Montag, 22. Juli 2019

Vermietung an Touristen Der Traum der Städter vom schnellen Geld

Risiko Ferienimmobilie: Was Neuvermieter beachten müssen
Corbis

Metropolen wie Berlin, Hamburg oder München locken Scharen von Touristen - und dank der Portale wie Airbnb oder 9flats lassen sich Wohnungen scheinbar leicht in renditeträchtige Kurzfrist-Apartments verwandeln. Doch wer sich als Hobby-Hotelier versucht, geht Risiken ein: Vielerorts ist die Vermietung illegal.

Hamburg - "Du tötest mein Viertel, also nimm dein Souvenir, verpiss dich!". Diese Hasstirade stammt aus dem Song "Anti-Tourista" von Rapper PTK aus Berlin-Kreuzberg. Hinter den radikalen Worten steht Wut und Angst. Wut auf die Heerscharen von Touristen, die Berlins angesagte Viertel in Beschlag nehmen. Viele Hauptstädter sind genervt von den Touristen-Fluten, von vollgemüllten Hausfluren und vom Lärm rund um die Uhr.

Hinzu kommt Angst um die eigene Bleibe. Die Bewohner fürchten eine neue Stufe der Gentrifizierung, die zu noch schneller steigenden Mieten führt und letztlich die alteingesessenen Bewohner aus dem Viertel vertreibt. Bei Mietervereinen und Bezirksämtern stapeln sich die Beschwerden.

"Bei übermäßiger Ruhestörung dürfen Hausbewohner die Miete mindern", sagt Malte Rossbach, Anwalt für Mietrecht in Hamburg. Das hat der Bundesgerichtshof bereits im Februar 2012 entschieden. Für die Schäden durch Vandalismus haftet der Eigentümer. "Zwar kann man durch den Mietvertrag einiges an die Mieter abwälzen. Im Zweifel ist aber immer der Vermieter dran", sagt Gerold Happ, Rechtsexperte beim Immobilienverband Haus & Grund.

Im Handumdrehen zum Hobby-Hotelier

Solche Probleme sind Hobby-Vermieter Dennis Meyer* fremd. "Ich habe nur gute Erfahrungen mit Gästen gemacht. Die Nachbarn haben sich noch nie beschwert." Mit wenigen Klicks ist Meyer vom Mieter einer Wohnung irgendwo im Herzen Hamburgs zum Hobby-Hotelier aufgestiegen. Zwei Mal im Monat überlässt der Architekt im Schnitt seine vier Wände wildfremden Menschen. "Wenn ich mal unterwegs bin oder bei meiner Freundin schlafe", erzählt Meyer. Etwa 70 Euro kostet die Nacht bei ihm, Party-Tipps vom Stadtkenner inklusive. Er habe Spaß daran, neue Kontakte zu knüpfen. "Und die 200 Euro im Monat sind ein schöner Bonus".

Die Sache läuft so gut, dass viele seiner Freunde längst in das Geschäft mit den Kurzvermietungen eingestiegen sind. Das Angebot explodiert. Vom "Zimmer in St. Pauli inklusive Fahrrad" bis zum "Luxusapartment mit Dachterrasse" reicht die Auswahl. Über 1000 Offerten spuckt allein Airbnb - ein millionenschweres US-Startup aus Kalifornien, das auch vom Springer-Verlag finanziert wird - für die Hansestadt aus.

Teilen ist schick. Was mit dem Auto durch Carsharing Alltag ist, geht dank Vermittlungsportalen wie Airbnb, 9flats oder Wimdu im Handumdrehen. "Collaborative Consumption", der gemeinschaftliche Konsum, erobert auch deutsche Wohnzimmer. Und zwar in einem atemberaubenden Tempo. Allein Airbnb ist im vergangenen Jahr bundesweit um mehr als 400 Prozent gewachsen. Angesagt sind Berlin, München, Hamburg und Köln.

*Name von der Redaktion geändert

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