe die rund 800 Millionen Euro teure Sanierung der Wohnungen, um sie sparsamer und altersgerechter zu machen. Dann kann die Annington höhere Mieten verlangen.

mihec/dpa-afx/reuters

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