Internetriese Webportal Unister vor der Aufspaltung

Binnen zehn Jahren wurde aus dem Leipziger Startup Unister eine Internetriese mit Portalen wie fluege.de, geld.de oder ab-in-den-urlaub.de. Nun aber steckt die einstige Vorzeigefirma in Schwierigkeiten - und soll nach Informationen von manager magazin online aufgespalten werden.
Von Heinz-Roger Dohms
Ab dafür: Unister leistet sich für seine Urlaubsmarken wie "fluege.de" neben Michael Ballack auch den Fußballmanager Rainer Calmund als Werbeträger

Ab dafür: Unister leistet sich für seine Urlaubsmarken wie "fluege.de" neben Michael Ballack auch den Fußballmanager Rainer Calmund als Werbeträger

Foto: fluege.de

Leipzig - Das deutsche Internet-Imperium Unister steht vor der Aufspaltung. Nach Informationen von manager magazin online wurde eine Investmentbank bereits im vergangenen Jahr mit der Steuerung dieses Prozesses mandatiert. Zudem ist die Beraterfirma KPMG dabei, das Zahlengeflecht der Firma zu durchforsten.

Wie weit die Pläne fortgeschritten sind, zeigen zwei in den vergangenen Tagen veröffentlichte Stellenanzeigen. Darin werden zwei "Geschäftsführer/CEO" für die "neu zu gründenden Gesellschaften" Unister Comparison und Unister Ventures gesucht. In einer der beiden Anzeigen heißt es ganz unumwunden, zu den Aufgaben des neuen Chefs gehöre "die Vorbereitung und Durchführung von Finanzierungsrunden". Die Bewerber müssten daher "Erfahrung im Umgang mit Investoren (Investment Banking oder Private Equity)" mitbringen.

"Das zeigt, dass Unister neue Gesellschafter sucht, um Liquidität zu erhalten", sagte ein Insider. Auf die Frage, ob Unister neue Eigenkapitalinvestoren suche, antwortete ein Firmensprecher: "Als wachstumsorientiertes Unternehmen kommen seit Jahren von Zeit zu Zeit an Partnerschaften Interessierte auf uns zu. Selbstverständlich nimmt Unister diese Gesprächsfäden auf."

Hinweise, nach denen die Aufspaltung auf Druck der kreditgebenden Banken erfolgt, wurden von Unister dementiert. Seit dem vorigen Herbst sei der Konzern "so finanziert, dass er unabhängig von Banken agieren kann. Das Unternehmen ist derzeit abschließend dabei, für sich eine dem neuen Unternehmensaufbau entsprechende neue Geschäftsbankenstruktur aufzusetzen." Von einer Zerlegung des Unternehmens könne keine Rede sein. Es gehe um eine neue Struktur.

Das einstige Vorzeige-Startup war 2002 vom Leipziger Studenten Thomas Wagner gegründet worden, der noch heute der größte Gesellschafter ist. In den Jahren darauf entstand in Sachsen das - abgesehen vom Firmenreich der Samwer-Bruder - größte deutsche Online-Imperium. Heute gehören zu Unister rund 60 nationale und internationale Websites. Umsatztreiber sind die Vermittlung von Flügen und Pauschalreisen. Nach Firmenangaben nutzen jeden Monat rund zehn Millionen Menschen die Unister-Angebote.

Anleihe von Unister-Tochter travel24.com unter Druck

Anzeichen für finanzielle Schwierigkeiten finden sich einige bei Unister. So wies die Firma 2010 und 2011 Bilanzverluste von 3,6 Millionen respektive 2,5 Millionen Euro aus. Die Verbindlichkeiten summierten sich per Ende 2011 auf mehr als 70 Millionen Euro, darunter allein Bankschulden von knapp 20 Millionen Euro. Aktuellere Zahlen gibt es nicht, weil Unister mit Veröffentlichungen extrem sparsam umgeht.

So findet sich weder auf der Homepage noch im Bundesanzeiger ein Konzernabschluss für 2012. Dem Sprecher zufolge hat Unister zuletzt "Bankverbindlichkeiten abgebaut und wird dies weiter tun".

Dafür begab die Unister-Tochter travel24.com im September 2012 eine 25 Millionen Euro schwere Unternehmensanleihe - wenige Monate später wurde das Bankhaus Metzler, das zwischenzeitlich bei travel24 eingestiegen war, von Unister herausgekauft.

Die Anleihe, begeben zu einem Kurs von rund 100, notiert nach einem zuletzt krassen Wertverfall inzwischen nur noch bei 68. Viele Anleger bezweifeln also, das die Unister-Tochter in der Lage sein wird, die Anleihe bei Fälligkeit 2017 abzulösen.

Anklage gegen Firmengründer

Abgesehen von möglichen finanziellen Problemen hat Unister auch an anderen Fronten zu kämpfen. So erhob die sächsische Generalstaatsanwaltschaft vor knapp zwei Wochen Anklage gegen Gründer Thomas Wagner und vier weitere leitende Manager des Unternehmens. Ihnen wird der unerlaubte Vertrieb von Versicherungsprodukten, Steuerhinterziehung und strafbare Werbung vorgeworfen. Zwischenzeitlich hatten Wagner und zwei weitere Manager sogar in U-Haft gesessen, wurden aber später gegen Kaution entlassen.

Der Vorwurf unsauberer Geschäftspraktiken verfolgt Unister seit langem - ebenso wie der Verdacht, das kräftige Wachstum der vergangenen Jahre teuer erkauft zu haben, vor allem mit hohem Werbeaufwand.

So leisten sich die Leipziger zum Beispiel den früheren Nationalmannschaftskapitän Michael Ballack und den Fußballmanager Rainer Calmund als Testimonials. Ein anderes Beispiel: Um auf den Skiern der deutschen Skispringer werben zu dürfen, kaufte Unister vor Jahren sogar einen Skihersteller auf.

Reisebereich mit etablierten Marken interessant für Investoren

Allerdings, die Omnipräsenz der Unister-Portale in Fernseh- und Printwerbung scheint zuletzt merklich abgenommen zu haben. Darauf deuten auch Mediadaten von Nielsen hin, die für 2013 einen deutlichen Rückgang des Werbeaufwands im Vergleich zu 2012 dokumentieren. Dies könnte ein Indiz sein, dass die Sachsen ihre Zahlen für mögliche Interessenten aufhübschen wollen.

Der Unister-Sprecher dagegen betonte, dass das Unternehmen "neue Schwerpunkte im Online-Bereich gesetzt und das Gesamtwerbebudget erhöht" habe. Dabei sei es "unter anderem natürlich auch zu Umschichtungen im Mediamix" gekommen.

Attraktiv für potenzielle Investoren ist vor allem der Reisebereich mit den etablierten und wohl auch profitablen Marken fluege.de, ab-in-den-urlaub.de, reisen.de und travel24.com. Als umsatzstark gilt auch der Finanzbereich mit Portalen wie geld.de, kredit.de oder preisvergleich.de - diese sollen in die neue Gesellschaft Unister Comparison eingebracht werden. Ob die Finanzportale Geld verdienen, ist gleichwohl zweifelhaft; viele Nutzer werden teuer über Google-Werbung eingekauft.

Ein weiterer Bereich firmiert in der Stellenausschreibung unter dem Namen "Unister Ventures". Unter dem Dach dieser Gesellschaft sollen so unterschiedliche Portale wie news.de oder auto.de Platz finden - also offenbar jene Geschäftsfelder, die mit den Kernsparten Reise und Finanzen nichts zu tun, ansonsten aber wenig gemeinsam haben.

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