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Sylt, Tirol, Mallorca: Wo die Deutschen Ferienhäuser kaufen

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Trotz Niedrigzinsen Ferienhaus-Boom kühlt ab

Rekordtiefe Zinsen haben die Deutschen in einen Immobilienrausch versetzt, der auch den Markt für Ferienhäuser erfasst hat. Urlaubsorte wie Sylt, Rügen oder das Allgäu sind begehrt. Doch der Zenit könnte bereits überschritten sein.
Von Martin Hintze

Hamburg - Der Boom im millionenschweren Markt für Ferienhäuser hat seinen Höhepunkt vorerst überschritten. Die Nachfrage der Deutschen nach Ferienimmobilien war im vergangenen Jahr zum zweiten Mal in Folge leicht rückläufig. Das zeigt eine Umfrage des Maklerunternehmens Engel & Völkers und der Vermittlungsplattform Home Away unter knapp 2700 Eigentümern von Ferienimmobilien, die manager magazin online exklusiv vorliegt.

Demnach haben 9 Prozent der Befragten ihren Zweitwohnsitz im Jahr 2010 gekauft. 2011 waren es 8,7 Prozent und im vergangenen Jahr noch 7,6 Prozent. "Während der Wirtschaftskrise von 2008 bis 2010 verzeichnete der Markt für Ferienimmobilien einen deutlichen Nachfrageanstieg, auch dank niedriger Zinsen und einem wachsenden Angebot", sagt Tobias Wann, Europa-Chef bei Home Away. Inzwischen habe sich die Nachfrage auf hohem Niveau eingependelt. Laut der Studie ist sie heute drei Mal so hoch wie noch vor zehn Jahren und fast doppelt so hoch wie vor fünf Jahren. "Doch inzwischen ist auch wieder etwas Vertrauen in andere Kapitalanlageformen zurückgekehrt, sodass Investoren etwas breiter streuen", erläutert Wann.

Das Häuschen an der See oder in den Bergen gilt nicht nur als Urlaubsort, sondern immer stärker auch als Kapitalanlage. Sechs von zehn Ferienhausbesitzer gaben an, die Immobilie sowohl für eigene Urlaube als auch zur Vermietung nutzen zu wollen. Primär zur Vermietung haben es rund ein Viertel aller Befragten erworben. Als Baustein für die Altersvorsorge sehen es knapp 44 Prozent, etwa ein Fünftel will das Ferienhaus als Wohnsitz im Alter nutzen.

Beim Kauf setzen die Deutschen gern auf vertrautes Terrain. Die Hälfte der Befragten kannte die Region, in der sich das später gekaufte Objekt befindet. Rund 38 Prozent hatten zuvor sogar mehr als zehn Mal dort ihren Urlaub verbracht. Kurze Wege zum Zweitwohnsitz sind den Käufern extrem wichtig. Knapp die Hälfte der Eigentümer kaufte ihr Objekt in einem Umkreis von 100 Kilometern. Im Radius von 500 Kilometern sind es mehr als zwei Drittel der Befragten.

Top Standorte an Ost- und Nordsee

Konsequenterweise befinden sich die beliebtesten Regionen deutscher Ferienhauskäufer innerhalb der Bundesrepublik. Zu den Top-Standorten gehören die Ost- und die Nordsee, der Schwarzwald, das Allgäu, aber auch Berlin. Mehr als die Hälfte der Zweitwohnsitze liegen in Deutschland - Tendenz steigend. Außerhalb der Landesgrenzen sind Mallorca, Tirol und Florida beliebt.

Im Durchschnitt der vergangenen drei Jahre (2010 bis 2013) investierten die Deutschen rund 199.000 Euro in ihre Ferienimmobilie. Im Vergleich zur letzten Studie (Zeitraum 2009 bis 2012) sind die Kaufpreise damit um 6,5 Prozent gestiegen. Objekte in Deutschland waren mit durchschnittlich 180.000 Euro günstiger als Immobilien im Ausland. Am teuersten sind Häuser an der Côte d'Azur mit durchschnittlich 220.000 Euro.

Bei der Finanzierung fällt auf, dass rund ein Drittel der Befragten das Ferienhaus komplett aus eigener Tasche finanziert hat - trotz der rekordniedrigen Zinsen für Immobiliendarlehen. Knapp 44 Prozent nutzten eine Mischung aus Eigen- und Fremdkapital. Rund 15 Prozent kauften das Objekt voll auf Pump, seit 2011 hat sich der Anteil der 100-Prozent-Finanzierung laut der Studie deutlich erhöht. Ein Viertel der Käufer baut in Eigenregie.

Die Rechnung der Käufer scheint aufzugehen: Bei mehr als zwei Drittel der Befragten ist der Wert der Immobilie gestiegen, 15 Prozent der Objekte unterlagen einem Wertverlust. Die Einnahmen aus der Vermietung liegen im Durchschnitt bei 14.000 Euro pro Jahr, variieren jedoch stark nach Lage und Ausstattung. Die Auslastung liegt im Schnitt bei 22 Wochen pro Jahr. Damit liegt die Rendite an deutschen Küstenregionen zwischen beachtlichen 6 und 7 Prozent.

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