Freitag, 6. Dezember 2019

Fondsregulierung Anlegerschutzgesetz ohne Anlegerschutz

Skyline von London: Die britische Metropole gehörte in der Vergangenheit zu den bevorzugten Investitionszielen deutscher Immobilienfonds

3. Teil: BMF legt die "Saat für die nächste Immobilienfondskrise"

Archner selbst räumt ein, es gebe möglicherweise auch BIIS-Mitglieder, die sich "über einen Wegfall von Einnahmengrenzen, Rotation und persönlicher Haftung freuen". Beobachter gehen sogar davon aus, dass das auf den weitaus größten Teil der BIIS-Mitglieder zutrifft.

Doch der BIIS-Geschäftsführer verfügt möglicherweise über mehr Weitsicht. "Wir als Verband fahren eine ordnungspolitisch ganz stringente Linie", sagt er. "Dort wo Treuhandvermögen von Kleinanlegern auf dem Spiel steht, müssen andere, härtere Regeln für alle Beteiligten gelten als wenn sich zum Beispiel das professionelle Immobilienmanagement der Siemens Pensionskasse einen Bewerter aussucht und beauftragt."

Mit der Einschätzung steht er nicht alleine da. Auch Immobilieninvestmentexperte Sebastian befürchtet schlimme Folgen, sollten die Pläne des BMF so umgesetzt werden. "Mit vier Gesetzesnovellen wurde mühsam der Standard für die Objektbewertung in offenen Immobilienfonds nach oben geschraubt", sagt er. "Das geschah, weil alle erkannt hatten, dass es dringend erforderlich ist."

"Die Saat für die nächste Krise wird gelegt"

Für Sebastian ist es nicht nachvollziehbar, weshalb Berlin nun von dieser Linie wieder abrückt. "Damit wird bereits die Saat für die nächste Krise der Immobilienfonds gelegt", sagt er. "Die Leidtragenden dürften am Ende wieder die Anleger sein."

Auch das Argument der Kostenersparnis lässt der Fachmann nicht gelten. Hintergrund: Befürworter der eingeschränkten Gutachtertätigkeit weisen mitunter auf die zusätzlichen Kosten hin, die entstehen, wenn mehrere Sachverständige aktiv werden. Blieben diese Gelder im Fonds, so komme das der Performance zu Gute, lautet das Argument.

Doch das lässt Experte Sebastian nicht gelten. Denn er hat nachgerechnet: Auf Basis der Fondsdaten für die Jahre 2010 und 2011 beliefen sich die Kosten, die offenen Immobilienfonds für Wertgutachten entstanden, im Schnitt auf lediglich 0,0178 Prozent des gesamten Immobilienvermögens. "Die Renditeeinbußen dadurch betragen im Schnitt 0,027 Prozent", sagt Sebastian.

Selbst von diesem geringen Betrag, so der Experte, entfällt maximal die Hälfte auf die Mehrkosten, die das Gutachterkollektiv gegenüber einem Einzelgutachter erzeugt. "So viel dürfte jedem Anleger die höhere Sicherheit wohl wert sein", meint Sebastian. Der Gesetzgeber allerdings ist in dem Punkt offenbar anderer Meinung.

Seite 3 von 3

© manager magazin 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung