Montag, 24. Juni 2019

Immobilienfonds Anleger von Wölbern Invest bangen um ihre Millionen

Blick auf Rotterdam: In der niederländischen Metropole investiert Wölbern Invest mit einem aktuellen Fonds - und rät gleichzeitig zum Exit aus dem Markt

Nach dem Fall S&K geht es am grauen Markt erneut heiß her: Wölbern Invest wird vorgeworfen, Millionen Anleger-Euros zweckentfremdet zu haben. Jetzt plant die Firma ihren Abschied aus dem Markt - auch das dürfte für die Anleger teuer werden.

Hamburg - Wo sind unsere 40 Millionen Euro? Die Frage brennt Anlegern geschlossener Immobilienfonds von Wölbern Invest unter den Nägeln. Die Investoren glauben, das Geld könnte unrechtmäßig aus ihren Fonds genommen und für andere Zwecke verwendet worden sein. Und sie haben die Sorge, es nicht mehr wiederzusehen. Verantwortlich dafür soll das Hamburger Emissionshaus selbst sein, sowie dessen Chef Heinrich Maria Schulte.

Den Verdacht nähren Jahresabschlüsse zahlreicher Wölbern-Immobilienfonds für das Jahr 2011, die in diesen Tagen publik werden. 2010 hatten diese Fonds zum Großteil noch einen Kassenbestand von jeweils mehreren Millionen Euro. Der ist jedoch 2011 weitgehend verschwunden. Stattdessen werden vergleichbare Millionenbeträge unter "Forderungen und sonstige Vermögensgegenstände" aufgeführt. Bei insgesamt mehr als einem Dutzend Fonds ist das der Fall, darunter zum Beispiel der "Deutschland 01", der "Österreich 01" sowie "Holland 58". Diese Positionen, das geht aus den Bilanzen hervor, bestanden im Jahr zuvor in der Höhe noch nicht.

Es stellt sich also die Frage: Wo ist das Geld hin, wer hat es? In den Bilanzen gibt es dazu keine näheren Angaben. Und Wölbern Invest gibt auf Anfrage keine Auskunft, weder gegenüber Anlegern, noch gegenüber manager magazin online.

So wächst das Misstrauen: Wölbern Invest könnte im Jahr 2011 freie Gelder aus den Fonds entnommen haben, um sie für andere Zwecke zu verwenden, vermuten Anleger. Einer Aufstellung zufolge, die manager magazin online vorliegt, geht es über alle Fonds gerechnet um rund 40 Millionen Euro.

"Hochgradig ausfallgefährdet"

Auch über die mögliche Verwendung dieser Gelder gibt es Spekulationen - und zwar ziemlich beunruhigende. So befürchten Investoren der betroffenen Wölbern-Fonds, Gelder könnten als Darlehen in andere Bereiche der Wölbern-Invest-Gruppe geflossen sein, in denen 2011 Liquidität benötigt worden sei. Mehrere Kenner des Unternehmens sowie Fondsexperten äußerten eine solche Besorgnis gegenüber manager magazin online, darunter der langjährige Chef des Bankhauses Wölbern, Ove Franz.

"Das ist alarmierend", schreibt etwa Christoph Schmidt, ein engagierter Anleger des Fonds "Holland 56", an manager magazin online. Nach seiner Ansicht wären solche Darlehen "hochgradig ausfallgefährdet".

Auch konkrete Annahmen, wo die Gelder gelandet sein könnten, gibt es bereits. So hätten für seinerzeit neue Wölbern-Fonds wie etwa den "Frankreich 05" im Jahr 2011 Objekte angezahlt werden müssen, heißt es. Ebenso könnten Gelder für Zwecke abseits des Fondsgeschäfts eingesetzt worden sein.

Der Verdacht wiegt schwer. Anlegeranwälte sprechen gegenüber manager magazin online von möglicher Untreue. Rechtsanwalt Matthias Gröpper aus Hamburg etwa hat vor dem Landgericht Hamburg bereits ein Urteil erstritten, demzufolge die Geschäftsführung eines der fraglichen Fonds Auskunft über die Mittelverwendung erteilen muss (Az. 401 HKO 46/12). Zu dem betroffenen Fondsmanagement gehört auch Wölbern-Chef Schulte persönlich.

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