Fotostrecke

Was Anleger suchen: Die beliebtesten Wohnlagen in Berlin

Foto: AFP

Kaufwelle Chinas Millionäre stürmen globalen Häusermarkt

Viele reiche Chinesen legen ihr Geld in Luxusimmobilien an. Vermehrt meiden sie dabei den überhitzten heimischen Markt. Stattdessen investieren sie im Ausland. In den USA sind Chinesen schon zweitgrößte ausländische Käufergruppe. Hierzulande zieht es sie vor allem nach Berlin.
Von Richard Haimann

Berlin - Der erste Käufer aus China meldete sich im Dezember 2009. Seither sind es so viele geworden, dass das Berliner Maklerhaus "Ziegert Bank und Immobilienconsulting" seit jüngstem sogar einen Repräsentanten in Hongkong hat. "Immer mehr Chinesen wollen Wohnungen im oberen Preissegment in der Bundeshauptstadt als Kapitalanlageobjekte erwerben", berichtet Geschäftsführer Nikolaus Ziegert. "Die Nachfrage wächst so dynamisch, dass wir jetzt einen Vertreter vor Ort haben, um die neue Kundengruppe optimal betreuen zu können."

Auch anderen Maklern in der Bundeshauptstadt bescheren Interessenten aus Fernost wachsende Geschäfte. "Immer mehr vermögende Chinesen legen sich hier Eigentumswohnungen zu", berichtet Rackham F. Schröder, Geschäftsführer bei Engel & Völkers Commercial in Berlin. "Nach den USA, Kanada und Australien ist Deutschland zum viertgrößten Investitionsziel für Immobilienanleger aus dem Reich der Mitte geworden."

Seit vier Jahren tragen immer mehr Millionäre aus der aufstrebenden Wirtschaftsnation im fernen Osten ihr Geld in andere Länder, um es in Luxuswohnungen oder gleich in ganzen Miethäusern anzulegen. In Asien dominieren sie inzwischen die Märkte in Singapur und Malaysia. In den Vereinigten Staaten bilden die Chinesen bereits die zweitgrößte ausländische Käufergruppe nach den Kanadiern, hat die US-Maklerorganisation National Association of Realtors (NAR) jetzt in einer Studie ermittelt.

"Von April 2011 bis März dieses Jahres haben chinesische Käufer in den USA Immobilien im Gesamtwert von neun Milliarden US-Dollar erworben", sagt NAR-Chefökonom Lawrence Yun. Damit sei das Investitionsvolumen um 23,3 Prozent gestiegen gegenüber den 7,3 Milliarden US-Dollar, die chinesische Käufer vom Frühjahr 2010 bis März 2011 in amerikanische Immobilien angelegt hatten.

Busse voller Investoren touren durch die USA

Auch in den australischen Immobilienmarkt fließt immer mehr Geld aus China. Nach einer Studie der Beratungsgesellschaft Collier's International erwarben Käufer aus dem Reich der Mitte im vergangenen Jahr allein in Brisbane und an der Gold Coast Objekte im Wert von 71,5 Millionen Australischen Dollar - ein Plus von 72 Prozent gegenüber dem Investitionsvolumen im Jahr 2010. In Kanada stehen vor allem die Westküsten-Städte Vancouver und Victoria im Fokus der Interessenten aus Fernost, weiß Yun.

Für amerikanische Makler sind die chinesischen Käufer zu einer so wichtigen Klientel geworden, dass Gesellschaften wie die Corcoran Group Immobilientouren nach New York organisieren. Die Interessenten werden eingeflogen und in Bussen durch die begehrten Quartiere gefahren. "Fast jeder zweite Besucher unterzeichnet gleich im Anschluss einen Kaufvertrag", berichtet Corcoran-Vorstandschefin Pamela Liebman.

Wenigstens weitere vier solcher Touren wolle ihr Unternehmen in diesem Jahr noch organisieren. "Es können aber auch sechs werden, wenn die Nachfrage weiterhin so stark wächst", sagt Liebman. Zur Betreuung der Kunden aus Fernost hat die Gesellschaft extra neue Mitarbeiter eingestellt: "Wir beschäftigen jetzt mehrere Vermittlungsagenten, die fließend Mandarin sprechen", sagt die Chefin.

Seit die sozialistische Volksrepublik 1979 von der Plan- auf die sozialistische Marktwirtschaft umgestellt hat, sind langsam aber stetig immer mehr Menschen zu Vermögen gekommen. 2011 überschritt die Zahl der Dollar-Millionäre im Fern-Ost-Staat nach dem Global Wealth Report der Boston Consulting Group erstmals die Millionengrenze.

Seit 2000 Jahren imponieren Chinesen mit großen Häusern

Und immer mehr von ihnen wollen ihr Geld in Immobilien im Ausland anlegen. "Die chinesischen Käufer sind so reich, dass sie nicht einmal einen Kredit aufnehmen müssen, sondern den Preis bar aus der Tasche zahlen", schildert Ziegerts Honkong-Repräsentant William Cheng,

Grundbesitz ist seit mehr als zweitausend Jahren das wichtigste Symbol für Wohlstand im ostasiatischen Riesenreich. Seit Kaiser Qin Shihuáng 221 vor Christi die kleinen Königreiche zwischen dem Pazifik und der mongolischen Steppe unterwarf und zum kaiserlichen Imperium einte, stellten hohe Beamte und erfolgreiche Kaufleute ihren Einfluss und ihr Vermögen durch die Pracht und Größe ihrer Häuser dar.

Zwar wurden Grundeigentümer nach der Machtergreifung der Kommunisten 1949 enteignet. Doch als nach Maos Tod im Jahr 1976 die neue politische Führung unter Deng Xiaoping das Land langsam in die "sozialistische Marktwirtschaft" führte und Privatbesitz schließlich wieder möglich machte, zeigte sich, dass der Wunsch nach Grundeigentum bei den Menschen ungebrochen war.

2005 setzte schließlich ein regelrechter Immobilienboom im Land ein. Immer mehr Menschen kamen zu Geld und wollten es in Eigentumswohnungen und Häuser anlegen. Seither schossen die Preise von Jahr zu Jahr stärker in die Höhe. Projektentwickler riefen Milliardenbeträge an Krediten bei den Banken ab, um immer neue Objekte zu errichten. Der Regierung wurde der Boom unheimlich. Sie fürchtete die Entstehung einer Spekulationsblase, die gerade die Volkswirtschaften in den USA, Großbritannien, Irland und Spanien in den Abgrund gerissen hatten - und zog seit 2009 die Regulierungsschrauben immer stärker an.

Peking hat Angst vor der Immobilienblase

Erst wurden die Zinssätze für die Darlehen der Banken an Projektentwickler erhöht, dann das Kreditvolumen gekappt. Als all das nicht ausreichte, um die Preisspirale zu bremsen, folgten weitere Auflagen. "Inzwischen hat die Regierung sogar festgelegt, wie viele Eigentumswohnungen Anleger in einzelnen Städten überhaupt noch besitzen dürfen", berichtet Engel & Völkers-Geschäftsführer Schröder.

In Peking selbst dürfen sich Privatpersonen inzwischen neben dem von ihnen selbst genutzten Objekt nur noch eine weitere Eigentumswohnung zur Vermietung zulegen. Möglich sind diese staatlichen Eingriffe, weil nach chinesischem Recht zwar Privatpersonen Immobilien erwerben dürfen. Grund und Boden befinden sich jedoch weiterhin ausschließlich im Besitz der Regierung und werden lediglich verpachtet.

"Je stärker die Auflagen verschärft wurden, desto mehr Chinesen begannen, Immobilien im Ausland zu kaufen", erläutert Schröder. Dass die Immobilienpreise in Berlin in den vergangenen Jahren um mehr als 30 Prozent gestiegen sind, schreckt die Käufer aus dem Reich der Mitte nicht. Durch die massive Regulierung und die kräftig angehobenen Pachtsummen sind die aus den Mieterträgen erzielbaren Renditen in chinesischen Großstädten auf knapp zwei Prozent pro Jahr gefallen. Mit hohen Erträgen rechnen die Käufer aus China deshalb in Deutschland nicht. "Ihre Renditeerwartungen liegen bei rund 4 Prozent", weiß Ziegerts Hongkong-Repräsentant Cheng.

Doch manche Interessenten aus Fernost kaufen ihre Immobilie im Ausland auch noch aus einem anderen Grund: Immer mehr Unternehmer aus Hongkong, Peking oder Shanghai haben Niederlassungen in Nordamerika und Europa eröffnet. "Sie legen sich dann auch häufig gleich eine Eigentumswohnung zu, um angemessen vor Ort residieren zu können", sagt Cheng.

Chinesen wollen Luxusobjekte in Toplagen

Gerade hat er einen solchen Suchauftrag von einem neuen Kunden bekommen. "Es ist ein Unternehmer aus der Modebranche, der sich in Berlin eine Wohnung zulegen will, um vor Ort seine Kontakte mit jungen Designern zu intensivieren", schildert Cheng. Ausstattung, Größe und Lage der Wohnung sind exakt vorgegeben: Eine Immobilie im gehobenen Niveau in den besten Lagen des Prenzlauer Berges soll es sein. Alternativ käme vielleicht noch eine gute Adresse in den Top-Quartieren in Berlin-Mitte in Frage.

Nicht anders ist die Situation in den USA: "Chinesische Käufer interessieren sich vor allem für Luxusobjekte in den besten Lagen in den begehrtesten Städten", berichtet Corcoran-Vorstandschefin Liebman. Das bestätigt auch die NAR-Studie: Danach sind bei den Interessenten aus Fernost an der Ostküste vor allem Luxusapartments in Manhattan und den besten Lagen Bostons gefragt. An der Westküste stehen Los Angeles und Palo Alto, der Hauptstadt der Technikinvations-Schmiede Silicon Valley, im Fokus.

NAR-Chefresearcher Jed Smith hat noch einen weiteren Trend beobachtet: "Einige chinesische Unternehmen beginnen jetzt gezielt in Apartmentkomplexe in Miami und in Phoenix in Arizona aufzukaufen." In beiden Städten sind die Immobilienpreise um mehr als 60 Prozent eingebrochen, seit die Spekulationsblase in den USA 2008 geplatzt war. Smith: "Die Investoren aus Fernost setzen jetzt darauf, dass sich die Märkte hier in den kommenden Jahren erholen werden und sie die leerstehenden Wohnungen sukzessive mit hohem Gewinn verkaufen können."

Auch wenn sie keine Hypothekendarlehen benötigen, sind die Chinesen in beiden Städten bei den Banken gern gesehen. Die Institute hatten den Bau der Apartmentkomplexe finanziert - und haben jetzt all jene Immobilien auf den Büchern, die während der Spekulationsblase nicht verkauft werden konnten, weil die Projektentwickler insolvent gegangen sind.

Mehr lesen über

Verwandte Artikel

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.