Freitag, 23. August 2019

Immobilienpreise Ein Boom in Zeiten der Rezession

Der Markt für Wohnimmobilien boomt: Hauspreise und Bauaufträge steigen, Geldvermögen wird in Steine und Boden umgeschichtet

2. Teil: Interventionen mit Risiken und Nebenwirkungen

Es sind Interventionen mit Risiken und Nebenwirkungen. Durchaus möglich, dass jene Volkswirtschaften, die bislang nur moderat verschuldet sind - wie Deutschland - ebenfalls eine Verzerrung ihrer Strukturen erleben, ähnlich den Boomländern des vergangenen Jahrzehnts (Spanien, Irland, Großbritannien …).

Die Bedingungen dafür sind intakt: Niedrige Zinsen, steigende Einkommen, Banken, deren Firmenkreditgeschäft lahmt und die deshalb zur Immobilienfinanzierung bereit sind - und schließlich die sich verfestigende Erwartung, dass die Preise immer weiter steigen. Aber irgendwann platzen Häuserblasen. Und die Folgen sind hässlich: Bankenkrisen, Privatinsolvenzen, Massenarbeitslosigkeit, der Kollaps des Staatshaushalts.

Was also tun?

Die Politik sollte die - verhaltene - Warnung des IWF ernst nehmen. Regierung und Aufsichtsbehörden müssen versuchen, ein akutes Überhitzen zu verhindern. Unter den gegebenen Bedingungen stehen nur regulatorische Instrumente zur Verfügung, die die Kreditvergabe (etwa durch hohe Eigenkapitalanforderungen an Hausfinanzierer) einschränken oder die den Hauskauf unattraktiver machen (etwa durch erhöhte Grunderwerbsteuern).

Ob das funktioniert, ist allerdings fraglich. Denn zum einen sind Häuserbooms politisch extrem populär. Schließlich sorgen sie dafür, dass sich die Mittelschichten wohlhabender fühlen. Entsprechend zögerlich ist die Politik, wenn es darum geht, den Preisanstieg einzudämmen.

Zum anderen ist unklar, ob die Erschwerung der Kreditvergabe tatsächlich den Boom abbremsen kann - oder ob sich die internationalen Kapitalströme nicht über innovative Umwege weiterhin in den deutschen Immobilienmarkt ergießen. Und die Blase immer weiter aufblasen.

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