Kursrutsch an der Börse "Die Ruhe bei Dax und Co ist dahin"

Anleger bringen Geld in Sicherheit: Trotz der Bankenrettung in Portugal schließt der Dax auf dem tiefsten Stand seit knapp vier Monaten. Seit dem Rekordhoch hat der Index 8 Prozent verloren. Auch an der Wall Street ist die Nervosität hoch.
Börse in Frankfurt: Der Dax ist angeschlagen

Börse in Frankfurt: Der Dax ist angeschlagen

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Frank Rumpenhorst/ dpa

New York / Frankfurt am Main - Erst vor gut sechs Wochen hatte der Dax sein Rekordhoch von zwischenzeitlich 10.051 Punkten erreicht. Nun aber geht es abwärts für das wichtigste deutsche Börsenbarometer: Politische Krisen wie die Verschärfung der Sanktionen gegen Russland und die Sorge, die US-Zinsen könnten schon bald angehoben werden, drückten den Dax bereits in der vergangenen Woche um 4,5 Prozent ins Minus. Der erste Handelstag der neuen Woche knüpfte nahtlos an - mit einem weiteren Minus von 0,6 Prozent schloss der Dax  am Montag bei 9154 Punkten.

"Der Trend hat gedreht und der Markt ist derzeit nicht in der Lage, positive Impulse wie am Morgen aus Asien aufzunehmen", sagte ein Händler. Zum Handelsauftakt hatte noch die Rettung der angeschlagenen portugiesischen Großbank Banco Espirito Santo (BES) den Dax etwas gestützt.

"Wer Begründungen sucht, kann sie in der Aktienbewertung, der Saisonalität, der Lage in der Ukraine, der Staatspleite Argentiniens oder der Notenbankpolitik finden - oder aber schlicht darin, dass eine Korrektur überfällig war", sagte etwa Daniel Saurenz von Feingold Research. "Die Ruhe bei Dax und Co. ist dahin."

In diesem Umfeld legen in der gerade begonnenen Börsenwoche viele Schwergewichte aus dem Dax Zahlen vor - darunter BMW  , die Deutsche Post, Deutsche Telekom  sowie die Commerzbank .

US-Börsen knapp im Minus

Auch die insgesamt wenig veränderten US-Börsen hätten keine Unterstützung geliefert. Der Dow Jones  notierte beim Xetra-Schluss in Deutschland ebenfalls knapp im Minus.

Berkshire Hathaway , die Beteiligungsgesellschaft des legendären Investors Warren Buffet, hatte am vergangenen Freitag nach Börsenschluss Zahlen vorgelegt. Demnach war der Überschuss im zweiten Quartal dank lukrativer Beteiligungen um 41 Prozent auf die Rekordsumme von 6,4 Milliarden Dollar geklettert. Dabei übertraf das Unternehmen die Erwartungen der Analysten.

An der Wall Street stehen außerdem die Titel von Microsoft (Kurswerte anzeigen)und Apple im Blickpunkt. Der Windows-Hersteller hat den inzwischen abgeflauten Patentstreit in der Mobilfunk-Branche mit einer Klage gegen den Smartphone-Marktführer Samsung erneut angeheizt.

Chemiewerte stark unter Druck

Im Chemiesektor gab es europaweit die größten Verluste. Die Papiere von Lanxess büßten am Dax-Ende 2,3 Prozent ein, BASF  verloren 1,7 Prozent.

Den Aktien der Commerzbank gelang hingegen ein Plus von 0,66 Prozent. Händler sahen das Institut als Nutznießer eines "Spiegel"-Interviews mit dem Chef der Finanzholding RHJ Leonard Fischer. Dieser rechnet mit Übernahme-Attacken auf deutsche Banken. Zudem glauben Analysten, dass der am Donnerstag anstehende Quartalsbericht einen anhaltenden Aufwärtstrend belegen dürfte.

Autosektor gefragt

Im insgesamt starken Autosektor legten BMW  und Daimler  um 0,89 beziehungsweise 0,53 Prozent zu. Börsianer verwiesen auf Nachwirkungen guter US-Verkaufszahlen sowie ein kräftiges Anziehen des deutschen Automarktes im Juli. Die Vorzüge von Volkswagen (VW) verbilligten sich jedoch um 0,14 Prozent. Die Wolfsburger fahren in den USA weiter der Konkurrenz aus München und Stuttgart hinterher.

Hugo Boss: Wann steigt Permira aus?

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Im MDax  sanken die Titel von Hugo Boss im Zuge der Spekulationen über einen Ausstieg von Permira um 1,51 Prozent. Dass der Finanzinvestor einen entsprechenden Bericht der Finanznachrichtenagentur Bloomberg inzwischen dementierte, half den Aktien des Modekonzerns nicht. Die Rheinmetall -Aktien verloren nach dem endgültigen Aus für ein Rüstungsgeschäft mit Russland 0,84 Prozent.

Die Rheinmetall-Aktien verloren nach dem endgültigen Aus für ein Rüstungsgeschäft mit Russland marktkonforme 0,52 Prozent. Die Bundesregierung bestätigte einen Bericht der "Süddeutschen Zeitung" über die widerrufene Genehmigung für den Bau eines Gefechtsübungszentrums mit einem Wert von 100 Millionen Euro. Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel hatte das Geschäft wegen der Ukraine-Krise schon im März vorläufig gestoppt.

Am deutschen Rentenmarkt sank die Umlaufrendite börsennotierter Bundeswertpapiere von 0,98 Prozent am Vortag auf 0,95 Prozent. Der Rentenindex Rex stieg um 0,09 Prozent auf 136,91 Punkte. Der Bund-Future trat bei minus 0,01 Prozent auf 148,46 Punkten quasi auf der Stelle. Der Kurs des Euro stieg. Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs auf 1,3422 (Freitag: 1,3395) Dollar fest. Der Dollar kostete damit 0,7451 (0,7466) Euro.