Dienstag, 26. Mai 2020

Pimco-Chef Bill Gross Das größte Risiko der Allianz

Allianz-Patient Pimco: Bill Gross - Genie und Wahnsinn
REUTERS

Mit knapp 2 Billionen Dollar verwaltetem Vermögen ist Pimco das Rückgrat der Allianz-Vermögensverwaltung. Doch innerhalb weniger Monate ist Pimco-Chef Bill Gross vom Überinvestor zum Großrisiko mutiert.

Michael Diekmann (59) ist kein Vielflieger aus Passion, schon gar nicht auf der Langstrecke. Allerdings bleibt dem Allianz-Chef keine andere Wahl, als ins Flugzeug zu steigen, wenn er mit seinem bestbezahlten Angestellten (rund 200 Millionen Dollar jährlich) ein Gespräch unter vier Augen führten will. Investmentsuperstar Bill Gross, Mitgründer und Chief Investment Officer der Fondsgesellschaft Pimco und seit eineinhalb Jahrzehnten Teil des Allianz-Reichs, fliegt nun einmal nicht, da macht er auch für Diekmann keine Ausnahme.

Anlass zum Reden gab es in den vergangenen Monaten genug. Pimco, lange der Starperformer des Konzerns, steckt in schweren Turbulenzen. In dicken Tranchen ziehen die Kunden ihr Kapital ab. Vor allem der von Gross selbst gemanagte Pimco Total Return Fund ist angeschlagen. Rund 66 Milliarden Dollar sind seit Mai 2013 abgeflossen, allein im April (5,5 Milliarden) und Mai (4,3 Milliarden) waren es knapp 10 Milliarden US-Dollar.

Und Diekmann? Wirkt hilflos. Jetzt rächt es sich, dass die Münchener wegen der hohen Renditen (knapp ein Drittel des operativen Ergebnisses hängt an den Amerikanern) auf Mitsprache in Newport Beach weitgehend verzichtet haben.

Über all die Jahre blieb Pimco stets ein auf seine Unabhängigkeit bedachter Konzern im Konzern. Erst jetzt, seit Gross die Anleihemärkte nicht mehr wie gewohnt dominiert, zeigen sich die Schattenseiten der bis dahin so lukrativen Zweckbeziehung.

Kronprinz El-Erian warf hin - Bond King Gross agiert immer launischer

Seine spektakulären Wetten auf den Aufstieg oder Fall ganzer Volkswirtschaften, mit denen der Bond King das Geld der Anleger sturzfallartig generierte, gehen nicht mehr auf. Und Gross agiert zunehmend launischer und unberechenbarer. Vier seiner wichtigsten Adjutanten aus dem Investment Committee verlor er in den vergangenen Jahren, zwei weitere verabschiedeten sich Anfang des Jahres. Mit seinem von der Allianz designierten Nachfolger Mohamed El-Erian (55) geriet er derart heftig aneinander, dass der Ende Januar entnervt hinwarf.

Für Diekmann war der Abgang des hoch angesehenen El-Erian so etwas wie der perfekte Sturm. Der Nimbus beschädigt, der Kronprinz fahnenflüchtig und die Nachfolge für den unsteuerbaren, inzwischen 70 Jahre alten Gross völlig ungeklärt. Trotz Rekordergebnissen im Versicherungsgeschäft handeln die großen Fondsgesellschaften die Allianz-Aktie inzwischen mit einem Pimco-Malus.

Hinzu kommt, dass die Turbulenzen für die Allianz Börsen-Chart zeigen zum denkbar ungünstigsten Zeitpunkt heraufziehen. Der Konzern steht selbst vor einem Führungswechsel. Diekmanns Vertrag läuft Ende 2014 aus. Mehr als zwei Jahre wird er nicht dranhängen, spätestens dann ist auch für ihn Schluss.

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