Aktie fällt auf Rekordtief Adler Group prüft laut Verwaltungsratschef auch Zerschlagung

Die Adler Group steht an zahlreichen Fronten unter Druck. Nun gibt Verwaltungsratschef Stefan Kirsten besorgniserregende Zukunftsaussichten. Der Immobilien-Investor ist schon jetzt gezwungen, Wohnungen in Berlin zu verkaufen.
Wasserstadt Mitte ist ein urbanes Stadtquartier in Berlin vom Immobilienriesen Adler

Wasserstadt Mitte ist ein urbanes Stadtquartier in Berlin vom Immobilienriesen Adler

Foto: Stefan Boness / IPON / imago images

Der von hohen Schulden belastete Immobilieninvestor Adler Group prüft derzeit alle strategischen Optionen für das Unternehmen. "Das Spektrum reicht von einer Abwicklung des Unternehmens, also einer Zerschlagung, bis hin zur Positionierung in einer sauberen strategischen Nische. Das ist der aufgespannte Rahmen." Kurz nachdem der Adler-Verwaltungsratschef Stefan Kirsten (61) sich in einem Interview mit der Börsen-Zeitung zur Zukunft des Unternehmens geäußert hatte, rutschten die Papiere massiv ab – auf ein Rekordtief in Höhe von 3,74 Euro. Das Jahresminus der Anteilsscheine des angeschlagenen Immobilienkonzerns beläuft sich damit auf rund 66 Prozent.

Die Finanzaufsicht Bafin prüft schon eine Weile die Bücher von Adler, nachdem im Oktober vom Leerverkäufer Fraser Perring und seinem Researchdienst Viceroy schwere Vorwürfe erhoben worden waren. Mit Blick auf den vom ihm erwarteten Ausgang der Untersuchung blieb Kirsten vage: "Es gibt Punkte, zu denen die Behörde und wir unterschiedliche Ansichten haben. Gerade arbeiten wir wieder an einer Stellungnahme", sagte er. Solange Adler keine Wirtschaftsprüfer hat und die Bafin-Untersuchung läuft, sieht der Verwaltungsratschef nur "limitiertes Erholungspotenzial".

Die Adler Group steht an zahlreichen Fronten unter Druck. Unter anderem hatten die Wirtschaftsprüfer der KPMG dem Unternehmen das Testat für den Jahresabschluss 2021 verweigert, ebenso wie eine weitere Zusammenarbeit. Ohne Testat, hatte Kirsten beklagt, sei die Adler Group von den Bank- und Kapitalmärkten abgeschnitten. Kirsten sucht aktuell einen neuen Wirtschaftsprüfer. Zum Ende des ersten Quartals hatte der Verschuldungsgrad (LTV) der Adler Group bei 52 Prozent gelegen. Die prekäre Lage bei dem Unternehmen droht auch die Luxemburger Immobilienfirma Corestate mit in den Abgrund zu ziehen, wie das manager magazin jüngst berichtet hatte .

Adler verkauft Wohnungen in Berlin

Der Immobilieninvestor sieht sich nun gezwungen, sich von Immobilien in Berlin zu trennen. Die Adler Group habe ein zusammen mit einem Joint-Venture-Partner gehaltenes Portfolio von Wohn- und Gewerbeimmobilien mit rund 1200 Einheiten in Berlin verkauft, teilte das Unternehmen am Donnerstag mit. Das Portfolio sei mit einem Abschlag von rund 2 Prozent zum Buchwert veräußert worden. In die Adler-Kassen flössen dadurch rund 170 Millionen Euro. "Die Transaktion trägt zum erklärten Ziel bei, die Liquiditätsposition im Jahr 2022 und darüber hinaus weiter zu verbessern", erklärte das Management.

sio/AFX, dpa, Reuters
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