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New York in der Calatrava-Falle: Eine Haltestelle für vier Milliarden Dollar

Foto: Santiago Calatrava

New York Vier Milliarden Dollar - U-Bahnhof wird teurer als World Trade Center

Kostenexplosion bei öffentlichen Großbauten, das können nicht nur die Deutschen. New York erlebt ein Debakel mit der Bahnstation für das neue World Trade Center - nicht das einzige unter Beteiligung von Stararchitekt Santiago Calatrava.

Hamburg - Der Neubau des World Trade Centers in New York ist eröffnet. Die Angestellten des Verlags Condé Nast ziehen in den Prestigebau am Ort der Anschläge vom 11. September 2001 ein, der symbolträchtig 1776 Fuß (541 Meter) hoch ist und damit als höchster Bau des Kontinents an die amerikanische Unabhängigkeit erinnert.

Zu Füßen des Wolkenkratzers, unter dem Mahnmal von Ground Zero, wird noch gebaut. Voraussichtlich im kommenden Jahr wird der unterirdische Bahnhof "World Trade Center" der zur Hafenbehörde gehörenden Vorortbahn "Path" in Betrieb genommen. Doch dann dürfte die Rechnung noch höher ausfallen als die für den Turm, der 3,9 Milliarden Dollar gekostet haben soll.

Wie die ursprünglich auf zwei Milliarden taxierten Baukosten der Station auf annähernd vier Milliarden steigen konnten, hat die "New York Times" in einem ausführlichen Bericht  dargelegt. Es ist ein Zeugnis der amerikanischen Ohnmacht, ein Versagen, das an misslungene deutsche Großprojekte wie den Berliner Flughafen oder die Hamburger Elbphilharmonie erinnert - und daran, dass das hier versenkte Geld an anderen Stellen der teils maroden US-Infrastruktur fehlt.

"Heute würden wir die Prioritäten anders setzen", zitiert die Zeitung Behördenchef Patrick Foye mit Blick auf die Kostenexplosion. Doch es ist ein Prestigebau, mit der Grandezza des spanischen Stararchitekten Santiago Calatrava, dem inzwischen Architekturkritiker bescheinigen, seine obschon eleganten Entwürfe als globale Massenware  anzubieten - oft ohne Rücksicht auf praktische Aspekte, vor allem aber ohne Rücksicht auf die Kosten. Ein Blog namens "The Full Calatrava"  versucht sich an einem Register der Enttäuschungen auf fünf Kontinenten.

Wenigstens ist New York nicht allein

An Calatravas Entwürfen wie einer säulenlosen Eingangshalle mit einem Dach, das sich wie Vogelflügel öffnen lässt, und dafür nötigen Zigtausenden Tonnen Stahl aus italienischer und spanischer Fertigung allein liegt das Debakel in New York jedoch nicht.

Auch die Interventionen von Politikern trieben die Rechnung. So verlangte der damalige New Yorker Bürgermeister Michael Bloomberg, zum 10. Jahrestag der Anschläge vom 11. September 2001 müsse die Gedenkstätte am Ground Zero fertig sein. Für die darunter liegende Station hieß das: Erst das Dach bauen, dann den Rest.

Zudem musste zum Aufpreis von 355 Millionen Dollar um eine bestehende U-Bahn-Linie herum gebaut werden, deren Betrieb nicht unterbrochen werden durfte - ein Edikt des damaligen Gouverneurs George Pataki, der einen entscheidenden Wahlbezirk mit Anschluss über besagte Linie im Blick hatte.

Beruhigen können sich die New Yorker Verantwortlichen damit, dass sie nicht allein sind. Städte wie Venedig oder sogar Calatravas Heimat Valencia, die einen Park aus Calatrava-Bauten zum Touristenmagnet gemacht hat, verklagen den Star wegen Baumängeln und überzogenen Budgets.

New York in der Calatrava-Falle: Eine Haltestelle für vier Milliarden Dollar

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