Montag, 21. Oktober 2019

Immobilienfonds Anleger von Wölbern Invest bangen um ihre Millionen

Blick auf Rotterdam: In der niederländischen Metropole investiert Wölbern Invest mit einem aktuellen Fonds - und rät gleichzeitig zum Exit aus dem Markt

3. Teil: Gebührensatz offenbar deutlich höher als beim Paketdeal 2007

Im Klartext heißt das: Die Anleger bekämen nach Jahren der Beteiligung auch unter Berücksichtigung aller schon erfolgten Auszahlungen nicht einmal ihren ursprünglichen Kapitaleinsatz wieder heraus.

Wölbern Invest betont auf Anfrage, es handele sich um vorläufige, interne Zahlen, die nicht zur Veröffentlichung geeignet seien. Noch hätten die Anleger über einen möglichen Verkauf nicht entschieden. Trends und Entwicklungen an den europäischen Märkten seien mit Partnern des Hauses schonungslos diskutiert worden, so Wölbern. "Keiner unserer Partner erwartet in absehbarer Zeit ernsthaft Markterholungen." Die Fondsgesellschafter, könnten daher mit dem Paketverkauf einen "wirtschaftlich vernünftigen Exit realisieren".

Zwar äußern auch externe Immobilienexperten Verständnis für die Verkaufspläne. Schließlich liefen bei vielen Fondsimmobilien in Kürze Mietverträge aus. In der schwierigen Wirtschaftslage seien Nachmieter in vielen Fällen womöglich schwer zu finden, bessere Preise als derzeit seien daher künftig kaum zu erzielen.

Merkwürdig erscheint die Firmenpolitik dennoch. Denn wer in diesen Tagen die Website von Wölbern Invest aufruft, bekommt zuallererst eine Offerte zur Investition in den aktuellen Fonds des Unternehmens zu Gesicht. Der investiert in ein Bürohaus in Rotterdam, Holland - in einem der Länder also, in dem Wölbern nach eigenen Angaben in absehbarer Zeit keine Markterholung erwartet. Und in dem Land, in dem sich die meisten der Immobilien befinden, die im Sinne eines "wirtschaftlich vernünftigen Exits" verkauft werden sollen.

2007 flossen zehn Millionen Euro Gebühren

Nicht nur deshalb sehen Anlegerschützer den geplanten Megadeal schon jetzt skeptisch. Die Kosten, die dabei auftreten sollen, stoßen ebenfalls übel auf. Wölbern-Papieren zufolge, die manager magazin online vorliegen, soll bei dem Deal eine Gebühr von mindestens 3,5 Prozent des Verkaufspreises anfallen. Bei einem angestrebten Transaktionsvolumen von 1,4 Milliarden Euro wären das immerhin fast 50 Millionen Euro. Informationen darüber, wer das Geld erhält, gibt Wölbern auf Anfrage nicht. Vermutungen über Kostenstrukturen oder -positionen seien "derzeit spekulativ", so das Unternehmen.

Zum Vergleich: Beim Wölbern-Portfoliodeal im Jahr 2007 betrug die vergleichbare Gebühr nach Informationen von manager magazin online lediglich 0,85 Prozent des Volumens. Bei einem Verkaufspreis von rund 1,2 Milliarden Euro flossen demnach seinerzeit rund zehn Millionen Euro an eine britische Firma namens Capital Alliance Finance.

"Auch die absehbare Gebührenstruktur des Portfolioverkaufs erscheint aus Sicht der Investoren unvorteilhaft", sagt Thomas Lippert vom Aktionsbund Aktiver Anlegerschutz in Berlin. "Wir bekommen über unser Netzwerk nach und nach immer mehr Informationen über die Pläne. Es scheint erkennbar, dass sich Anleger sehr genau überlegen sollten, ob sie dem Verkauf zustimmen."

Noch haben die Wölbern-Investoren Zeit zum Nachdenken. Die Abstimmung über die Verkaufspläne soll Wölbern-Unterlagen zufolge erst in einigen Wochen starten. Bis Ende des Jahres will Wölbern Invest die Transaktion abschließen. Dann irgendwann wird sich auch zeigen, wie viel die vielen Tausend Wölbern-Anleger von ihren Millionen tatsächlich wiedersehen.

Nachtrag der Redaktion:

Nach Veröffentlichung des Artikels ließ die Wölbern Invest KG über ihre Anwälte mit einem Schreiben vom 17. April 2013 in Wiederholung der bereits in unserem Artikel berücksichtigten Stellungnahme des Fondshauses erneut mitteilen, dass die Gelder, die laut der Bilanzen für 2011 aus dem Kassenbestand zahlreicher Fonds verschwunden waren, "längst an die betreffenden Fondsgesellschaften zurückgeflossen" sein sollen. Teilweise seien "die Summen im vergangenen Jahr sogar an die Fondsanleger ausgeschüttet" worden, heißt es in dem Schreiben der Anwälte ergänzend. Dafür, dass etwaige Ausschüttungen aus den fraglichen Geldern gespeist wurden, liegt manager magazin online indes kein Beleg vor.

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