Kursrutsch Keine Panik vor der Panik

An der Börse geht die Angst um - der Dax hat seit seinem Hoch mehr als 1000 Punkte verloren. Trotzdem gibt es Gründe, Aktien treu zu bleiben: Geduld und Nervenstärke lohnen sich auch an der Börse.
Von Arne Gottschalck
Börse: Hoch, runter - und wann kommt die Erholung?

Börse: Hoch, runter - und wann kommt die Erholung?

Foto: Ralph Orlowski/ Getty Images

Hamburg - Seit Beginn des Kursrutsches Ende Juli hat der deutschen Leitindex Dax  kräftig an Wert eingebüßt, ist erstmals seit März unter die Marke von 9000 Punkten gerutscht. Viele Anleger mit "schwachen Händen" haben ihr Geld in Sicherheit gebracht.

Doch wie geht es nun weiter? Abwarten und mögliche Einstiegschancen im Blick behalten, lautet der Ratschlag der Profis. Denn die Argumente für Aktien bleiben trotz des Wackelumfeldes intakt. Gerade für Europa.

Es war in gewisser Weise ein Rücksetzer mit Ansage: "Die volkswirtschaftlichen Kennzahlen in Europa waren nicht mehr so stark wie zuvor", sagt Thomas Lange, Geschäftsführer der Vermögensverwaltung Lange Assets. Investoren sollten sich nicht zu sehr auf das "Weiter so!" der Zentralbanken verlassen, schrieb das Fondshaus Meriten im Juli.

Nun hat die Gewalt in Gaza und die Angst vor einer weiteren Eskalation in der Ukraine für einen Stimmungswechsel gesorgt: Nach Monaten steigender Kurse und geringer Volatilität sind nun die Nervosität und der Verkaufsdruck stark gestiegen. Argumente, Aktien gerade wegen der jüngsten Kursschwäche auf dem Radar zu behalten, dringen kaum noch durch.

Dividendentitel werden günstiger

Vor allem die Bedeutung von Dividenden spricht weiterhin für Aktien - vor allem dann, wenn beliebte Dividendenwerte wie BASF oder Bayer in den vergangenen Wochen deutlich günstiger geworden sind.

In den USA dagegen dürften es Dividendenwerte künftig schwerer haben: "Aufgrund der anziehenden Inflationsraten in Amerika sehen wir dort die Gefahr eines Zinsanstieges, der in der Regel negativ für die Entwicklung dividendenstarker Titel ist. Denn es wird teurer, Dividendenzahlungen über Kredite zu finanzieren", sagt Thomas Lange. Doch in Europa sehe das ganz anders aus, "da wir wegen der wirtschaftlichen Entwicklung Europas nicht von steigenden Zinsen ausgehen."

Der aktuelle Rücksetzer biete eine Chance, dividendenstarke Werte wie Aurubis, VTG oder BASF günstiger einzusammeln, meint der Fondsmanager. Immerhin liegt an der Börse der Gewinn im Einkauf. Erfolgreiche Investoren wie Warren Buffett wissen das genau.

Kaufen also bei Dax 9000? Oder bei 8500? Den idealen Kaufzeitpunkt wird kaum jemand erwischen. So richtig klappt das präzise Timing nie, räumt auch Lange ein. Timing ist an der Börse ein vielzitiertes Wort, doch niemandem gelingt es tatsächlich, Aktien präzise am Tiefpunkt ihres Kurses zu kaufen und zum Höchstkurs loszuschlagen, wie zahlreiche Studien zum "Market Timing" belegen.

Tiefenentspannung ist verflogen - Italien zurück in der Rezession

Was außerdem für Aktien mit einer attraktiven und stabilen Dividendenrendite spricht: Vor allem die Zinsen dürften in Europa auf Sicht niedrig bleiben. Dafür sorgen unter anderem die jüngsten Meldungen aus Frankreich und Italien. Italien ist zum Beispiel wieder in die Rezession zurückgefallen. Es wird damit immer deutlicher, dass beide Länder mehr Anschubhilfe benötigen, um sich aus dem wirtschaftlichen Treibsand der vergangenen Jahrzehnte zu befreien.

Niedrige Leitzinsen sind eines der Hilfsmittel dazu. Auch ansonsten kommt aus der Europäische Union kein Signal, dass zu übergroßen Optimismus Anlass gibt und die EZB von der Politik des billigen Geldes abbringen könnte.

"Vorbei scheint die Tiefenentspannung der Marktteilnehmer, die von Sorglosigkeit zeugte", schreibt Allianz Global Investors. "Kurse und Bewertungen werden durch konjunkturelle und geopolitische Situationen überlagert", erklärt Jürgen Heinz vom Investmenthaus Meriten Investment Management.

Es ist Sache des Anlegers, was er aus der aktuell nervösen Situation macht. Von Panik will noch niemand sprechen. "Ende Juli agierten Anleger vorsichtiger, aber nicht überstürzt", vermeldet die Comdirect Bank. "Einen Ausverkauf von Dax-Aktien beobachten wir bisher nicht."

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