Fotostrecke

US-Häuserpreise: Flächendeckende Erholung

Foto: Seth Perlman/ AP

Immobilienkrise US-Häusermarkt wendet vor der Wahl

Gerade rechtzeitig für Barack Obama: Ein Vierteljahr vor der Präsidentenwahl kommen gute Nachrichten vom Immobilienmarkt, dem Ausgangspunkt der anhaltenden US-Wirtschaftsmisere. Die Häuserpreise erholen sich landesweit, besonders aber in wahlentscheidenden Staaten.

Hamburg - Mit Bedacht haben die Republikaner ihren Wahlparteitag nach Tampa gelegt: Florida ist der größte der nicht von vornherein auf eine Partei festgelegten "Swing States", die mit ihren Wahlmännerstimmen im November über den nächsten Präsidenten der USA entscheiden. Und Florida zählt zu den am härtesten von der Immobilienkrise getroffenen Staaten, wo der Unmut über den schlappen Aufschwung sich am ehesten in ein Votum gegen Präsident Barack Obama ummünzen ließe.

Doch die Parteistrategen hatten Pech. Am Montag mussten sie den Start der Nominierungsfeier für ihren Kandidaten Mitt Romney wegen des nahenden Tropensturms "Isaac" um einen Tag verschieben. Und am Dienstag brachten neue Zahlen die bislang stärksten Signale von einer Besserung am Häusermarkt.

Erstmals in diesem Jahr verzeichnete der Case-Shiller-Index, das meistbeachtete Maß der Entwicklung des Immobilienmarkts, sowohl landesweit als auch in einer Auswahl von 20 Metropolen steigende Preise auf Jahressicht. Für Immobilienkäufer ist das eine schlechte Nachricht, doch es lindert die Sorgen von Millionen überschuldeten Hausbesitzern, in deren Folge auch von Banken und Unternehmen - und es signalisiert für die gesamte Volkswirtschaft die Wiederkehr der Hoffnung.

"Allein im zweiten Quartal ging es für den landesweiten Index um 6,9 Prozent aufwärts, im Jahresvergleich stieg er um 1,2 Prozent" berichtet David Blitzer von Standard & Poor's, die den Index veröffentlichen. "Wir scheinen genau das zu erleben, was wir für eine nachhaltige Erholung brauchen." Nur sechs der 20 Großstädte weisen auf Jahressicht noch sinkende Preise aus, doch auch dort geht es spätestens seit April wieder aufwärts. Zwar ist immer noch nur das Niveau von Anfang 2003 erreicht und die Preise liegen immer noch zwischen 6 Prozent (Dallas) und 60 Prozent (Las Vegas) unter dem im Boom erreichten Höhepunkt, doch die Dynamik ist durchweg positiv.

Für die Präsidentenwahl von Bedeutung: Die schwächeren Häusermärkte liegen alle in Staaten, die als sichere Hochburgen für eine der Parteien gelten: In New York, Chicago, Los Angeles oder Boston zweifelt niemand, dass Obama alle Wahlmännerstimmen für den jeweiligen Staat bekommt. Texas mit Dallas und Georgia mit Atlanta dagegen gelten als sichere Bank für die Republikaner.

Floridas Metropolen Tampa und Miami zählen immer noch zu den Gebieten mit dem größten Wertverlust seit 2006, doch seit Ende 2011 zogen die Preise dort um 6 beziehungsweise 7,5 Prozent an. Ähnlich entwickelten sich die Märkte in fast allen neun Staaten, die vom Magazin "Politico" als wahlentscheidende "Swing States" gesehen werden.

Eine besonders klare Erholungsstory bietet Detroit, wo die Preise allein im Juni um 6 Prozent anzogen. Hier sitzt die von Obamas Regierung mit staatlichen Milliarden vor dem Kollaps gerettete Autoindustrie. Die Republikaner verurteilen die Aktion als sozialistisch, obwohl der als Sohn eines Automanagers und Gouverneurs in Michigan aufgewachsene Kandidat Romney und sein aus dem benachbarten Wisconsin stammender Vize Paul Ryan trotz seiner konservativen Überzeugung damals dafür waren. Mittlerweile sieht Michigan im landesweiten Vergleich der Arbeitslosenquoten nicht mehr so schlecht aus, was Obamas Wahlchancen helfen dürfte.

Mögen die landesweiten Meinungsumfragen auch ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen Obama und Romney sehen, liefert die Wirtschaftslage in den Swing States eine klare Wahlprognose. Nur in einem der neun Staaten sieht "Politico" Romney im Vorteil: North Carolina. In dessen Hauptstadt Charlotte ist die Wachstumsrate der Hauspreise zuletzt zurückgegangen. Dort wollen die Demokraten in der kommenden Woche Obama nominieren. Diese Ortswahl könnte sich auszahlen.

US-Häuserpreise: Flächendeckende Erholung

Mehr lesen über Verwandte Artikel