148 Millionen Dollar fällig Für Evergrande läuft erneut eine Galgenfrist ab

Der chinesische Immobilienkonzern Evergrande hangelt sich weiter von Zahlungsfrist zu Zahlungsfrist. Am heutigen Mittwoch muss das angeschlagene Unternehmen 148 Millionen Dollar an Investoren überweisen - sonst droht die Pleite.
Evergrande-Baustelle in Peking: Der Konzern steht weiter mit dem Rücken zur Wand

Evergrande-Baustelle in Peking: Der Konzern steht weiter mit dem Rücken zur Wand

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GREG BAKER / AFP

Die Krise rund um den angeschlagenen chinesischen Immobilienkonzern Evergrande rückt zur Wochenmitte an den weltweiten Finanzmärkten erneut mehr in den Fokus. Der Bauträger muss am Mittwoch eine Zinszahlung auf drei Anleihen von 148 Millionen Dollar leisten. Zuletzt soll der Konzern fällige Zahlungen mehr oder weniger in letzter Minute überwiesen haben. Doch weder Evergrande noch Gläubiger haben kolportierte Zahlungen bislang offiziell bestätigt. Derweil beschafft sich die E-Auto-Tochter von Evergrande über eine Kapitalerhöhung frisches Geld.

Mit Schulden von rund 300 Milliarden Dollar gilt Evergrande als eines der weltweit am höchsten verschuldeten Immobilienunternehmen. Experten befürchten im Falle einer Pleite Schockwellen im Bausektor bis hin zu einer globalen Finanzkrise. Allerdings hatte die chinesische Regierung zuletzt Maßnahmen ergriffen, um ein wenig Druck von den zahlreichen hochverschuldeten Immobilienunternehmen zu nehmen.

Die Sorgen um Evergrande haben in den vergangenen Wochen immer wieder zu Turbulenzen an den Weltbörsen geführt. Auch unzählige Chinesen müssen beim Ausfall des Konzerns um ihr Geld fürchten, mit dem sie beispielsweise noch unfertige Immobilienprojekte des Unternehmens bereits angezahlt haben. Aktien von Evergrande sind bereits seit Anfang Oktober vom Handel ausgesetzt.

Kein zweiter Lehman-Moment

Befürchtungen, ein Ausfall Evergrandes könnte - ähnlich wie einst die Pleite der US-Bank Lehman Brothers - die Finanzmärkte über die Grenzen Chinas hinaus in eine Krise stürzen, machten bereits die Runde. Inzwischen gibt es allerdings verschiedene Stimmen, die die Risiken eines solchen Zahlungsausfalls als überschaubarer darstellen.

So meldete sich beispielsweise bereits die chinesische Zentralbank zum Fall Evergrande zu Wort. Sorgen, die Krise bei Evergrande könne womöglich die gesamte Bankenbranche in Mitleidenschaft ziehen, versuchte das Institut zu entkräften. Individuelle Finanzinstitute seien keinem großen Risiko ausgesetzt, sagte der Leiter der Finanzmarkt-Abteilung der People's Bank of China. "Alles in allem ist das Risiko eines Übergreifens auf den Finanzsektor kontrollierbar." Evergrande solle den Verkauf von Vermögenswerten und die Wiederaufnahme von Bauprojekten beschleunigen. Behörden würden bei Projekten finanziell unterstützend eingreifen.

Auch Frankreichs Notenbankchef Francois Villeroy de Galhau (62) versuchte am Dienstag derartigen Sorgen zu begegnen. Die Geschichte sei nicht dabei, sich zu wiederholen, sagte Villeroy de Galhau auf eine entsprechende Frage. "Ich denke, dass Evergrande vor allem ein chinesisches Problem ist", sagte das Ratsmitglied der Europäischen Zentralbank (EZB). "Es wird keine Ansteckung außerhalb Chinas geben." Evergrande sei für chinesische Behörden ein ernstes Problem.

cr/dpa

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