Freitag, 13. Dezember 2019

Fondsregulierung Anlegerschutzgesetz ohne Anlegerschutz

Skyline von London: Die britische Metropole gehörte in der Vergangenheit zu den bevorzugten Investitionszielen deutscher Immobilienfonds

2. Teil: Rückkehr der Haus- und Hofgutachter

Bei Anleger- und Verbraucherschützern lösen diese Pläne heftiges Kopfschütteln aus. Der Bundesverband der Verbraucherzentralen VZBV etwa betont in einer Stellungnahme die Bedeutung der korrekten Immobilienbewertung sowie der Unabhängigkeit und Kompetenz der Bewerter.

Die geplante Variante dagegen halten die Verbraucherschützer für gefährlich. Durch eine zu hohe Bewertung von Objekten sei eine höhere Fremdfinanzierung möglich, schreiben sie. Nicht nur, dass der Verbraucher dadurch "über den wahren Wert der Immobilie in die Irre geführt" werde. Auch die Loan-To-Value-Ratio, das Verhältnis des Kreditbetrages zum Verkehrswert des Objekts also, sei von Anfang an falsch.

Die mögliche Folge: Der Fondsanbieter werde gezwungen, spätere Bewertungen ebenfalls künstlich hochzuhalten, um nicht in die Nähe einer Insolvenz zu rücken.

Um das zu vermeiden, raten die Verbraucherschützer zur Orientierung am Investmentgesetz, dessen für offene Immobilienfonds bereits bestehende Regelungen nach ihrer Ansicht in das AIFM-Gesetz übernommen werden sollten.

"Genügend schwarze und graue Schafe"

Kritik von Anlegerschützern an einem Anlegerschutzgesetz also. Und damit nicht genug: Auch auf Seiten der Immobiliengutachter selbst stößt das BMF auf Ablehnung. Gernot Archner, Geschäftsführer des Bundesverbandes der Immobilien-Investment-Sachverständigen (BIIS), sagt. "Mit dem Gesetz soll der Anlegerschutz an einer ganz entscheidenden Stelle geschliffen werden. Und zumindest Teile der Fondslobby freuen sich still und heimlich darüber."

Archners Kritik: Durch das Gesetz entsteht eine "liberale Bewertungsspielwiese ohne substantielle Anforderungen an die Qualifikation, Unabhängigkeit und persönliche Haftung der Bewerter". "Auf dieser Spielwiese dürften sich künftig genügend schwarze und graue Schafe ihre Haus- und Hofgutachter halten", befürchtet der Verbandschef. "Gutachter also, die bis zum Sankt-Nimmerleins-Tag ohne jegliche Einnahmenbegrenzung und persönliche Haftung Treuhandvermögen von Kleinanlegern bewerten können."

Das diese Sorge keineswegs aus der Luft gegriffen ist, zeigt das Beispiel der Frankfurter Immobilienfirma S&K, über deren zweifelhafte Bewertungsmethoden manager magazin online vor wenigen Tagen exklusiv berichtete. Auch S&K sowie die mit ihr kooperierenden Unternehmen sammeln von Anlegern Millionensummen ein.

Die Position des Verbandschefs kann dennoch verwundern, denn zum Teil würden die Sachverständigen selbst von der BMF-Novelle profitieren. Schließlich könnten sie künftig wie früher erneut enge Bindungen zu einzelnen Fondshäusern aufbauen - eine komfortable Situation, die für beide Seiten einträglich sein kann.

© manager magazin 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung