Anleger zittern Pleitewelle im S&K-Skandal rollt weiter

Im S&K-Anlageskandal geht das Firmensterben weiter. Diesmal trifft es die Asset Trust AG sowie die Deutsche Sachwert Emissionshaus AG, die im S&K-Reich als wichtige Geldbeschaffer fungierten. Deren Anleger könnten nun doppelt verlieren.
Variabel in die Pleite: Ausriss aus einem Flyer der Deutsche Sachwert Emissionshaus AG

Variabel in die Pleite: Ausriss aus einem Flyer der Deutsche Sachwert Emissionshaus AG

Hamburg - Neue Hiobsbotschaft für Anleger, die vom vermuteten Betrugsfall S&K betroffen sind: In Regensburg befinden sich nun auch die Asset Trust AG sowie die Deutsche Sachwert Emissionshaus AG im vorläufigen Insolvenzverfahren. Das bestätigte das Amtsgericht Regensburg gegenüber manager magazin online (Az. 2 IN 196/13 und 2 IN 197/13). Zum vorläufigen Insolvenzverwalter wurde Rechtsanwalt Jochen Zaremba von der Kanzlei Schwartz Rechtsanwälte bestimmt. Sowohl Zaremba als auch die beiden Gesellschaften waren für eine Stellungnahme zunächst nicht erreichbar. Die Websites beider Firmen sind abgeschaltet.

Damit erhöht sich die Zahl der Unternehmen, die im Zusammenhang mit dem Fall S&K in die Insolvenz gehen mussten, auf bislang mindestens 15 (siehe Kasten links). Zuletzt traf dieses Schicksal die Hamburger United Investors Gruppe, über deren Fonds Geld in die S&K-Geschäfte geschleust wurde.

Als wichtige Geldbeschaffer für S&K agierten auch die aktuell betroffenen Unternehmen. Unter dem Label "Vario Trust" betrieb die Asset Trust AG das Geschäft mit Lebensversicherungs- und Bausparverträgen. Das Prinzip: Anleger übergaben dem Unternehmen laufende Verträge, die dann gekündigt wurden. Der Erlös aus der Stornierung wurde in die S&K-Geschäfte investiert - mit hohen Renditeversprechen für die Anleger.

Bis zu 7 Prozent Zinsen

Die gab es auch von der Deutsche Sachwert Emissionshaus AG. In einer Broschüre des Unternehmens, die manager magazin online vorliegt, werden Anlegern verschiedene Beteiligungsvarianten offeriert. Die Mindestanlagesummen reichen von 1000 Euro bis hin zu 500.000 Euro. Zinssätze von bis zu 7 Prozent stellte das Unternehmen in Aussicht.

Die dürften die Anleger nun allerdings kaum noch erhalten. Die Verantwortlichen des S&K-Unternehmenskonglomerats werden verdächtigt, im Zentrum eines umfangreichen bandenmäßigen Betrugs zu stehen. Bei einer bundesweiten Razzia Ende Februar wurden sechs Hauptverdächtige verhaftet. Zwei weitere Personen kamen wenige Tage später in Haft - darunter nach Informationen von manager magazin online auch der seinerzeitige Chef der Deutsche Sachwert Emissionshaus AG.

Der Umfang des Schadens, der durch den Anlagebetrug entstanden sein soll, ist nach wie vor nicht vollständig bekannt. Die Staatsanwaltschaft Frankfurt gewährt nach Informationen von manager magazin online derzeit weder Anwälten betroffener Anleger noch den Vertretern der Beschuldigten Einblick in die Akten. Öffentlich spricht die Behörde von einem Schaden in dreistelliger Millionenhöhe. Nach Informationen von manager magazin online sollen nach Auffassung der Staatsanwaltschaft alleine über die Fonds des Hamburger Emissionshauses United Investors rund 106 Millionen Euro Anlegergelder an S&K geflossen sein sollen.

Tückischer Nachrang

Hinzu kommen Gelder in öffentlich nicht bekannter Höhe, die Anleger über die Asset Trust AG sowie die Deutsche Sachwert Emissionshaus AG investiert haben. Zudem betrieb S&K das Geschäft mit Lebensversicherungsverträgen bis vor wenigen Jahren noch über mindestens drei weitere Tochterfirmen. Auch diese Investments, deren Höhe ebenfalls nicht publik ist, sind von dem Fall betroffen.

Unterm Strich stehen laut Staatsanwaltschaft tausende geschädigte Investoren, deren Kapitaleinlagen nach Ansicht der Ermittler für den exzessiven Lebensstil der S&K-Leute verwendet worden sein sollen. Die Beschuldigten waren für eine Stellungnahme zu den Vorwürfen bislang nicht zu erreichen oder wollten eine solche auf Anfrage nicht abgeben. Es gilt selbstverständlich die Unschuldsvermutung.

Die Krux ist allerdings: Sollte sich der Betrugsverdacht bewahrheiten, dann befinden sich jene Anleger, die über Asset Trust oder Deutsche Sachwert Emissionshaus AG investiert haben, wohl gleich doppelt im Hintertreffen. Erstens wurde dann durch den S&K-Betrug vermutlich Geld vernichtet. Zweitens enthalten die Investmentverträge beider Unternehmen eine sogenannte qualifizierte Nachrangklausel, die die Anleger unterschrieben haben.

TÜV weist Vorwürfe zurück

"Die Folge der Nachrangklausel ist, dass Anleger erst nach allen anderen Gläubigern zum Zuge kommen", sagt Rechtsanwalt Marc Gericke von der Kanzlei Göddecke in Siegburg. "Das dürfte die Aussichten mindern, von den Gesellschaften direkt Geld zu bekommen." Fraglich sei jedoch, so Gericke, ob den Anlegern dieses Risiko bewusst war. Oder ob nicht durch Verweise auf TÜV-Gutachten und Grundschulden eine Sicherheit vorgetäuscht worden sei, die nicht bestanden habe.

Was dem Anwalt dabei vorschwebt ist klar: Mögliche Schadensersatzansprüche der Anleger gegen Verantwortliche der beiden Firmen oder gar die TÜV Süd AG. Auf deren Begutachtung der Immobiliengeschäfte der S&K-Unternehmensgruppe, so Gericke, wurde häufig verwiesen.

Die TÜV Süd AG weist auf Anfrage allerdings darauf hin, für die S&K-Gruppe oder deren Produkte kein Zertifikat erstellt zu haben, das "kommunikativ hätte verwendet werden dürfen". Es sei lediglich ein "internes Audit" über die Immobiliendeals von S&K durchgeführt worden, das mit einer Zertifizierung nicht gleichzusetzen sei.

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