Donnerstag, 5. Dezember 2019

Immobilien Run auf kombinierte Wohn- und Geschäftshäuser

Innenhof des Hauses Cumberland am Kurfürstendamm in Berlin-Charlottenburg: Durchschnittspreise pro Immobilie gestiegen

Die Staatsschuldenkrise und die schwächelnde Konjunktur in Europa treiben Geldanleger ins Betongold. Vor allem der Handel mit kombinierten Wohn- und Geschäftshäusern ist laut einem Marktbericht stark gewachsen - von 17 auf 20,4 Milliarden Euro.

Hamburg - Die Nachfrage nach Wohn- und Geschäftshäusern in Deutschland boomt - auch in mittleren Großstädten. Investoren suchten angesichts der europäischen Staatsschuldenkrise nach solchen Immobilien als sichere Kapitalanlage, heißt es im Deutschland-Marktbericht 2013 von Engel & Völkers Commercial.

2012 wurden nach Berechnung des Hamburger Immobilienunternehmens mit Objekten, die Geschäfts- und Wohnfläche unter einem Dach bieten, bundesweit rund 20,4 Milliarden Euro umgesetzt, nach 17 Milliarden Euro im Vorjahr. Um rund ein Zehntel legte die Anzahl der verkauften Objekte zu. An den meisten Standorten sei daher der Durchschnittspreis pro Immobilie gestiegen, sagt Marktanalyst Carsten Rieckhoff.

Neben den Metropolen Berlin, München und Hamburg sind nach seiner Einschätzung auch Städte mit positiver wirtschaftlicher und soziodemografischer Entwicklung interessant geworden - darunter Hochschulstandorte wie Bonn, Weimar und Kiel. Stiegen die Durchschnittspreise für kombinierte Wohn- und Geschäftshäuser demnach in München um rund 21 Prozent auf etwa fünf Millionen Euro, legten sie in Bonn sogar um 71 Prozent auf 830.000 Euro zu. In Weimar betrug das Plus 69 Prozent auf 440.000 Euro, in Leverkusen verdoppelte sich der Preis auf rund 410.000 Euro.

Renditen zwischen 5 und 7 Prozent

Bevölkerungswachstum und ein niedriger Zuwachs an Neubauten begünstigten die Preisentwicklung, sagt Rieckhoff. Am schwunghaftesten war seinen Angaben zufolge der Immobilienhandel in Berlin, aber auch in Städten wie Kiel oder Bremen wechselten deutlich mehr dieser Anlageobjekte als im Vorjahr den Eigentümer. In Hamburg blieb das Transaktionsvolumen für Wohn- und Geschäftshäuser mit rund 900 Millionen Euro stabil.

"Neben institutionellen Verkäufern aus dem In- und Ausland bieten auch private Eigentümer - aus Altersgründen, nach Trennung oder einer Erbschaft - ihre Immobilien an", sagte Rieckhoff. Während in Metropolen die Rendite in guten Lagen für solche Zinshäuser leicht auf 5 Prozent zurückgegangen sei, könnten in guten Lagen von B-Standorten wie Hannover, Bonn, Mannheim und Münster derzeit zwischen 6 und 7 Prozent erzielt werden.

Im Trend lägen Objekte direkt am Wasser, beispielsweise in Düsseldorf, Bremen, Leipzig und Bonn. "Die unsichere Konjunktur- und Staatsschuldenentwicklung in Europa treibt Anleger in Immobilien - als Sachanlage mit vergleichsweise guten Renditen bei überschaubarem Risiko", sagt der Analyst. Das Marktsegment für Zinshäuser hat sich aus seiner Sicht noch nicht überhitzt. Engel & Völkers Commercial erwartet auch 2013 ein hohes Handelsvolumen, das mindestens auf Vorjahresniveau liegt.

krk/dpa

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